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| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Allgemein Historisch, politisch, militärisch |
|---|---|
| ISBN | 9783150115916 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 02.09.2026 |
| Größe | 21.5 x 13.5 cm |
| Verlag | Reclam, Philipp |
| Übersetzung | Jens Hagestedt |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Philipp Reclam jun. Verlag GmbH Siemensstraße 32 | DE-71254 Ditzingen info@reclam.de |
Wie ein sibirischer Bauer das Russische Reich zu Fall brachte
Er war ein überzeugter Monarchist, kein Revolutionär, er bekleidete kein offizielles Amt und hatte keine Truppen unter sich – und doch trug er mehr zum Sturz der Romanow-Dynastie bei als jede andere Person: Grigori Rasputin. Antony Beevor, weltweit anerkannter Historiker und Bestsellerautor, widmet sich mit ihm einer der rätselhaftesten Figuren der Geschichte. Er hat Originalquellen aus zahlreichen Archiven ausgewertet und zeichnet auf dieser Grundlage das Ende des Zarenreichs sowie Rasputins Einfluss nach. So deckt er auf, wie der Einfluss dieses sibirischen Wanderpredigers am Hof von Zar Nikolaus II. und der Zarin Alexandra die russische Monarchie von innen aushöhlte und wie Gerüchte und Fake News mächtiger wurden als die Realität und so den Boden für die Russische Revolution bereiteten: erschreckende Parallelen zur heutigen Zeit, in der Desinformation und Verschwörungsmythen wieder als politische Waffe dienen und politische Systeme destabilisieren können.
»Eine der großartigsten Geschichten der Geschichte, erzählt von einem unserer größten Historiker.«Simon Sebag Montefiore
| Themen | Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Allgemein Historisch, politisch, militärisch |
|---|---|
| ISBN | 9783150115916 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 02.09.2026 |
| Größe | 21.5 x 13.5 cm |
| Verlag | Reclam, Philipp |
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Julia Kospach in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 40)
Séancen, Wahrsagerei, Tischrücken und Okkultismus jeder Art waren um 1900 in den Salons von St. Petersburg und Moskau ein weit verbreiteter Zeitvertreib. Während Zar Nikolaus II., erzkonservativ und tiefreligiös, am autokratischen Kurs festhielt und im Geiste des Gottesgnadentums allen demokratischen Reformansätzen mit Ablehnung begegnete und seine Frau, Zarin Alexandra, mit dem Furor der Konvertitin von der Wunderwirksamkeit starken Glaubens beseelt war, beherrschte „das Schamanentum die Aristokratie“, wie Leo Trotzki später in seiner „Geschichte der russischen Revolution“ verächtlich anmerkte.
Im unterdrückten russischen Volk brodelte der Aufruhr. Der Zerfall der Romanow-Dynastie näherte sich mit Riesenschritten, und die in Luxus schwelgende russische High Society suchte die Unterstützung des Übernatürlichen. Es gab „Matrjona die Barfüßige“ und Mitja Koselski, den „heiligen Narren“. In den Palästen der Hocharistokratie „ging so mancher Scharlatan, umnachtete Prophet oder verwirrte Starez ein und aus“, schreibt der britische Historiker Antony Beevor in seinem neuesten Buch „Der letzte Akt. Rasputin und das Ende des Russischen Reiches“.
Beevors Buch ist nicht nur Neubewertung und Biografie des so schillernden wie sagenumwobenen sibirischen Wanderpredigers und Bauern Grigori Jefimowitsch Rasputin (1869–1916), der aus seinem Heimatdorf hinterm Ural den Sprung zum kultisch verehrten, mächtigen Vertrauten und spirituellen Berater des Zarenpaares schaffte. Noch viel mehr ist es das Porträt einer arroganten zaristisch-russischen Machtelite in ihren letzten Zügen, die den Aufstieg einer janusköpfigen Figur wie Rasputin überhaupt erst möglich machte.
Tatsächlich war Rasputins Macht am Zarenhof gewaltig und ging weit über seine Fähigkeit hinaus, die brutalen Schmerzanfälle des an der Bluterkrankheit leidenden Zarewitsch Alexej zu lindern. Beevor tut allerdings viel mehr, als den Regalmetern an Wüstling-oder-Heiliger?-Buchtiteln über Rasputin einen weiteren, wenn auch exzellent recherchierten und spannend erzählten Titel hinzuzufügen. Der Russland-Experte konzentriert sich nämlich auf eine sehr zeitgemäße Frage: Wie sehr trugen die zahllosen Gerüchte und Verschwörungstheorien, die sich um Rasputin rankten, dazu bei, die Autorität des auch politisch immer wirklichkeitsferner und inkompetenter agierenden Zarenpaars zu untergraben? Denn, so Beevor, „was den Zusammenbruch des 300 Jahre alten zaristischen Regimes beschleunigte, war die Demoralisierung der herrschenden Klasse, nicht der Eifer eines revolutionären Dogmas“. Aus dieser herrschenden Klasse stammten nicht zufällig auch Rasputins Mörder, darunter Großfürst Dmitri Pawlowitsch, der Lieblingscousin des Zaren.
Zweifellos bot Rasputin der dampfenden Gerüchteküche in Politik, Klerus und Aristokratie eine Steilvorlage: Er vergewaltigte systematisch Frauen, forderte im Tausch für seinen Einfluss bei Hof sexuelle und finanzielle Gefälligkeiten und bereicherte sich in dem Maß schamlos, in dem er das Gewonnene wieder zum Fenster hinauswarf und verteilte. Dieser ungepflegte, halb analphabetische, tiefreligiöse Scharlatan, der prophetische Halbsätze nuschelte, war mit allen per du und fischte mit dreckigen Fingern Fischstücke aus Suppentöpfen. Doch er besaß auch eine besondere Wahrnehmungsgabe, speziell gegenüber Frauen, wie Beevor zeigt: „In der unnahbaren, betont maskulinen Gesellschaft St. Petersburgs war die Fähigkeit, sich in Frauen hineinzuversetzen, eine seltene Gabe.“
Als wirklich zersetzend für das Standing des Zarenpaares erwiesen sich aber letztlich jene Rasputin-Gerüchte, die mit ziemlicher Sicherheit Fake News waren: sexuelle Belästigung der Zarentöchter und ein Verhältnis mit der Zarin selbst. „Dass Zar Nikolaus von seiner herrischen Frau und dem Bauern Rasputin gedemütigt werde, war der Eindruck, der der brüchigen Autokratie der Romanows den letzten Schlag versetzte.“
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