Das verlorene Wochenende

Roman
352 Seiten, Hardcover
€ 26,80
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ISBN 9783038200079
Erscheinungsdatum 13.08.2014
Genre Belletristik/Erzählende Literatur
Verlag Dörlemann
Übersetzung Bettina Abarbanell
Nachwort von Rainer Moritz
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Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH
Kaiserstraße 79 | DE-60329 Frankfurt am Mai
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Kurzbeschreibung des Verlags

Manhattan 1936, East Side. Don Birnam trinkt. Und der Schriftsteller hat längst jenen Punkt erreicht, an dem »ein Drink zu viel ist und hundert nicht genügen«. Seit dem letzten Absturz kaum wieder auf den Beinen, widersetzt er sich erfolgreich allen Versuchen seines Bruders Wick, ihn zu einem langen Wochenende auf dem Land zu überreden, und bleibt fünf Tage in der gemeinsamen Wohnung allein. Dort nimmt das Schicksal seinen Lauf: Don trinkt, beschafft sich Geld, verliert es, besorgt sich neues, landet auf der Alkoholstation, trinkt weiter. Schwankend zwischen Euphorie und Verzweiflung, Selbsterkenntnis und Selbsttäuschung, Inspiration und Panik, glasklarem Denken und tiefer Umnachtung, fällt Don zunehmend ins Delirium.

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FALTER-Rezension

Täglich grüßt der Kater

Sebastian Fasthuber in FALTER 45/2014 vom 05.11.2014 (S. 37)

"Das verlorene Wochenende" von Charles Jackson ist eine glänzende Alkoholikerstudie und ein literarisches Meisterstück

Das Schlimmste, was mir je widerfahren ist, war der Erfolg von ,Das verlorene Wochenende'", pflegte Charles Jackson zu sagen. Sein 1944 erschienenes Romandebüt über die einsame Sauftour eines durch Manhattan taumelnden Trinkers machte ihn berühmt. Und erzeugte eine Erwartungshaltung, die ihn überforderte.
Jackson litt an Schreibblockaden, neigte zu Medikamentenmissbrauch und war selber schwerer Alkoholiker. Er hatte trockene Phasen, wurde aber immer wieder rückfällig. An noch etwas kiefelte er: Sein erfolgreicher Roman war schon kurz nach Veröffentlichung nicht mehr "sein" Buch. Billy Wilder hatte es verfilmt und der Erfolg des mit mehreren Oscars ausgezeichneten Films überragte den des Romans. Noch dazu änderte Wilder den Schluss: Sein "Lost Weekend" endet mit einer hoffnungsvollen Note.
Charles Jackson jedoch erzählt die Geschichte eines Trinkers, die im Roman nicht gut ausgeht, nicht gut ausgehen kann. Don Birnam, der ­tragische Held, bezeichnet sich zwar selbst als "Quartalssäufer", tatsächlich aber betrinkt er sich alle paar Wochen für einige Tage bis zum absoluten ­Tiefpunkt. Nach einem fast ­ebenso ­lange anhaltenden Kater und guten Vorsätzen geht es bald wieder aufs Neue los.

