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| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Politischer Aktivismus / Politisches Engagement |
|---|---|
| ISBN | 9780316220217 |
| Sprache | Englisch |
| Erscheinungsdatum | 01.04.2012 |
| Größe | 216 x 140 mm |
| Verlag | Back Bay Books |
| Lieferzeit | Lieferung in 7-14 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Libri GmbH Europaallee 1 | D-36244 Bad Hersfeld gpsr@libri.de |
Analyzing the movement's deep-seated origins in questions that the country has sought too long to ignore, some of the greatest economic minds and most incisive cultural commentators - from Paul Krugman, Robin Wells, Michael Lewis, Robert Reich, Amy Goodman, Barbara Ehrenreich, Gillian Tett, Scott Turow, Bethany McLean, Brandon Adams, and Tyler Cowen to prominent labor leaders and young, cutting-edge economists and financial writers whose work is not yet widely known - capture the Occupy Wall Street phenomenon in all its ragged glory, giving readers an on-the-scene feel for the movement as it unfolds while exploring the heady growth of the protests, considering the lasting changes wrought, and recommending reform. A guide to the occupation, THE OCCUPY HANDBOOK is a talked-about source for understanding why 1% of the people in America take almost a quarter of the nation's income and the long-term effects of a protest movement that even the objects of its attack can find little fault with.
| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Politischer Aktivismus / Politisches Engagement |
|---|---|
| ISBN | 9780316220217 |
| Sprache | Englisch |
| Erscheinungsdatum | 01.04.2012 |
| Größe | 216 x 140 mm |
| Verlag | Back Bay Books |
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Robert Misik in FALTER 30/2012 vom 25.07.2012 (S. 16)
In einem Sammelband erweisen Ökonomen, Journalisten
und Anarchisten der Occupy-Bewegung ihre Reverenz
Ein Wälzer mit dem Titel "The Occupy Handbook", da würde man sich hierzulande wohl eher eine Attac-Fibel vorstellen oder vielleicht gar eine Anleitung zum Aufbau von Zelten. Umso beeindruckender ist, was die Autorin Janet Byrne zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat.
Byrne hat für ihren Sammelband hochklassige Autoren gewonnen: Notenbankerlegende Paul Volcker, Spitzenökonomen wie Paul Krugman und Nouriel Roubini, Clintons Arbeitsminister Robert Reich, den Oberanarchisten David Graeber und den einflussreichsten Wirtschaftsjournalisten Martin Wolf von der Financial Times. Sie liefern neben anderen Größen beeindruckende Essays in dem 535-Seiten-Reader.
Das zeigt nicht nur, welch eine Wirkung die Occupy-Bewegung auf Teile des linksliberalen Establishments hatte. Gerade unter Wirtschaftswissenschaftlern in den USA hat sich ein progressiver, neokeynesianischer Flügel entwickelt, der längst nicht mehr überhört werden kann. Bis in den Mainstream hinein hat sich die These durchgesetzt, dass die ökonomische Ungleichheit die Hauptursache für die gegenwärtige ökonomische Malaise ist. Jedenfalls gibt es in den USA in der wirtschaftswissenschaftlichen Zunft heute eine Pluralität und eine Bereitschaft, Thesen zu verfechten, die dem Big Business nicht gefallen, von der man in unseren Breiten nur träumen kann.
Produktiver durch Gleichheit
Mehr als 61 Prozent aller amerikanischen Millionäre sind laut einer Umfrage dafür, die Steuern für Millionäre zu erhöhen. Es hat sich auch in diesen Kreisen längst herumgesprochen, dass die Konzentration von Wohlstand in den obersten Etagen der Gesellschaft dramatische Kosten aufzwingt. Immerhin ist der Anteil des reichsten Prozents an allen Einkommensarten auf 23 Prozent gestiegen – vor 20 Jahren konzentrierte diese Gruppe "nur" zehn Prozent der Einkommen.
Starökonomen wie Roubini weisen immer stärker darauf hin, "dass wachsende Ungleichheit zu geringerem ökonomischen Wachstum führt. Also, abseits von allen Gerechtigkeitsfragen, ist Ungleichheit damit auch gemessen am traditionellen ökonomischen Kriterium Effizienz' eindeutig schlecht."
