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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783103977226 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 29.07.2026 |
| Größe | 21 x 13.2 cm |
| Verlag | S. FISCHER |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen S. Fischer Verlag GmbH Hedderichstraße 114 | DE-60596 Frankfurt am Main produktsicherheit@fischerverlage.de |
1832: Évariste Galois, 20 Jahre jung, unglücklich verliebt, stirbt an den Folgen eines Bauchschusses. In der Nacht vor dem Duell bringt er noch schnell eine mathematische Theorie zu Papier, die ihn weltberühmt machen wird. Gerade erst hat man den Revolutionär und Königsgegner aus der Haft entlassen … Galois' Geschichte hat alles, was es für einen packenden Kostümfilm braucht. Zu sehen ist dieser Film vorerst aber nur in den Bildern und Reflexionen eines Drehbuchautors, der in einer schlaflosen Nacht zwischen Julirevolution und Gegenwart hin- und herspringt. Ein Roman über unsere Freiheit und die wunderbaren Möglichkeiten von Film und Literatur.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783103977226 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 29.07.2026 |
| Größe | 21 x 13.2 cm |
| Verlag | S. FISCHER |
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| Herstellerangaben | Anzeigen S. Fischer Verlag GmbH Hedderichstraße 114 | DE-60596 Frankfurt am Main produktsicherheit@fischerverlage.de |
Thomas Leitner in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 18)
Ein Maturatraum eröffnet den Roman: „Die leicht heisere Stimme des Mathematiklehrers verkündet, dass alle durchgefallen seien […].“ Das korrespondiert mit dem Thema und Problem der Hauptfigur: Ein Berliner Autor in Prokrastinationsnöten brütet über seinem Drehbuch, es handelt von einem Mathematiker.
Der Vorschuss ist kassiert und verbraucht, der Abgabetermin ganz nahe. Was tun? Dem Zeitdruck nach ähnelt seine Situation ein wenig dem, was seine Filmfigur gerade durchmacht. Der 20-jährige Held Évariste Galois hat im Mai 1832 gute Gründe, den Tod in einem sinnlosen Duell zu erwarten, ist sein Gegner doch als hervorragender Pistolenschütze bekannt.
So versucht der geniale Jüngling in den verbleibenden Stunden, seine revolutionären Erkenntnisse auf dem Gebiet der Mathematik der Mit- und Nachwelt in eine verständliche Form zu bringen. Das gelingt ihm nur halbwegs: Sein bester Freund und engster Kollege müht sich jahrelang, den Ausführungen eine zugängliche Fassung zu geben.
Bis ins 20. Jahrhundert sollte es dauern, ehe diese raffinierten Theoreme unter dem Namen Galoistheorie allgemein anerkannt wurden. Ulrich Peltzer (Jg. 1956), als versierter Hobby-Mathematiker mit diesen komplizierten Gedankengängen vertraut, erspart es den Lesern, den Zusammenhang zwischen der Faktorisierung von Polynomen und der Lösbarkeit von Gleichungen höherer Ordnung und andere algebraische Feinheiten näher auszuführen.
Ein historischer Stoff also: Galois ist eine faszinierende Figur der Politik- und Wissenschaftsgeschichte. 1811 geboren, erlebte er die frustrierende Zeit der Bourbonenrestauration und beteiligte sich als Schüler eines Elitegymnasiums an den Unruhen, die in die Julirevolution von 1830 und zur Machtübernahme von Louis-Philippe, dem „Bürgerkönig“ (Spötter nannten ihn „Birnenkönig“), führten.
Schnell wurde Galois klar, dass der kompromisslerische Charakter des neuen Regimes unter der Losung „Enrichissez-vous!“ lediglich zur Bereicherung der herrschenden Klassen diente. Enttäuscht wendete sich der Jüngling den Strömungen des Frühsozialismus von Henri de Saint-Simon und dann, radikaler, Louis-Auguste Blanqui zu.
Das machte Galois, ohnehin durch seine abrupte Art ein Außenseiter, für die Obrigkeit zu einem politisch gefährlichen Subjekt. Kurz nach dem Ende einer deswegen verbüßten Haftstrafe geriet er zudem in „delikate Liebeshändel“. Duell und Tod waren die Folgen.
Das wäre ein dankbarer Stoff für einen üppigen Kostümfilm. Doch dafür ist der Drehbuchschreiber zu ehrgeizig. Ihm kommen immer wieder Szenen aus der Jugendbewegung der 1970er- und 80er-Jahre in den Sinn, auch sie Momente einer scheiternden Revolte.
Seine umfassende cinematografische Bildung erweist sich ebenfalls als eher hinderlich als hilfreich. Kostbare filmische Raritäten wie „La Marseillaise“ von Jean Renoir oder das monumentale Werk des Agitpropkinos von Peter Watkins, „La Commune de 1871“, lähmen seine Fantasie, sein Wissen über das Kino der Nouvelle Vague – vor allem Truffauts – blockiert eigene Bildschöpfungen.
Virtuos verschränkt Ulrich Peltzer die recht dürftigen historischen Tatsachen, die über Leben und Werk des jungen Mathematikgenies quellenmäßig belegt sind, mit Reminiszenzen und Assoziationen des verhinderten Drehbuchautors, der trotz allem „strebend sich bemüht“, und schildert mit feiner Ironie sein Scheitern.
Eleganter Rhythmuswechsel kontrastiert die Stimmungen des genialen Jünglings und die des zaudernden Schreibers. Man merkt: Das Handwerk des Szenaristen ist Peltzer vertraut, hat er doch neben einem reichen Romanschaffen auch hier erfolgreiche Arbeiten abgeliefert.
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