Café du Dôme

Herausgegeben von Birte Werner- Mit Beiträgen von Birte Werner und Deborah Viëtor-Engländer- Edited by Birte Werner- With contributions by Birte Werner and Deborah Viëtor-Engländer
458 Seiten, Taschenbuch
€ 135,70
-
+
Lieferung in 7-14 Werktagen

Bitte haben Sie einen Moment Geduld, wir legen Ihr Produkt in den Warenkorb.

Mehr Informationen
Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten Gruppen Frauen und Mädchen
ISBN 9783039109531
Sprache Englisch, Deutsch
Erscheinungsdatum 19.06.2006
Größe 220 x 145 mm
Verlag Peter Lang
LieferzeitLieferung in 7-14 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Libri GmbH
Europaallee 1 | D-36244 Bad Hersfeld
gpsr@libri.de
Unsere Prinzipien
  • ✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
  • ✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
  • ✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
  • ✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
  • ✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
Kurzbeschreibung des Verlags

Die österreichische Schriftstellerin Anna Gmeyner veröffentlichte 1941 unter dem Pseudonym Anna Reiner ihren zweiten Exilroman: Café du Dôme. Er steht in der Tradition des Zeitromans der Weimarer Republik und schildert den Alltag der Exilanten im Paris Mitte der 1930er Jahre. Im und um das Café, dem zentralen Treffpunkt und Zufluchtsort, entfalten sich kaleidoskopisch ihre Geschichten. Der Deutschlandroman Manja. Ein Roman um fünf Kinder (1938), mit dem Gmeyner in den 1980er Jahren wiederentdeckt wurde, war 1938 im Amsterdamer Querido-Verlag erschienen. Auch Café du Dôme hätte in der deutschen Fassung hier erscheinen sollen. Der Einmarsch der Deutschen in den Niederlanden machte das Projekt zunichte. 1941 erschien die englische Übersetzung des Manuskripts. Das deutsche Original blieb verschollen. Nun macht diese Edition die englischsprachige Ausgabe erstmals wieder zugänglich. The Austrian authoress Anna Gmeyner published Café du Dôme, her second novel written in exile, under the pseudonym Anna Reiner in 1941. This novel is in the tradition of the topical novel of the Weimar Republic and describes the everyday life of the exiles in Paris in the mid-1930's. Their stories develop in kaleidoscopic fashion in and around the café which is their central meeting place and their refuge. The Querido-Verlag Amsterdam intended to publish Café du Dôme in German; the novel Manja. A Story of Five Children (1938) had already been published there. The novel set in Germany led to her rediscovery as a writer in the 1980's. But the German invasion of the Netherlands put an end to this project. The English translation of the manuscript was published in 1941 and the German original has never been traced. However, this new edition enables the public to read the English version.

Mehr Informationen
Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten Gruppen Frauen und Mädchen
ISBN 9783039109531
Sprache Englisch, Deutsch
Erscheinungsdatum 19.06.2006
Größe 220 x 145 mm
Verlag Peter Lang
LieferzeitLieferung in 7-14 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Libri GmbH
Europaallee 1 | D-36244 Bad Hersfeld
gpsr@libri.de
Unsere Prinzipien
  • ✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
  • ✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
  • ✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
  • ✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
  • ✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
FALTER-Rezension

Leben, um zu leben

Michael Omasta in FALTER 42/2006 vom 18.10.2006 (S. 68)

Als die Wiener Autorin Anna Gmeyner (1902-1991) erste Erfolge feierte, kam Hitler an die Macht und vertrieb sie nach England. Jetzt wird eine erste umfassende Studie zu Leben und Werk vorgestellt.

Ein kleines spöttisches Lächeln scheint über das Gesicht der jungen Frau mit dem hochgeschlossenen Mantelkragen zu huschen, während ihr Blick an der Kamera vorbei in ungewisse Ferne schweift. Anna Gmeyner ist zum Zeitpunkt der Aufnahme dreißig Jahre alt, die Fotografie, die gegen Ende 1932, Anfang 1933 in einer Zeitung erscheint, wie folgt unterschrieben: "Eine neue Dramatikerin, Anna Gmeyner, wird in Berlin aufgeführt."

Gemeint ist "Automatenbüffet", ihr sozialkritisches, satirisches Zeitstück, das im Theater am Schiffbauerdamm zur Premiere kommt. Moriz Seeler, der Erfinder der Jungen Bühne und Produzent des Films "Menschen am Sonntag", besitzt ein sicheres Gespür für aktuelle Stoffe und führt selbst Regie; die Hauptrollen übernehmen Hilde Körber (die lebensmüde Eva) und Heinrich Heilinger (der sie rettende Adam). Noch während das Stück auf dem Spielplan steht, wird Hitler zum Reichskanzler ernannt, und die ersten Leute werden verhaftet. Die letzte Aufführung findet am 27. Mai 1933 statt. Seeler wird Jahre später von den Nazis deportiert und in Riga ermordet; Anna Gmeyner muss Deutschland verlassen und ihre abrupt unterbrochene Laufbahn unter den erschwerten Bedingungen des Exils fortsetzen. Die österreichische Erstaufführung von "Automatenbüffet" findet erst 2004 im Theater in der Josefstadt statt.