In seinen wenigen lichten Momenten träumt Don davon, ein gefeierter Schriftsteller zu werden. Er plant ­einen autobiografischen Roman mit dem vielsagenden Titel "Im Glas", aber er kommt natürlich nie dazu, ihn zu schreiben. Häufiger sind ohnehin die weniger lichten Momente, in denen ihn traumatische Bilder aus seiner Kindheit oder jene Szene aus seinem ersten Jahr an der Uni einholen: Er fühlte sich zu einem Studienkollegen hingezogen, dieser schien seine ­Gefühle zu erwidern – schwärzte ihn jedoch an. Don wurde vom Campus gejagt.
Allenfalls ein Drittel seines Romans sei autobiografisch, wandte Jackson später gegen die Lesart ein, er habe auf seine eigenen Erfahrungen als Säufer zurückgegriffen. Erfolglos: Die Figur Birnams beruht eindeutig auf ihm, nicht nur, was die Trinkerei und den Wunsch zu schreiben anbelangt. Er machte als Student eine ähnliche sexuelle Erfahrung (und brauchte Jahrzehnte, ehe er sich seine Bi- bzw. Homosexualität eingestand). Wie Birnam war er chronisch lungenkrank und verbrachte in seinen 20ern viel Zeit in Europa.
Aus dem Stoff des schon reichlich verpfuschten Lebens eines Mannes Anfang 30 machte Jackson einen in zweifacher Hinsicht genialen Roman. Er lässt sich als präzise Studie über das Gehirn und die Seele eines Trinkers lesen und ist gleichzeitig große Literatur – einzuordnen irgendwo zwischen Jacksons Landsmann William Faulkner und Thomas Mann, den er zeit seines Lebens verehrte. Dass sich der Verfasser des "Zauberbergs" sehr positiv über "Das verlorene Wochenende" äußerte, war eine der größten Freuden in Jacksons Leben.

Zu loben ist an diesem Roman zunächst einmal, wovon er sich fernhält. Von einer um Mitleid heischenden Milieu­studie ist er ebenso weit weg wie vom Glorifizieren des Saufens. Im Gegenteil: Es gibt kaum einen zweiten Roman, in dem Alkoholismus so niederschmettend realistisch dargestellt wird. Großartig etwa die vielen kleinen Täuschungsmanöver, mit denen der Trinker sich und anderen etwas vorgaukeln will. Das beginnt schon beim allerersten Whisky auf Dons Sauftour:
"Sobald der Drink vor ihn hingestellt wurde, fühlte er sich besser. Er trank ihn nicht sofort. Jetzt, da er ihn hatte, war das nicht nötig. (…) Nach und nach entwickelte er eine subtile, raffinierte Schau des Ennui: starrte sich selbst wie in Gedanken versunken im dunklen Spiegel der Bar an; hantierte mit seinem Glas herum, drehte es unablässig zwischen den Fingern oder ließ es auf dem feuchten Tresen langsam hin und her gleiten; (…) und als er das Glas schließlich an die Lippen führte, tat er es mit einer gelangweilten Miene, die besagte: Na schön, da ich es nun mal bestellt habe, kann ich es ja auch trinken."

Ab da gibt es kein Halten mehr. Bald schon hat Don den ersten Filmriss. Immer wieder schnorrt er sich bei jemand ein paar Dollar für ein paar Flaschen Whisky. Nach einigen Getränken biegt er nämlich lieber nach Hause ab, um beim exzessiven Saufen nicht von anderen gesehen zu werden. Und immer wieder wacht er morgens auf – und es ist kein Tropfen Alkohol mehr im Haus. Als wahre Hölle erlebt der Trinker den Kater ("der bewusst erlebte Wahnsinn").
Wie Angehörige zu Co-Abhängigen werden, schildert Jackson ebenso meisterhaft. Don, der schon lang keiner Arbeit mehr nachgehen kann und nicht einmal mehr imaginäre Zukunftspläne schmiedet, lebt mit seinem Bruder zusammen, der die Miete zahlt und ihn von der Flasche fernzuhalten versucht. Am Anfang des Romans will er Don zu einem langen Wochenende aufs Land mitnehmen. Natürlich versetzt ihn dieser.
Wie Don auch die Frau, die ihn liebt, immer wieder versetzt und täuscht. Dabei macht ihm Helen nie Vorwürfe. Sie pflegt ihn, wenn er ganz unten ist. Sobald er jedoch halbwegs wiederhergestellt ist, verschwindet er. Don bringt ihren Leopardenmantel zum Pfandleiher und kauft sich sechs Flaschen Whisky, die er in der Wohnung versteckt. Nur zur Sicherheit.

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