Streit!
Eine Aufforderung

von Meredith Haaf

€ 18,50
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Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 21.09.2018

Rezension aus FALTER 37/2018

Ein guter Streit ist faulem Konsens weit überlegen

Wer zankt schon wirklich gerne? Die meisten Menschen sind konfliktscheu – zumindest, solange sie sich ihrem Gegenüber persönlich stellen müssen. Social Media und Empörungskultur geben der Zwietracht neue Breite, aber nicht mehr Tiefe. Meredith Haaf ruft dazu auf, besser zu streiten – und über wichtigere Dinge.

Dazu gehören aus ihrer Sicht angemessener Umgang mit Kritik am eigenen Standpunkt und Respekt vor dem Kontrahenten. Laut ihrer Analyse sind wir davon noch Lichtjahre entfernt: Persönliche Angriffe auf Kritiker stehen auf der Tagesordnung. Wehleidige Wutäußerungen übertönen sachliche Argumente bei weitem. „Wir leben in einer Ära der beleidigten Leberwursthaftigkeit“, resümiert Haaf.

Um zu ergründen, was Streit ist, hat sie in der philosophischen und psychologischen Fachliteratur recherchiert. Sie zitiert die Studie einer großen Unternehmensberatung oder interviewt eine Mediatorin. Dezent bringt sie auch immer wieder eigene oder selbst beobachtete Streiterlebnisse als Beispiele.

Die gelernte Historikerin und Philosophin schreibt als freie Journalistin etwa für das SZ Magazin und hat bereits zwei Bücher veröffentlicht, über coolen Feminismus („Wir Alphamädchen“, 2008) und die zögerliche Lebensplanung junger Erwachsener von heute („Heult doch“, 2011). Mit ihrer eigenen Generation geht sie auch beim Thema Streit hart ins Gericht.

Unentschlossen seien die Jungen auch in Auseinandersetzungen. Älteren, noch Facebook-frei aufgewachsenen Semestern traut sie eher zu, Themen weder zu zimperlich noch zu hart anzufassen. Denn die Kunst des guten Streits sollte darin bestehen, „die Dringlichkeit von Klimawandel, Rechtsruck oder Abstiegsangst ernst zu nehmen und sich gleichzeitig locker zu machen“.

Die Autorin macht vor, wie’s geht: Ihre Streit-Schrift liest sich unterhaltsam und zugleich angriffslustig. Sie kämpft für das zutiefst Menschliche, das Miteinander trotz gegensätzlicher Bedürfnisse. Gegen faulen Konsens, für ehrliche Kompromisse. Dafür lohnt es sich zu streiten.

Andreas Kremla in FALTER 37/2018 vom 14.09.2018 (S. 34)


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