Anna Wilhelmine Gmeyner, geboren 1902 in Wien, gestorben 1991 im englischen York, schrieb Gedichte, Lieder, Theaterstücke, Romane und für den Film. So häufig sie zwischen den Genres wechselte, so oft änderte sie dabei ihren Namen. Ihre frühen Texte zeichnete sie als Anna Wiesner (nach ihrem ersten Ehemann, dem Physiologen Paul Berthold Wiesner), die im Exil entstandenen Romane unter Pseudonym (Anna Reiner), ihr Spätwerk mit dem Namen Anna Murdoch (nach ihrem zweiten Gatten, dem Religionsphilosophen Jascha Murdoch). Die großen Karrieren zeitgenössischer Dichterfürsten sahen in der Regel anders aus.

Bergarbeiter, Fließbandarbeiter, Arbeitslose sind die Protagonisten von Gmeyners vier Bühnenstücken, die thematisch fest in den Diskursen der fortschrittlichen Kräfte der Weimarer Republik wurzeln. Schon die Titel, "Heer ohne Helden" oder "Zehn am Fließband", sprechen für sich. Dennoch kann man Gmeyner, wie Birte Werner in "Illusionslos. Hoffnungsvoll", der ersten umfassenden Studie ihres Werks, schlüssig nachweist, nur unter Vorbehalten als "politische Autorin" bezeichnen. Sowohl die Stücke wie auch ihre Romane haben einen Hang zu metaphysischer Überhöhung; im Fall der Aufführung von "Heer ohne Helden" (1930), das von schottischen Bergarbeitern und einem tödlichen Grubenunglück handelt, wurden die entsprechenden Passagen vorsorglich gestrichen. Statt mit christlicher Seelenpein endete die Inszenierung mit dem von Hanns Eisler vertonten "Lied der Bergarbeiter", dessen Schluss offen die Revolution beschwört: "Und fahren aus den Gruben, / Hohläugig und zerfetzt, / Den Herr'n in ihren Stuben / Vergeht das Lächeln jetzt."

Wechselnder Erfolg war auch Gmeyners Engagements beim Film beschieden. 1931 reist sie nach Moskau, um für Erwin Piscator eine deutsche Version seines Films "Der Aufstand der Fischer" zu erarbeiten (die dann aber nie hergestellt wird). 1933 schreibt sie an Drehbüchern zweier Filme mit, die G.W. Pabst in Paris realisiert: Der eine, "Du haut en bas", die Milieustudie eines Wiener Mietshauses (mit Jean Gabin), stößt bei der Kritik auf wenig Begeisterung, beim anderen, "Don Quichotte" mit Fjodor Schaljapin, wird ihr Name im Vorspann nicht einmal mehr genannt. Ein weiteres Projekt, "La Route sans Fin", das sie mit Paul Falkenberg verfasst, bleibt Exposé.

Ab 1935 lebt Gmeyner permanent in Großbritannien. Dort entstehen ihr bekannter Deutschlandroman "Manja. Ein Roman um fünf Kinder" (Amsterdam 1938), von dem Übersetzungen auch in England und den USA erscheinen, sowie der große Exilroman "Café du Dôme" (London 1941), in dem sie kaleidoskopisch die Schicksale und Geschichten der Vertriebenen in Paris verarbeitet. "Nur eine Frau ist imstande, auf eine Frage zu antworten, die Tausenden heute die Kehle zusammenpresst", meinte Jan Lustig in seiner Rezension im Aufbau. "'Wozu leben wir noch, nachdem uns alles zerstört ist?' - Sie antwortet - und es ist unendlich schwer, das Selbstverständliche verständlich, das Einfache einfach erscheinen zu lassen -, sie antwortet: 'Um zu leben.'"

Aber das Leben ist kein Roman. Alice, die jüngere Schwester der Autorin, begeht im August 1939, nur wenige Monate nachdem sie London erreicht hat, Selbstmord. Anna Gmeyner wird als Zeugin vernommen, sagt, dass Alice über die internationale Krise besorgt und in einem nervösen Zustand gewesen sei; ihre Verletzungen lassen vermuten, dass sie sich zu erhängen versucht und die Pulsadern aufgeschnitten hat, ehe sie aus dem Fenster der gemeinsamen Wohnung in Hampstead gesprungen ist.

"Die Entwicklung, die die Texte von den Zeitstücken zu den Exilromanen nehmen", resümiert Birte Werner, "lässt sich als Prozess beschreiben, in dem Anna Gmeyner ihre im Wortsinne verstandene Chronistenrolle mehr und mehr aufgibt." In den Romanen ist von Revolution keine Rede mehr. Es geht ums nackte Überleben, in den späteren auch um das Leben danach.

Wie sich Gmeyners Tochter, die heute 81-jährig als Schriftstellerin in England lebende Eva Ibbotson, erinnert, mochte die Mutter Wien "überhaupt nicht, aber sie erzählte unglaublich lebhafte Geschichten darüber". In ihre Geburtsstadt ist Anna Gmeyner nicht wieder zurückgekehrt.

weiterlesen