heute graben

€ 20
Lieferbar ab März 2022
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Alles beginnt mit A. Ein Totengräber steigt in einen Zug und trifft A., seine erste Liebe. A. ist auch der Grund, weshalb er zu schreiben beginnt. In seinem Tagebuch begibt er sich auf eine Irrfahrt entlang der Untiefen des Dating- und Friedhofsalltags. Als bei ihm dieselbe Lungenkrankheit wie bei Thomas Bernhard diagnostiziert wird – kurioserweise, nachdem er sich intensiv mit dessen Werk auseinandergesetzt hat –, befeuert die Todesangst noch die unermüdliche Suche nach der wahren Liebe. Wird er sie finden oder bleibt sie für immer unerreichbar?
Mario Schlembach zieht in heute graben sämtliche Register des autofiktionalen Erzählens und gräbt sich mit einer Baggerschaufel voll Ironie durch eine nicht abreißen wollende Enzyklopädie des Scheiterns. Dabei erweist sich Schlembach als wahrer Meister des Tragisch-Komischen, das Lachen ist selbst in den traurigsten Momenten nicht weit. Keine Zeit für Gedanken an die eigene Vergänglichkeit – vor dem nächsten Grab gilt es noch die größte Liebesgeschichte aller Zeiten zu vollenden. 
„Wie viele Wege muss ich noch suchen, um A. nicht zu finden?“

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FALTER-Rezension

Die Liebesnöte eines schreibenden Totengräbers

Autofiktionen haben Hochkonjunktur. Der österreichische Autor Mario Schlembach (Jg. 1985) gibt dem Genre mit seinem hochvergnüglichen wie herzzerreißenden Roman "heute graben" einen eigenen Dreh. In Form von kurzen Tagebuchaufzeichnungen erzählt Schlembach, der im Brotberuf als Totengräber arbeitet, von einem jungen Mann, der eine Menge mit ihm gemeinsam hat. Dieser Mario bewegt sich zwischen Dorf und Stadt, verflossener Liebe und Tinder-Dates, Bauernhof und Universität, Friedhofsjob und dem Versuch, als Autor wahrgenommen zu werden.

Es sind nicht nur diese Kontraste, die ihn zu zerreißen drohen. Er hat noch andere Baustellen: seine erste Liebe A., über die er nie hinweggekommen ist, die er seither in allen Frauen sieht und der er nun in Romanform ein Denkmal setzen will; die Diskrepanz zwischen seinem künstlerischen Ehrgeiz und den bis dato kümmerlichen literarischen Resultaten; sowie seinen gesundheitlichen Zustand -als würde er seinem Hausheiligen Thomas Bernhard nacheifern, wird bei Mario Morbus Boeck diagnostiziert und eine Odyssee durch Ärztepraxen und Krankenhäuser beginnt.

Jedem traurigen oder tragischen Moment in "heute graben" wohnt auch eine gewisse Komik inne. Der Held sorgt als armer Tor, der in fast alle Fettnäpfchen tritt, immer wieder für erlösende Lacher. Man leidet beim Lesen mit und darf sich gleichzeitig prächtig über ihn amüsieren.

Als Bonus bekommt man einen Anti-Liebesroman, ein Buch über Gefühle im Zeitalter von Dating-Apps serviert. Der "pathologische Romantiker" Mario träumt davon, tagelang auf briefliche Antwort einer Angebeteten warten zu müssen und sich vor Vorfreude zu verzehren, anstatt ständig Handy-Nachrichten zu erhalten. "Die Aufzeichnungen, sollte ich sie jemals wieder lesen, werden das Vermächtnis eines liebestollen Narren sein", so formuliert er es einmal. Man liest sie wie im Rausch in einer Nacht durch.

Sebastian Fasthuber in Falter 12/2022 vom 25.03.2022 (S. 32)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783218012959
Erscheinungsdatum 14.03.2022
Umfang 192 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Kremayr & Scheriau
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