A Bird's Eye View

von Ad Colen

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Label: Sweet Briar Music
Genre: Jazz
Umfang: CD
Erscheinungsdatum: 18.12.2018


Rezension aus FALTER 51-52/2018

Manchmal, doch nicht immer toll: vogelfrei und -voll

Mit einem 50-köpfigen Ensemble kann man schon einen gottgefälligen Wirbel veranstalten. Wenn man will. Die deutsche Saxofo- und Komponistin Ingrid Laubrock will nicht so wirklich. Hin und wieder setzt ein wuchtiges Tutti Akzente, reagieren Instrumentalgruppen aufeinander, sorgen die Vokalisten und -innen auf „Vogelfrei“ für ein gespenstisch-dramatisches Crescendo. Insgesamt aber wird der Albumtitel „Contemporary Chaos Practices“ (Intakt) recht voraussehbar umgesetzt: viel polyzentrisches Pulsieren, ephemeres Flimmern, Geschabe und Geblase, wenig bündige und nachvollziehbare Ideen.

Alles andere als „vogelfrei“ sind die elf Stücke auf „A Bird’s Eye View“ (Sweet Briar Music). Dass sich der niederländische Saxofonist Ad Colen von Vogelgesängen inspirieren ließ, fiele aber nur sehr begabten Birdlistenern von alleine auf. Gewiss kann man sich das kecke „Push & Shove“ auch als freundliches Kükengerangel im Nest vorstellen, den „Shy Yellow One“ als zugleich robusten und bewegungsfreudigen Laubsänger; aber die Dohlen tönen doch wesentlich melodiöser als in Wirklichkeit. Das Konzept ist hier kein Korsett, sondern bildet den Rahmen für einen komplexen, aber nicht verkrampft zerebralen Chamber Jazz mit hohem Anmutsfaktor.

Abwechslungsreich auch „Change in the Air“ (Rarenoise). Das jüngste Album des Cuong Vu 4tet enthält irrlichternde Improvisationen und Stücke mit klarer Richtungsvorgabe. „Alive“, auf dem der Leader die Körnung seines Trompetentimbres effektvoll zum Einsatz bringt, eröffnet weite amerikanische Horizonte und erinnert ein wenig an Bill Frisell. „March of the Bat and Owl“ wiederum evoziert den elektrifizierten Miles Davis an der Wende von 1960er- und 1970er-Jahren und ist auch viel zu hibbelig, als dass jemand dazu marschieren könnte. Was die genannten Viecher ohnedies nicht tun würden, ist doch die eine der Fressfeind der anderen.

Klaus Nüchtern in FALTER 51-52/2018 vom 21.12.2018 (S. 46)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Change In The Air (Cuong Vu 4tet)
Contemporary Chaos Practices (Laubrock,Ingrid/Halvorson,M./Davis,K./Wooley,N./+, Ingrid Laubrock)

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