Creativ Club Austria-Annual 04
Das 26. Jahrbuch des Creativ Club Austria

von Creativ Club Austria (Hg.)

€ 79,00
Lieferung in 2-7 Werktagen

EAN: 9783854393382
Verlag: Falter Verlag
Umfang: 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.01.2004

Der Creativ Club Austria kürte zum 26. Mal die besten Anzeigen, Plakate, Spots, Direct Mails usw., aber auch die innovativsten Junioren und Kunden. Das CCA-Jahrbuch zeigt auf mehr als 300 Seiten ausgezeichnete Werbung. Gestaltet wurde das Jahrbuch vom Kreativteam Dasuno und steht ganz im Zeichen der Lust. Es enthält wie immer alle Informationen zu den prämierten Werbekampagnen. Hier finden Sie die Namen der brillantesten Texter, der spannendsten Grafiker und der einfallsreichsten Kreativen.

Rezension aus FALTER 32/2004

Werbung stinkt

Das aktuelle Jahrbuch des Creativ Club Austria ist erschienen - diesmal als antiker Fake.

Ein paar Leute in Kairo sind richtig glücklich geworden", sagt Andrea Taha. Die Grafikerin war verantwortlich für die Gestaltung des 26. Jahrbuchs des Creativ Club Austria (CCA) und hat dafür ägyptische Antiquitätenfälscher ziegenlederne Bucheinbände "auf alt" trimmen lassen. Das Buch mit den verwaschenen Goldbuchstaben "Inspiration 2004" am Cover sieht aus wie ein kostbares Stück aus der Nationalbibliothek. Und es stinkt bestialisch nach Ziege.

Zum 26. Mal in Folge hat der CCA Werbung aus Österreich nicht nur mit der goldenen, silbernen oder bronzenen Venus von Willendorf ausgezeichnet, sondern die ganze ausgezeichnete Werbung eines Jahres auch noch in einen Hochglanzbildband hineingepackt. Die Schwarze-Rollkragenpulli-Fraktion übernimmt dabei selbstverständlich ehrenamtlich den ehrenvollen Job, in diversen Jurys zu sitzen. Das CCA-Jahrbuch gilt - zumindest branchenintern - als Meisterstück der Kreativwirtschaft. Wer hier drin vertreten ist, hat es geschafft, auf jeden Fall eine Zeit lang.

Man möchte, erklärt CCA-Generalsekretär Hans Georg Feik, mit dem Jahrbuch nicht nur Insidern aus der eigenen Branche das Werbegeschehen näher bringen, sondern auch anderen Interessierten. Vor allem wohl potenziellen Kunden, um ihnen zu zeigen, was alles möglich ist beziehungsweise wäre. "Das CCA-Jahrbuch hat aber durchaus auch archivarische Funktion", sagt Feik, "hier kann man nachschlagen, was in den vergangenen Jahren passiert ist, und schauen, wo die Werbung in Österreich heute steht."

Heuer wurde erstmals ein Wettbewerb für die Gestaltung des Jahrbuchs ausgeschrieben. Fast zwanzig Teams reichten Arbeitsproben ein, drei Finalisten wurden schließlich eingeladen, ihre Vorstellung des Annuals zu präsentieren - zwei bekamen ein Abstandshonorar, den Zuschlag erhielt Andrea Taha, die mit ihrer Agentur Beduinenzelt.com zwischen Deutschland und Kairo pendelt. Die 36-Jährige, die zehn Jahre lang in Wien gelebt und gearbeitet hat, überzeugte die Jury mit ihrem Konzept und wahrscheinlich auch mit der von ihr erdachten Themenvorgabe "Vergänglichkeit".

"Ich habe vor einiger Zeit in einem Magazin einen Bericht über das Buch des Archimedes gelesen", erzählt Taha. Das Buch habe schlimm ausgesehen, sei in einem katastrophalen Zustand gewesen. "Dann kam die Einladung für das CCA-Jahrbuch, und ich habe mich gefragt, was davon einmal davon übrig bleiben wird?'" Die ganze Branche nehme sich grundsätzlich selbst viel zu ernst, meint Taha, "dabei ist die Werbung oft noch so schlecht. In anderen Länden, in den Niederlanden oder Großbritannien, da ist Werbung sehr witzig." Und jetzt kommt Tahas Witz: Das aktuelle Jahrbuch ist wie ein Fundstück aus dem Jahr 2004, das tausend Jahre später gefunden wird. "In tausend Jahren wird es die Auftraggeber wahrscheinlich nicht mehr geben, aber über die Gags und Witze von heute könne man vielleicht immer noch lachen", sagt die Gestalterin. "Was übrig bleibt, sind die tollen Ideen."

Taha arbeitet in dem Wälzer, der im Falter Verlag vertrieben wird, Branchenthemen geradezu museal auf. Wie in einer Art Katalog für ein "Museum der Werbung" reflektiert sie die Ergüsse der Kollegenschaft. Dabei helfen die zweisprachigen Texttafeln bei den Gewinnern der Werbepreise in den verschiedenen Kategorien und vor allem die Aufmacherseiten. Offenbar typische Alltagsgegenstände eines Werbers, vom Handy bis zur Garnele aus der Fusionküche, zeigt Taha in ihrem Reklamemuseum. Sie präsentiert im Kapitel "Mixed Media" als "durchschnittlichen Kühlschrank-Inhalt 2004 n. Chr." eine halb volle Ketchupflasche mit dem Hinweis, die Kühlschränke damals seien besonders groß, teuer und aus Edelstahl gewesen und permanent leer: "Man bevorzugte zur Nahrungsaufnahme die in Agenturnähe befindlichen Restaurants."

Auf einer weiteren, sehr werbischen Ausgrabungsstätte zeigt Taha einen Nasenhaarschneider und stellt, einer Archäologin gleich, die Mutmaßung an, dass Präsentationen von Kinospots beim Kunden "stets peinlich genau vorbereitet" wurden: "Zu dieser Zeremonie gehörte auch die Entfernung überschüssiger Haare aus der Nase, sollte man im Eifer der mimischen und akustischen Darstellung dem Kunden zu nahe kommen." Darüber lacht man also unter Werbern.

Am Augenscheinlichsten wird der Ausgrabungszugang jedoch beim Einband des Jahrbuchs: Antiquitätenfälscher in Ägypten haben das Ziegenleder "auf alt" gemacht. Für den Prototypen ist Taha noch selbst mit dem Auto drüber gefahren und hat den Backofen angeheizt. In ihrem Garten in Kairo hat sie die 1200 Ledereinbände ausgelegt, mit dem Schlauch nass gespritzt und an der Sonne wieder trocknen lassen. Verschleierte Frauen liefen unaufgefordert über die CCA-Bücher drüber und halfen mit, dass sie älter ausschauen. "Eine Gruppe von Frauen wurde richtig böse", erzählt Taha. "Die haben nicht verstanden, worum es geht, eine hat mich sogar in die Hand gebissen." Sechs Wochen lang haben 15 Buchbinder und Fälscher am antiken Look gearbeitet - und wurden gut dafür bezahlt, wie Taha versichert. Deshalb sind ein paar Leute in Kairo jetzt richtig glücklich.

In Wien auch. Nämlich die, die im Jahrbuch stehen.

Christopher Wurmdobler in FALTER 32/2004 vom 06.08.2004 (S. 15)



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