Where We Stand

Class Matters
176 Seiten, Taschenbuch
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Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten Ethnic Studies / Ethnizität Ethnische Gruppen und multikulturelle Studien
ISBN 9780415929134
Sprache Englisch
Erscheinungsdatum 04.10.2000
Größe 229 x 152 mm
Verlag Routledge
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Europaallee 1 | D-36244 Bad Hersfeld
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Kurzbeschreibung des Verlags

Drawing on both her roots in Kentucky and her adventures with Manhattan Coop boards, Where We Stand is a successful black woman's reflection--personal, straight forward, and rigorously honest--on how our dilemmas of class and race are intertwined, and how we can find ways to think beyond them.

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FALTER-Rezension

Feminismus ist heute wieder Klassenkampf. Gut so!

Barbaba Tóth in FALTER 10/2017 vom 08.03.2017 (S. 4)

Ich werde von schönen Frauen automatisch angezogen. Ich küsse sie einfach. Sie sind wie ein Magnet für mich. Und wenn du berühmt bist, lassen sie es auch zu. Du kannst alles von ihnen haben. Ihre Muschis begrapschen, einfach alles.“ Diese Worte sind schon jetzt in die Geschichte des Feminismus eingegangen.
Viele Frauen hofften, Donald Trumps Auslassungen über seine sexuellen Eroberung sind der Wendepunkt des US-Wahlkampfs 2016. Niemals könne ein Mann, der so despektierlich über Frauen spricht, Präsident der Vereinigten Staaten werden. Sie irrten sich.
Zur gleichen Zeit tauchte in Österreich das Phänomen „Generation Haram“ auf. Die Zeitschrift Biber beschrieb diese neue Jugendsubkultur in einer langen Reportage. „Haram“ heißt auf Arabisch „verboten“, „halal“, das Gegenstück, bedeutet „erlaubt“. In den Augen mancher pubertierender Schüler mit Migrationshintergrund ist heutzutage vieles „haram“. Wenn Mädchen zu viel Haut zeigen, zu viel Ausschnitt zu viel ­Make-up. Im Namen ihrer Religion stellen die Burschen dann Verbote auf und schränken das Leben ihres weiblichen Umfelds ein.

Trumps primitive Prahlerei und die Verbotskultur muslimischer Machos sind nur zwei besonders extreme Belege dafür, dass wir in ein Zeitalter der sexistischen Extreme eintreten. Sie lehren uns, wie groß und wie unterschiedlich die Herausforderungen in Zeiten des Rückschlags für den angewandten politischen Feminismus im Jahr 2017 sind. Nicht nur in Österreich.
Zu den schärfsten Antreibern des Backlash gehört der weltweit erstarkende Rechtspopulismus, für den alle gesellschaftspolitischen Errungenschaften der Post-1968er-Jahre ein Irrweg sind, allen voran die Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen- und Transgender-Bewegung. Ein massiver Inkubator des gegenwärtigen Sexismus ist die männlich dominierte Mainstreampornoindustrie. Der Hass, der Frauen im Netz entgegenschlägt, die sich exponieren oder für ein frauenpolitischen Anliegen einstehen, wurzelt hier. Eine Frau ist darin keine Person, sondern bloß ein Objekt mit mehreren Öffnungen, das benutzt und danach entsorgt werden kann.
Dazu kommt nun auch ein altmodischer Patriarchalismus, der keine Frauenbewegung und keine Gleichberechtigung kennt, Frauen als Heilige oder Huren mystifiziert und den weiblichen Körper als potenzielle Lustquelle verhüllt wissen will. Über populäre Youtube-Kanäle schwappt er ins Land. Genauso wie die frauenverachtenden Pornofilmchen, auf denen Trumps Sexismus fußt. Oder das beliebte „Sexting“, das Einfordern und Öffentlichmachen von Nacktbildern, längst gängige Praxis unter Teenagern.
Bei all diesen Phänomenen geht es um die (meist männliche) Macht über den (meist weiblichen) Körper.
All das passiert im neunten Jahr der Finanzkrise, die 2008 mit der Insolvenz der Lehman Brothers begann, und den Druck auf dem Arbeits- und Bildungsmarkt und die Wohlfahrtssysteme noch verschärfte.
Und wie immer, wenn Ressourcen und Perspektiven knapper werden, verschärft sich auch der Geschlechterkampf. Wie viele Frauen schaffen es ganz nach oben, wie viele Männer machen Platz? Wer geht in Teilzeit arbeiten? Wer verdient prekär? Wer verdient eigentlich am Gender-Pay-Gap?

