Die Bildwelt der Ansichtskarte – ein Kulturgut und seine Erzählformen

Band 4: Die Schönen von Paris
264 Seiten, Taschenbuch
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Reihe Die Bildwelt der Ansichtskarte – ein Kulturgut und seine Erzählformen
Themen Kunst Fotografie Sammlungen Porträts & Selbstporträts
ISBN 9783038584223
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 20.04.2026
Größe 32 x 24 cm
Verlag edition abcdefghijklmnopqrstuvwxyz
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Kurzbeschreibung des Verlags

Wenn wir diesen Band dem Pariser Fotohaus Reutlinger und seiner Konkurrenz widmen, dann soll darauf aufmerksam gemacht werden, welche Bedeutung diese Art der Fotografie um 1900 einnahm und wie stilprägend sie für das 20. Jahrhundert wurde. Nicht nur geht es darum, dass sich die Frauen herausputzen und sich vor die Kamera stellen, gleichsam einem anthropogenen Zug von Weiblichkeit, Schönheit (für sich) zu definieren und als Selbstermächtigung zu präsentieren. Es geht auch darum, diese Bilder als Vorläufer aller Märkte von Fanpost zu erkennen, sei es im Fussball, sei es in Filmzeitschriften, sei es in der People- und/oder Promifotografie. Der Mensch scheint sich nicht erst heute nach celebrities zu sehnen, nach Vorbildern, Influencern, stilprägenden Schönheiten und lebendig gewordenen Musen in ihrer Funktion als Schauspielerinnen, Sängerinnen oder Revue-Tänzerinnen. Man liess ein Bild von sich machen, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Dies kann als eine Form von direct-mailing, um das Marketing-Glossar zu bemühen, betrachtet werden. Mit Reutlinger beginnt der öffentliche Diskurs über weibliche Schönheit, über Aufmerksamkeit und die Funktion des Gesichts, resp. des geschönten Körpers als Teil der Repräsentanz, der in Deutschland sehr unheilvolle Züge annahm und in rassistische Debatten abdriftete. Wie zu zeigen sein wird, ist in diesem speziellen, weiblichen Berufsporträt nicht nur der musische Charakter der Rolle, der Gefälligkeit, ja Gefallsucht beteiligt, sondern auch die Textilmode mit ihren Strategien der Aufmerksamkeit. Während die models auf den Laufstegen der Moderne allerdings als anonyme Kleiderständer fungieren, handelt und wirbt Reutlingers Personal in eigener Sache. Das Individuum beteiligt sich mit der individuellen Fähigkeit, ein bestimmtes, natürliches Gesicht zu haben, das wiedererkannt werden soll. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Ansichtskarte ein unmittelbares Bild abgibt, und zwar jenes der Person und nicht jenes der Theaterrolle) und mit dem Betrachter ein persönliches Stelldichein gewährleistet, das im Theater aufgrund der Distanzen zumeist nicht vorhanden ist. Die Adressaten der Ansichtskarte partizipieren also an einer Nähe zu einer Person, die diese so gar nicht beabsichtigt hat. Daraus ergibt sich, dass derlei demimonde auch als Projektionsfläche dient, welchen Typ Frau man schön und edel findet. Dieses Bewusstsein für Distinktion etabliert sich mit diesen Bildern. Man lernt, Vorlieben zu erkennen, aller Gattungen Frauen visuell zu unterscheiden. Man lernt, schwärmerisch zu werden für einen Frauentyp, den man zwar kaum erreichen kann, aber trotzdem ist es eine Sehschule, die Ingredienzien von Schönheit und Wirkmacht zu erkennen. Die Fotografien aus den Fotohäusern waren zumeist echte Fotografien, also genaue Abbilder der Welt, der Menschen, der Stars, die ihrerseits wieder mit und in ihren Rollen die Welt verkörperten und interpretierten. Die Herstellungsverfahren waren weitgehend genormt; Ausschuss wurde kaum produziert. Weil alle Bilder stets so perfekt aus den Dunkelkammern herauskamen, erachtete man sie als Fotodrucke, doch in Wahrheit sind sie gewerbliche, unikate Ergebnisse eines chemischen Herstellungs- und Entwicklungsprozesses, resp. zumeist eines Reproduktionsvorgangs, bei dem verschiedene Negative in einen Rahmen gespannt wurden, um im Kontakt mit dem lichtempfindlichen Papier kurz belichtet und dann entwickelt zu werden. In verschiedenen Werken wird der Dialog zwischen Malerei und Fotografie um 1900 erörtert. Doch darin kommt die Ansichtskarte nicht vor, obwohl sie künstlerisch, technisch wie auch medientheoretisch genau diese Schnittstelle bedient. Reutlinger will auf vielen Karten das Malerische eben nicht weglassen und veredelt die Fotografien mit Farbkolorierungen, Glimmer, Gold oder mit aufgeklebten, farbigen Plastikkügelchen. Ausserdem sind viele Karten von Haus aus mit Rollwerk, Jugendstilornament und typografischen Formatierungen als räumliche Werke medialisiert. Man traute der direkten (Sach)fotografie und den (Kleider)reformen noch nicht, wie sie sich erst 20 Jahre später dank dem sachlichen Stil des Bauhauses durchsetzten.

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Reihe Die Bildwelt der Ansichtskarte – ein Kulturgut und seine Erzählformen
Themen Kunst Fotografie Sammlungen Porträts & Selbstporträts
ISBN 9783038584223
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Erscheinungsdatum 20.04.2026
Größe 32 x 24 cm
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