Rennradfieber
Lust und Leidenschaft auf dünnen Reifen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines schnellen Sports

von Wolfgang Gerlich (Hg.), Othmar Pruckner (Hg.)

€ 34,90
Lieferung in 1-3 Werktagen

EAN: 9783854395799
Verlag: Falter Verlag
Format: Gebundene Ausgabe
Genre: Radsport/Radrennen
Umfang: 216 Seiten
Erscheinungsdatum: 02.06.2016
Neuauflage

Gehasst und geliebt, gefürchtet und verehrt: Das Rennrad ist seit jeher Kult- und Kampfobjekt. Es dient als Ausgangspunkt philosophischer Betrachtungen und ist als ultimative Entwicklung der Muskelkraftmaschine von besonderer Faszination.
Dieses Buch handelt von der Attraktion, die schnelle Räder seit vielen Jahren auf Freizeit - wie auf Rennsportler ausübt. Die Herausgeber präsentieren Geschichten von Radsportlegenden, porträtieren alte und junge Rennfahrer, Sammler, Rad-Fernreisende, prominente Rennradfahrer sowie Frauen, die diesen Sport gerade für sich erobern. Die umfassende Bestandsaufnahme eines lebendigen Breitensports gibt mit ihren 181 Fotos der Leidenschaft ein vielgestaltiges Gesicht. Die Beiträge lassen keine Frage offen und machen Lust aufs Radfahren und auf ein schnittiges Rennrad.
Rennradfieber ist ein Lesebuch für Einsteiger wie für Profis, für Allrounder und Spezialisten. 

           

Othmar Pruckner und Wolfgang Gerlich lesen aus "Rennradfieber" und der Himmel hängt voller Räder.
Fotos: peter provaznik/RADKULT


Rezension aus FALTER 46/2015

Die Gazellen des Asphalts

Junge, urbane Menschen setzen auf alte Rennräder. Studenten und Designerinnen, Fotografen und Buchhändlerinnen fahren mit Stahlrahmen aus den 70er-Jahren - einfach, weil sie schön sind

Man könnte sagen, sie sind unpraktisch. Die dünnen Reifen verfangen sich gern in Straßenbahnschienen. Die Bremshebel sitzen weit vorne am Rennlenker, bremsbereites Fahren wird dadurch nicht eben erleichtert und über die Bremskraft reden wir lieber erst gar nicht. Viele der alten Renner sind licht-und leuchtenlos. Der Gepäckträger fehlt, kein praktisches Körberl kann montiert, keine Packtasche angehängt werden. Die Kette läuft ungeschützt und offen. Sehr leicht kann es passieren, dass sie auf dem Hosenbein schwarze Schmierflecken hinterlässt und so die Hose für immer versaut.

Es soll auch vorkommen, dass sich die Hose zwischen Scheibe und Kette verfängt. Über die Konsequenzen dieser Malaise schweigen wir hier nobel. Die Schaltung funktioniert, wenn überhaupt, nicht präzise, die Hebel am Rahmen müssen mit viel Feingefühl umgelegt werden, um die Kette auf das große Ritzel oder die kleine Scheibe zu führen: ein langer Lernprozess. Auch erfahrenen Retro-Fahrern springt die Kette öfter von der Scheibe als ihnen lieb ist.

Nein, am aktuellen Stand der Technik befinden sich die Stahlrenner der Sechziger-, Siebziger- und frühen Achtzigerjahre wohl nicht. Sie sind, zugegeben, keine idealen Stadtfahrzeuge. Aber: Sie sind einfach cool. Schöne Teile. Abgespeckt bis zum Gehtnichtmehr. Schlank, slim, geil. Keine schwerfälligen, faden, schwarzen Supermarkträder, keine zweirädrigen SUVs, keine graue Standardware, sondern: minimalistisch, reduziert, originell im besten Sinn. Leicht und locker, flott und frech. Sie sind möglicherweise störanfällig, aber auch leicht zu reparieren. Völlig durchschaubar, verständlich, logisch.

Mehrere tausend solcher logisch-unlogischen Retro-Stahlrenner sind mittlerweile in der Stadt unterwegs. Zu sehen sind sie vorwiegend innerhalb des Gürtels, in den Bobo- und Uni-Bezirken, in der Innenstadt und der Naschmarktgegend. Jedem Mittfünfziger geht das Herz auf, wenn da hoffnungsfrohe, hübsche Hipster mit den teuren Rädern ihrer Jugend vorbeirauschen und offensichtlich Gefallen an Selects und Olmos, an Peugeots und Vincellis finden. Die Jugend, denkt man sich erfreut, ist doch nicht so schlecht, wie es immer heißt.

Markus Böhm ist einer der Gründerväter der Wiener Retro-Radszene. Er war der Erste, der Mitte der Nullerjahre alte Rahmen, alte Rennräder sah, sie nicht nur fahrtüchtig, sondern auch wieder ansehnlich machte und sie sehr bald sehr erfolgreich weiterverkaufte. Heute führt er das "Radlager" in der Wiener Operngasse, Szenetreffpunkt, Meeting Point, Tempel für all jene, die besonders schöne alte Räder suchen und dafür auch gutes Geld ausgeben wollen. Wer bloß schauen will, kann hier exzellenten italienischen Kaffee trinken und, sozusagen als Surrogat für das doch nicht gekaufte Rad, Retro-Käppis (Peugeot! Faema! Campagnolo!) erstehen und bei der Heimfahrt auch gleich aufsetzen. Très chic!