Es ist kein Zufall, dass die Vordenkerin der Queer-Theorie, Judith Butler, ihre wichtigsten Texten in den ökonomisch optimistischen 1990er-Jahren veröffentlicht hat. Es war damals lange nicht alles rosig in Sachen Gleichberechtigung, aber die Emanzipation der Frauen schien, zumindest in den westlichen, privilegierten Regionen der Welt, voranzuschreiten. Solide genug, um sich so avantgardistische Gedanken über die soziale Konstruktion von Geschlecht zu leisten und Theoriefragen an benachteiligten Minderheiten wie Transgender-Personen auszurichten.
Es ist aber auch kein Zufall, dass feministische Theoretikerinnen jetzt wieder lauter nach einem Zurück zur Klasse rufen, nach einem neuen Klassismus. Geschlecht, Herkunft, Religion und Identität mögen wichtige Analysekategorien sein, aber viel an Gemeinsamen geht verloren, wenn sich der Kampf gegen Ungleichheit in intersektionalen Betroffenheiten verheddert.
Was in der Theorie diskutiert wird, gilt für die Praxis um so mehr. Wer etwa den Sexismus einer „Generation Haram“ nur als religiös-kulturelles Problem sieht, blendet aus, dass junge Männer mit Migrationshintergrund derzeit die schlechtesten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt haben und ihre Minderwertigkeitskomplexe mit Machogehabe zu überspielen versuchen.
Für Jugendliche bräuchte es deswegen nicht nur zeitgemäßere und bessere Sexualerziehung und Geschlechtersensibilisierung in den Schulen. Genauso wichtig wäre ein Rechtsanspruch auf ein Kindergartenplatz für alle Kinder ab vier Jahren und einer Ausbildungsoffensive für Kindergartenpädagogen. Damit frühkindliche Erziehung keine reine Frauensache mehr ist. Dabei wird man auch über das Gehaltsniveau von Kindergartenpädagoginnen sprechen müssen, das, wie in allen von Frauen dominierten Branchen, viel zu niedrig ist.
Genauso wenig lässt sich die leidige „Kopftuch“-Frage als religiös-kulturelles Thema allein diskutieren. Nein, man kann eben nicht, schon gar nicht als Feministin, gegen alles sein, wofür Verschleierung steht, und trotzdem dieses Stück Stoff als individuellen Kopfschmuck schönreden.
Das Kopftuch ist leider zum Symbol einer benachteiligte Klasse geworden, einer Klasse, an deren Entstehung die österreichische Sozial- und Bildungspolitik schon über viele Jahre hinweg mitschuld trägt. Es einfach zu verbieten, wie die große Koalition es mit ihrem „Neutralitätsgebot“ für Richter, Staatsanwälte und Polizisten macht, hilft da nicht weiter. Noch mehr Programme speziell für Frauen und Mädchen aus sozial schwachen Familien schon eher, damit sie die Kraft haben, über ihr Milieu hinauszuwachsen.

Erfolgreiche Frauenpolitikerinnen müssen heute deshalb echte Feministinnen, Klassenkämpferinnen und Generalistinnen in einem sein.
So wie die verstorbene Frauenministerin Sabine Oberhauser (1963–2017). Als Kinderärztin kannte sie die Bedürfnisse und Probleme des Familienlebens, als Gewerkschafterin wusste sie um die Dringlichkeit der sozialen Frage, als Spitzenpolitikerin war sie sich ihrer Vorbildwirkung im Umgang mit neuen Öffentlichkeiten der sozialen Netzwerke stets bewusst.
Eine Frauenministerin muss gegen die unmittelbaren Folgen des Sexismus kämpfen, so wie es in den letzten Jahren mit der Reform des Strafgesetzbuches gelungen ist, der den wichtigen Tatbestand der Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung etablierte. Jetzt braucht es dringend einen erweiterten Cyber-Mobbying-Paragraphen.
Sie muss gleichzeitig Frauenquoten in Politik und Wirtschaft und Gehältertransparenz in Privatunternehmen vorantreiben. Denn die Erfahrung lehrt: Erst wenn 30 Prozent eines Gremiums weiblich sind, beginnt sich etwas zu ändern. Gleichberechtigung heißt 50 Prozent - eine Quote, von der Österreich noch weit entfernt ist.
Gleichzeitig muss sie die nachwachsenden Ungleichheiten bekämpfen – mit Sozial-, Bildungs- und Integrationspolitik. Sie muss Frauenpolitik so breit denken, als wären sie Frauenministerin und Kanzlerin in einem.
Für all das braucht sie eine starke, klare Stimme. Deswegen sollte eine Frauenministerin, anders, als es bis dato üblich war, immer nur Frauenministerin sein – und kein zweites Ressort mitverantworten. So lange, bis endlich eine Kanzlerin regiert.

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