Streichquintett C-Dur

von Belcea Quartett, Valentin Erben

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Label: EMI
Erscheinungsdatum: 01.01.2009

Rezension aus FALTER 50/2009

Als Franz Schubert im September 1828 sein Streichquintett C-Dur beendete, war er 31 Jahre jung und hatte noch zwei Monate zu leben. Mit seiner letzten Kammerkomposition hinterließ er einen Solitär in der Musikgeschichte, eigenwillig in seiner Besetzung (mit zweitem Cello), rätselhaft in seiner Vollkommenheit, hinreißend in seiner Hoffnungslosigkeit, mystisch in seiner Sehnsucht nach klingender Ewigkeit.
An der Jahrhundertaufnahme des Alban Berg Quartetts mit Heinrich Schiff (EMI, 1983) ist bis heute nicht leicht vorbeizukommen. Zwei Ensembles haben das nun – gleichzeitig, aber unter sehr verschiedenen Voraussetzungen – versucht. Und waren jeweils auf ihre Weise erfolgreich.
Das sehr junge Acies Quartett aus Kärnten machte sich mit Unterstützung des erfahrenen Cellisten David Geringas (geb. 1946) ans Werk (Gramola). Das Londoner Belcea Quartett wiederum, ohnehin als einer der Erben des 2008 aufgelösten ABQ gehandelt, holte sich dessen Cellisten, Valentin
Erben, ins Boot (EMI).
Und tatsächlich erinnert die Interpretation der Belceas in Momenten des tänzerischen Schwungs frappant an das ewige Vorbild, gewinnt Eigenständigkeit eher in der weniger tragisch genommenen Dramatik. Der Ansatz des Acies Quartetts wirkt daneben ernsthaft konzentriert. Man kann ihn hören wie eine respektvolle, doch zu Recht selbstbewusste Annäherung an Schuberts Ikone in beeindruckender technischer Reife. Wofür den vier Mittzwanzigern auf Ö1 auch der Pasticciopreis verliehen wurde.
Schon beim eröffnenden, himmlisch schlichten C-Dur-Akkord werden die klanglichen Unterschiede hörbar. Dem silberhellen Strahlen des Londoner stellen die Österreicher in ihrer etwas unscharfen Aufnahme einen schattierten Ton gegenüber. Dennoch wirkt ihr Klangbild plastischer, verschmilzt das zweite Cello auch bei den berühmten Pizzicatostellen nie ganz mit dem Ensembleklang.
Mit Verzögerungen, stockendem Atem, flüchtigen Ritardani hält sich das Acies Quartett weitgehend zurück, während sich gerade in solchen Gestaltungsfinessen die enorme Sicherheit der Belceas zeigt. Im Scherzo vor allem, aber auch bei den drängenden Synkopen des Finales spielen sie rhythmisch freier, forscher und letztlich eloquenter auf.

Carsten Fastner in FALTER 50/2009 vom 11.12.2009 (S. 28)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Streichquintett

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