Mittlerweile werden die Vintage-Stahlrahmen nicht nur vom Kunst-und Designmenschen Böhm gehandelt. Er hat quer über das Stadtgebiet Nachzieher gefunden und das Netz ist sowieso voll mit einschlägigen Angeboten. Jeder will eines, und sei es nur, um sich das Teil daheim an die Wohnzimmerwand zu hängen.

Doch darum geht es bestenfalls in zweiter Linie. Zuallererst kommt es den rennradfahrenden Designern, Radbotinnen, Jung-Architektinnen und Alt-Kunststudenten darauf an, mit anderen Geräten zu fahren als der Mainstream. Mit individueller Ware, mit persönlicher Note unterwegs zu sein, anders auszusehen als die Ökos, besser, hübscher, flotter unterwegs zu sein als saturierte Wohlstandsradler mit ihren teuren Designerrädern.

Die Retro-Fahrerinnen und -Fahrer wollen aber auch - und wer will das nicht? - clever, smart und schnell sein. "Form follows function": Dieses eherne Designprinzip findet nirgendwo besser zu seinem Recht als hier.

Die Räder sind zum Fahren da und werden auch dafür gekauft. Sie sind die klarsten und simpelsten Mobilitätsmaschinen, die es gibt. Zart wie Insekten, flink wie Wiesel, dabei schön wie eine abstrakte Skulptur. Den vorwiegend jungen Fahrern dieser im Durchschnitt vierzig Jahre alten Räder kommt es überhaupt nicht auf die Marke an, glaubt Pionier Böhm, sondern auf Eleganz und Extravaganz in einem etwas ausgefalleneren Sinn. Die Farbe, die Form sind entscheidend, und sonst sehr wenig. Das extrem reduzierte, stählerne Rennrad an sich macht die gute Figur. Aber es macht auch aus dem Fahrer, aus der Fahrerin jemand anderen, Besseren. Man sieht anders aus, zeigt sich deutlich körperbetont und: nochmals alternativer als die Alternativen. Man fährt anders mit einem Rennrad.

Darauf, dass der Rahmen oft zwei Nummern zu klein oder eine zu groß ist, auch darauf kommt es gar nicht an. Sondern: Das himmelblaue Francesco Moser, das man am Flohmarkt der Vienna International School um fünfzig Euro erstanden hat. Das KTM, das der geliebte Großvater aus dem Keller geholt, danach persönlich abgestaubt und abgeschmiert hat. Das klapprige Puch Jungmeister, das rostrot-metallicfarbene Vicini, das grüne Bianchi und das neu lackierte Colnago: Damit stärkt man heute sein Ego.

Das sind Stücke, mit denen man sich in der Szene, und nicht nur dort, selbstbewusst zeigen kann. Es sind Objekte, die man gern zur Schau stellt und die ein klares Statement sind: Schaut her, ich fahre nicht nur nicht Auto, ich fahre auch nicht ein ordinäres Stadtrad, sondern ich fahre exklusiv einen echten Oldtimer und bin trotzdem und gerade deshalb auf der Höhe der Zeit. Wer's nicht glaubt, braucht bloß an einem lauen Sommerabend am Teich vor der Karlskirche vorbei schauen: Hier sieht man die Schönen der Stadt beiderlei Geschlechts, und die allerschönsten Renner sind immer mit dabei.

Schnittige Retroräder sind Sammlerobjekte, aber in unserem Fall gewiss neue Statussymbole: Sie zeigen, wer man ist, wie man denkt und welchen Lebensstil man pflegt. Grün sowieso, aber auch unangepasst, designaffin, nicht nur quadratisch-praktischgut, sondern radikal. Radikal im besten Sinn, also an die Wurzel gehend. Sie zeigen, dass simple Technik Bestand hat, dass einfache Maschinen, wie es Rennräder nun einmal sind, lange, ja sehr lange funktionstüchtig bleiben können.

Retro-Rennräder in der Stadt weisen nicht nur in diesem Sinne weit über sich hinaus. Sie sind Zeichen dafür, dass Räder in der Stadt nicht nur "klug" und "umweltbewusst", sondern auch schön und individuell aussehen sollten. Schlanke Rennräder in der Stadt mögen vielleicht unpraktisch sein, sie sind aber in jedem Fall hübscher - und auch weit praktischer! - als fette, breite Autos. Allein diese Tatsache macht sie zu guter Letzt doch auch grundvernünftig. Absolut unersetzlich. Sozusagen vollkommen unwiderstehlich.

Othmar Pruckner in FALTER 46/2015 vom 13.11.2015 (S. 44)



Leserstimmen

Tolles Buch mit wunderschönen Fotos! Ich steig wieder auf! Echt! (Franz B., Fischamend)

Als Rennradfahrer ein must-have Buch! (Andreas S., Wien)

Ein ausgezeichnetes Buch für alle Rennradbegeisterte in Wien und rund um Wien (Wera S., Gerasdorf)

Kann dem ganzen Autoren-Team nur gratulieren, gut gelungenes Werk mit tollen Bildern - Hab selbst öfter "Fieber" (Siegfried A., Wien)

Tolle Aufmachung, interessante Geschichten (auch für Nicht-RennradfahrerInnen!), lässige Bilder! (Elfi H., Hainfeld)

Themen top, Bilder exzellent (Peter G., Wien)

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