Lazarus Man

Roman | Deutschsprachige Ausgabe
400 Seiten, Hardcover
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ISBN 9783103977110
Erscheinungsdatum 11.02.2026
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Verlag S. FISCHER
Übersetzung Henning Ahrens
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S. Fischer Verlag GmbH
Hedderichstraße 114 | DE-60596 Frankfurt am Main
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Kurzbeschreibung des Verlags


East Harlem, 2008. Ohne Vorwarnung stürzt ein fünfstöckiges Mietshaus ein, das ganze Viertel versinkt im Chaos. Die Rauchwolke steht dicht über dem Berg aus Schutt, als Rettungsdienste und Medien eintreffen. Als eigentlich keiner mehr mit Überlebenden rechnet, wird Anthony Carter aus den Trümmern geborgen, unversehrt, aber nicht mehr derselbe. Richard Price folgt vier unvergesslichen Charakteren durch die Nachwehen einer urbanen Katastrophe. Ein fesselndes Gesellschaftsportrait voller Spannung und sozialer Visionen, das mit seiner großen Menschlichkeit einen Kontrapunkt zu Trumps Amerika setzt.


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FALTER-Rezension

Mutter Straße und Meißel Schmerz

Klaus Nüchtern in FALTER 18/2026 vom 29.04.2026 (S. 33)

New York ist bekanntlich ein tolles Pflaster für Romane unterschiedlichster Provenienz -von John Dos Passos' Klassiker "Manhattan Transfer" über Truman Capotes flamboyante Novelle "Frühstück bei Tiffany" bis zu Paul Austers labyrinthisch-postmoderner "New-York-Trilogie" und Jonathan Safran Foers 9/11-Traumabewältigungsfiktion "Extrem laut und unglaublich nah".
An deren Szenario knüpft der jüngste Roman des New Yorkers Richard Price an, dessen Handlung im Frühjahr 2008 einsetzt. Wieder stürzt ein Gebäude in sich zusammen und fordert zahlreiche Menschenleben, allerdings in Harlem und nicht im Zuge eines Anschlags, sondern aufgrund einer unheilvollen Kombination von Umständen, die in einer Textnachricht, die Mary Roe von ihrem Part Time Lover erhält, wie folgt umschrieben werden: "110 Jahre altes, marodes Mietshaus vs. Subway-Neubaustrecke. Tunnelarbeiten. Vibrationen [ ] Rumms."

Besagte Mary ist 42 Jahre alt, Polizistin der Abteilung Community Affairs und war schon während 9/11 mit der Identifikation von Leichen befasst. Nun hat sie es sich in den Kopf gesetzt, einen gewissen Christopher Diaz ausfindig zu machen, der in dem kollabierten Haus gewohnt hat, aber nicht unter den Opfern gefunden wurde. Die aufwendigen Recherchen, die sie mit nicht nachlassender Beharrlichkeit anstellt, bilden so ziemlich den einzigen durchgängigen Erzählstrang des alles andere als handlungsstarken und temporeichen Romans. Richard Price ist ein erfahrener Romancier und hat mit seinen Drehbüchern für die vielleicht beste TV-Serie aller Zeiten, "The Wire", bewiesen, dass er weiß, wie man Spannungsbögen baut. Mit "Lazarus Man" aber wollte er sichtlich keinen konventionellen Thriller mit Pageturnerqualität vorlegen, sondern sich ganz auf seine Charaktere und deren Lebensgeschichten konzentrieren.

Dem Protagonistenensemble gehören neben der erwähnten Polizistin des Weiteren an: ein Bestattungsunternehmer, eine alleinerziehende Postbeamtin, ein zum Anti-Gewalt-Streetworker bekehrter Ex-Häftling, ein junger Mann mit Streetphotography-Ambition sowie der titelgebende "Lazarus Man", der nach 36 Stunden wie durch ein Wunder lebend aus den Trümmern geborgen wird.

Abgesehen davon, dass ihre Wege sich beständig kreuzen, ist den Genannten noch gemeinsam, dass sie ein ordentliches Binkerl persönlicher Probleme aufgepackt bekommen und alle Hände voll damit zu tun haben, diese weniger einer endgültigen Lösung zuzuführen, als vielmehr zu managen.

So professionell etwa Mary in ihrem Job als Polizistin agiert, weil sie "dank ihres unerschütterlichen oder gar nicht vorhandenen Egos" nichts persönlich nimmt, so chaotisch gestaltet sich ihr Beziehungsleben.

Mit ihrem geschiedenen Mann Jimmy teilt sie sich die Erziehungspflichten für zwei Kinder sowie ein Apartment, in dem die beiden abwechselnd Elternschichten schieben; mit ihrem Kollegen und Gelegenheitsliebhaber Ralph hin und wieder das Bett in Motels, die so grindig sind, dass sie - bevor's in die Kiste geht oder auch nicht - mit Luminol und UV-Lampe nach Blutspuren abgesucht werden.

Berühmt ist Richard Price vor allem für seine Dialogkunst. Seine Romane bestehen zu überwiegenden Teilen aus direkter Rede, die in "Lazarus Man" das gesamte Spektrum zwischen knochentrockener Lakonie und weitschweifigem Pathos auslotet.

Die telefonische Vereinbarung eines Sex-Dates zwischen Mary und Ralph umfasst im englischen Original ganze zwölf Wörter (in der deutschen Übersetzung 17). Wohingegen die Trost, Erlösung und Erhebung in Aussicht stellenden Ansprachen, die der arbeitslose, geschiedene und erst seit Kurzem cleane "Lazarus Man" Anthony Carter, 42, als nicht ganz freiwillige Medienzelebrität auf einmal halten muss, ganz gewaltig auf die Metapherntube drücken.

"Ein Kind ist wie weicher Ton. Und die Straße kann eine brutale Bildhauerin sein", verkündet er auf einer Anti-Gewalt-Kundgebung; um sich später bei der Gedenkveranstaltung für die Katastrophenopfer in einen veritablen Laberflash zu reden: "Schmerz ist der Meißel, mit dem Er, mit dem wir unseren Charakter formen. Schmerz [ ] ist das Skalpell, die Schmiede, der Brennofen, die Löwengrube."

Stilistisch daneben, erfüllt die Rede dennoch ihren Zweck und damit auch Anthonys Wunsch, "von Nutzen zu sein". Von diesem Bedürfnis beseelt sind letztendlich alle genannten Figuren in "Lazarus Man", der mitunter etwas dick aufträgt, vielleicht auch nicht Price' bester Roman ist, den man aber - so wie seine Protagonisten - sehr gut mögen kann.

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