Franz Schubert: Sinfonie 1 & 8

von Klangkollektiv Wien

Derzeit nicht lieferbar

Label: Gramola
Genre: Klassik
Umfang: CD
Erscheinungsdatum: 23.11.2018

Rezension aus FALTER 51-52/2018

Hashtag #MusikohneGrenzen

Die Stadt hat seit kurzem ein neues Ensemble für klassische Musik. Wer steckt hinter dem Klangkollektiv Wien?

Als das Klangkollektiv Wien Ende Oktober auf der Bühne des Mozart-Saals im Konzerthaus Platz nimmt, sind die Aufregung und der Enthusiasmus im ganzen Raum zu spüren. Zum ersten Mal präsentiert sich das Orchester dem lokalen Publikum, und wer regelmäßig in die sinfonischen Konzerte geht, erkennt das eine oder andere bekannte Gesicht wieder.

Norbert Täubl, ein Mitbegründer des Ensembles, spielt bei den Wiener Philharmonikern, Rainer Küblböck ist Solotrompeter der Wiener Symphoniker. Die Bratschistin Aurore Cany kennt man aus dem Orchester der Volksoper, die Geigerin Marianna Oczkowska vom Radio-Symphonieorchester Wien. Von den 40 Musikern des Klangkollektiv Wien haben die meisten langjährige Orchester- und Konzerterfahrung. An diesem Abend herrscht Aufbruchsstimmung, weil es gelungen ist, in Zeiten von Budgetkürzungen ein neues Orchester auf die Beine zu stellen.

„‚Braucht es in einer Stadt wie Wien überhaupt ein weiteres Orchester?‘, werden wir immer wieder gefragt“, sagt Rémy Ballot. Der in Paris geborene, 40-jährige Dirigent und künstlerische Leiter des neuen Ensembles beantwortet die Frage mit einer Gegenfrage. „Wie oft hören Sie in den philharmonischen Konzerten Schubert, Mozart oder Haydn?“ Tatsächlich ist die Wiener Klassik schon lange nicht mehr fest im Repertoire der großen Sinfonieorchester verankert.

Von Schubert spielt man, wenn überhaupt, die „Große C-Dur“ und die „Unvollendete“. Mozart wird ebenfalls immer seltener und Haydn fungiert, wenn überhaupt, nur als kleiner Vorgeschmack zu Konzertbeginn. Auch bei den Beethoven-Sinfonien beschränkt man sich, außerhalb von kompletten Zyklen, auf die 3., 5., 7. und 9.

Das liegt auch an der Originalklangbewegung, die den großen traditionellen Orchestern in Sachen Wiener Klassik den Rang abgelaufen hat. Mittlerweile gehört es zum guten Ton, Haydn, Mozart und Schubert auf kratzigem Darm und dünnem Blech zu spielen. Umso erfreulicher ist es, dass sich ein Ensemble gefunden hat, das der Wiener Klassik wieder jenen Stellenwert gibt, der ihr zusteht. „Back to the roots“, nennt es Ballot und erklärt, dass man weder revolutionäre Interpretationsansätze noch die Suche nach absoluter Perfektion im Sinn habe: „Uns geht es um einen natürlichen Zugang zur Musik, ganz ohne klangliche Extreme.“

Nachhören lässt sich das auf der Debüt-CD mit Franz Schuberts 1. und 8. Sinfonie: samtig-weicher, üppiger Klang und eine ergreifende, dem natürlichen Fluss der Musik folgende Interpretation. Spannend ist das Projekt aber auch, weil hier Musiker aus unterschiedlichen Orchestertraditionen eine neue, gemeinsame Sprache suchen. Ungewöhnlich sollen außerdem die bespielten Locations sein, sagt Ballot: Er wünscht sich Orte, an denen keine Festivals stattfinden, und Menschen, die normalerweise nicht zum klassischen Publikum gehören.

Neu ist auch die Finanzierung: Die Mitglieder spielen vorerst unentgeltlich und setzen ihre Aktivitäten durch Crowdfunding um. Beim Gründungskonzert in Wien wurden zudem 150 Freikarten an ausgewählte karitative Einrichtungen gespendet. Unter dem Hashtag #MusikohneGrenzen soll das auch in Zukunft so bleiben, um Menschen aller Gesellschaftsschichten und Altersgruppen den Zugang zu den Aufführungen zu ermöglichen.

Miriam Damev in FALTER 51-52/2018 vom 21.12.2018 (S. 43)


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