Alltag als Arbeit. Wie Influencer:innen unser Selbstbild verändern

[Was bedeutet das alles?] – Über den Lifestyle der Idole auf Instagram, YouTube, TikTok & Co. – Erläuterungen; Denkanstöße; Analyse – 14667
128 Seiten, Taschenbuch
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Reihe Reclams Universal-Bibliothek
Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Kultur- und Medienwissenschaften Medienwissenschaften Internet, digitale Medien und Gesellschaft
ISBN 9783150146675
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 11.02.2026
Größe 14.8 x 9.6 cm
Verlag Reclam, Philipp
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Philipp Reclam jun. Verlag GmbH
Siemensstr. 32 | DE-71254 Ditzingen
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Kurzbeschreibung des Verlags

Die Macht und der Einfluss der Influencer:innen – ein grundlegender Strukturwandel der Gesellschaft

Influencer sind mehr als ein Trend – sie stehen für einen gesellschaftlichen Wandel, der uns alle unmittelbar betrifft. Tanja Prokić beleuchtet Phänomene um Problemfelder wie »Privacy is dead«, den Aufstieg vom Kidfluencer zum Thinkfluencer und die »Content Culture«, in der die Grenzen zwischen Information und Desinformation verschwimmen. Sie zeigt, wie digitales Influencing zur Kulturtechnik wurde – in Politik, Alltag, Kunst und Aktivismus. In diesem Zeitalter der Beeinflussung müssen Medienkompetenz und Formen der Kritik neu gedacht werden.

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FALTER-Rezension

Die Kolonialisierung des Alltags durch die Plattformen

Kirstin Breitenfellner in FALTER 17/2026 vom 22.04.2026 (S. 36)

Warum wollen so viele Jugendliche Influencer werden? Vermutlich, weil sie sich vorstellen, von zu Hause aus reich und berühmt zu werden. Quasi ohne Arbeit. Was Influencer zumeist wirklich leisten, fasst die Medienwissenschaftlerin Tanja Prokić unter dem Titel "Alltag als Arbeit" zusammen: also das genaue Gegenteil.

Der Untertitel "Wie Influencer:innen unser Selbstbild verändern" führt ein wenig in die Irre, denn Prokić nimmt nicht nur die Psychologie der Konsumenten in den Blick, sondern auch die gesellschaftlichen Veränderungen durch die kommerziellen digitalen Plattformen. Und erklärt, "wie die geplante und gezielte Ununterscheidbarkeit von Werbung und Nichtwerbung, Lifestyle und Alltagsleben graduell zu einer Ununterscheidbarkeit von Information und Desinformation, von Fakten und alternativen Wahrheiten, von Ökonomie und Technologie führt".

Als Phänomen der digitalen Kultur bilden Influencer hier eine Schlüsselstelle. Da sie (angeblich) ihren Alltag vermarkten, lässt sich an ihnen die Vermischung von Arbeitsformen ebenso gut veranschaulichen wie die Ich-Verherrlichung oder die parasoziale Beziehung, die sie zu ihren Followern pflegen.

Influencer leisten Sichtbarkeitsund Affektarbeit rund um die Uhr, um das Ziel der Plattformen zu gewährleisten: dass User dort immer mehr Zeit verbringen. Einige von ihnen verdienen sehr gut. Bei "Momfluencerinnen" und minderjährigen "Teenfluencern" steht allerdings der Vorwurf der Ausbeutung im Raum.

Der von Influencern produzierte "Content" bedeutet für Prokić eine Kolonialisierung des Alltags, werde er doch einzig zu dem Zweck kreiert, Werbung zu schalten. Vorschläge, wie man die "Kannibalisierung von Lebenszeit" und die "Kapitalisierung von Leben" unterlaufen oder beenden kann, hat die Autorin zwar nicht. Aber zuerst muss ja die Erkenntnis des Istzustandes stehen - und diesen veranschaulicht Prokić ganz formidabel.

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