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Kurzbeschreibung des Verlags
Sehnsucht nach einem goldenen Zeitalter?
Warum sehnen wir uns nach der »guten alten Zeit«? Agnes Arnold-Forster führt uns auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Nostalgie – von ihrer »Entdeckung« im 17. Jahrhundert in der Schweiz, wo sie als Krankheit galt, bis zu ihrer modernen Rolle als Marketing- und Politikinstrument. Die renommierte Historikerin zeigt, wie Nostalgie Ängste spiegelt, Erinnerungen prägt und uns zugleich bei heutigen Herausforderungen hilft. Ein Buch für alle, die verstehen wollen, warum uns die Vergangenheit nie loslässt.
Früher war alles besser? Der Ruf, den Nostalgie hatte, bestimmt nicht. Als der Baseler Arzt Johannes Hofer 1688 den Begriff prägte, stand "Nostalgie" für eine krankhafte Form von Heimweh, unter der besonders Soldaten und Dienstboten litten. In manchen Fällen endete sie tödlich, weil die Patienten jegliche Nahrungsaufnahme verweigerten oder weil Sklaven aus lauter Verzweiflung vom Schiff sprangen.
Wie wurde die Nostalgie dermaßen trivial, wohlig warm? Dieser Entwicklung geht die Historikerin Agnes Arnold-Forster nach. Sie holt dabei weit aus: von Zahlen und Fakten zur Besiedelung der USA bis hin zum Brieftauben-Instinkt und der "kollektiven Midlife-Crisis der Babyboomer", die zu einem Retrotrend in den 1990ern führte. Gestreift werden dabei "Hanni und Nanni", das medizinische Wunder Phineas Gage und die Serien "Mad Men" und "Game of Thrones".
Als die Nostalgie zur Modeerscheinung wurde, spannte sie die Werbung vor den Karren. Aber sie verführt nicht nur zum Konsum von Neuem mit altem Charme, sondern regt seit den Second-Hand-Siebzigern auch zum Recyceln an.
Leider bleibt es nicht bei der idealisierten Welt der Tradwives und einer bloßen Vorliebe für Mid-Century-Kastln von Willhaben, sondern es birgt auch die Gefahr, von reaktionären Politikern ausgenutzt zu werden. Durch die manipulative Wirkung wird der Hang zu Vergangenem zum Schießpulver in der Gesellschaftspolitik: Das imaginierte Gemeinschaftsgefühl, der Nationalismus, die Sehnsucht nach einem vergangenen Amerika verdeutlichen Trumps Wahlkampfslogan. Oder der Brexit.
Nostalgie ist nicht nur eine Erinnerung (mit verklärendem Schleier), sondern ein emotionaler Zustand. Sie sagt etwas über unsere Ängste und Befindlichkeiten der Gegenwart aus. Indem wir eine frühere Epoche heraufbeschwören, kritisieren wir die eigene Zeit. Die Gehirnforschung kennt zumindest einen positiven Nutzen der Nostalgie: im Fall von Demenz.