Höhere Löhne, bessere Ausbildung, höhere Arbeitsmotivation, weniger Armut führen eben nicht nur zu mehr Nachfrage, sondern auch zu besseren Waren und produktiveren Firmen. Deshalb ist mehr Gleichheit auch unter Bedingungen einer kapitalistischen Marktwirtschaft ökonomisch sinnvoll. Nachhaltiges Wachstum, so sein Kollege Emmanuel Saez, ist ein Wachstum, das sich an den Gezeiten des Meeres orientiert: "Eine Flut, die alle Boote hebt." Saez plädiert für einen Spitzensteuersatz von 50 bis 70 Prozent, um die Ungleichheit wieder zu reduzieren, und J. Bradford DeLong fragt in einem furiosen Kommentar, warum hohe Steuersätze bei so vielen Menschen unpopulär sind.
Warum, fragt er, haben so wenige Menschen Mitleid mit Armen, aber so viele Mitleid mit Reichen, wenn die Steuern zahlen müssen? Er findet die Antwort bei Adam Smith, der einst schrieb: "Ein Besucher von einem anderen Stern, der die Indifferenz sieht, die Menschen für jene empfinden, die unter ihnen stehen, und der das Bedauern sieht, das sie offenbar für das Unglück der Bessergestellten empfinden, muss wohl annehmen, dass Schmerz für jene schlimmer ist, die auf der sozialen Leiter weiter oben sind, als für jene, die sich auf den unteren Sprossen befinden."
Smith erklärte das damit, dass uns das Leben der Reichen als "die beinahe vollständig verwirklichte Idee eines perfekten Lebens" erscheint, sodass wir die Wohlhabenden beinahe "unsterblich" wünschen. Rubini, Krugman, DeLong, sie alle plädieren wie der Financial Times-Kolumnist Martin Wolf für eine "Reform des westlichen Kapitalismus", sodass man am Ende des Buches beinahe zu glauben versucht ist, dass der Kampf für mehr Gleichheit zum neuen zeitgenössischen Mantra geworden ist.
Das Haus als Bankomat benutzt
Das Buch ist voller funkelnder Diamanten. Etwa wenn Daniel Gross darüber räsoniert, wie schwierig es ist, antizyklisch zu agieren (oder geben Sie nicht auch mehr Geld aus, wenn Sie mehr Geld haben?). Oder wenn Paul Volcker, Fed-Chef unter Ronald Reagan, ausruft: "Kann es wirklich wahr sein, dass unsere Regierung for sale' ist?" Brillant auch John Cassidys atemberaubender Bericht aus der Finanzindustrie und Bethany McLeans Reportagecheck über die Immobilienblase.
Sie räumt unter anderem mit dem Lieblingsmythos der Konservativen auf: Der Staat habe die Blase aufgepumpt, indem er Banken ermunterte, Niedrigverdienern Immobilienkredite zu geben, damit diese sich Häuser kaufen können. McLean zeigt, wie wenig die Immobilienblase damit zu tun hatte. Denn die staatsnahen Hypothekenbanken haben nur einen kleinen Anteil am "Subprime"-Geschäft gehabt, vor allem aber hat das Subprime-Kreditgeschäft nur am Rande mit dem Erwerb von Häusern durch Unterprivilegierte zu tun.
Nur 16 Prozent der Subprime-Kredite wurden verwendet, um Häuser zu kaufen. 82 Prozent wurden an Menschen vergeben, die bereits Häuser besaßen. Man schwatzte ihnen Kredite auf und überredete sie, ihre Häuser als Sicherheiten einzusetzen. Die übergroße Mehrheit hat ihr Haus eingesetzt und dafür Geld erhalten, sie haben "ihr Haus als Bankomat benutzt". Wäre es tatsächlich so gewesen, dass die Immobilienblase mit dem Wunsch der Regierung, dass jedermann ein Haus haben sollte, zusammenhing – dann wäre die Sache auf die wenigen Fälle beschränkt geblieben, in denen sich Subprime-Kunden ein Haus auf Kredit kauften. Und "dann wäre es nie zu einer Krise gekommen".

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