Josephine Baker

Weltstar – Freiheitskämpferin – Ikone
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Die erste Biografie, die Josephine Baker, den ersten afroamerikanischen Superstar, als das zeigt was sie vor allem war:
Eine idealistische Kämpferin gegen Rassismus und Diskriminierung.
Als Freda McDonald 1906 in einem Armenviertel in Saint Louis zur Welt kommt, deutet nichts darauf hin, dass sie als Josephine Baker als erster afroamerikanischer Superstar die Welt erobern wird. Die Chancen stehen denkbar schlecht, für die uneheliche Tochter einer Wäscherin, die Gesetze der Rassentrennung ins Gegenteil zu verkehren, doch Josephine Baker hält sich an keine Regeln, sie macht ihre eigenen. Für sie gibt es immer noch eine weitere Rolle, in der sie sich neu verwirklichen kann und Erfolge feiert. Ob auf der Bühne, als Truppenunterhalterin und Kriegsheldin – oder im Leben, Josephine kennt nur den Superlativ. Der Weg der Josephine Baker von der Tänzerin im Bananenröckchen zur politischen Figur war lang – doch ihre zahlreichen Anti-Rassismus-Projekte waren mutig, richtig und konsequent an einer wesentlichen Einsicht orientiert: „Letzten Endes gibt es nur eine Rasse: die menschliche Rasse“ (Josephine Baker).

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FALTER-Rezension

Der erste afroamerikanische Weltstar

Die Wiener Presse tobte: In der Stadt von Schubert, Strauss und Beethoven würden demnächst „wildtrunkene Negerweisen“ zu hören sein. Es herrsche eine „Negerkonjunktur“, überhaupt stehe eine „Vernegerung“ der Stadt bevor. Man schrieb das Jahr 1928, die Tournee Josephine Bakers sollte auch in Österreichs Hauptstadt Station machen. Nachzulesen sind die Ergüsse im Katalog der Ausstellung „Kampf um die Stadt“, in der das Wien Museum vor elf Jahren die zerrissene Wiener Gesellschaft der Zwischenkriegszeit porträtierte. Der „Negerskandal“ war einer der zahllosen Steine des Anstoßes, die Wien damals in Richtung Bürgerkrieg und Faschismus stolpern ließen.

Mehr Details über Josephine Bakers skandalumwitterten Wiener Aufenthalt kann man nun in der von der Kulturwissenschaftlerin Mona Horncastle verfassten Biografie nachlesen. Baker reiste natürlich dennoch an – mit 15 Schrankkoffern im Gepäck, in denen sich unter anderem 196 Paar Schuhe, 137 Kostüme und 64 Kilogramm Gesichtspuder befanden. Sie urlaubte stilvoll am Semmering, während man in Wien darüber stritt, ob überhaupt und wo ihre Revue zu sehen sein würde. Drei Jahre zuvor hatte die 1906 als Freda Josephine McDonald in elenden Verhältnissen in St. Louis Geborene mit gerade einmal 19 Jahren Paris im Handstreich erobert. Am Broadway hatte die androgyn wirkende junge Frau mit Kurzhaarfrisur durch expressive Mimik, akrobatischen Charleston und starke Bühnenpräsenz auf sich aufmerksam gemacht.

Nun sollte sie nackt im Rahmen einer „Revue Nègre“ im nach Exotik lechzenden Paris auftreten. „Ich war nicht wirklich nackt. Ich hatte bloß keine Kleider an“, sagte sie später über ihre Anfänge. Von einem Revuegirl unter vielen wurde sie über Nacht zum Mittelpunkt der Show: „In ihrer Art zu tanzen kommt alles zum Ausdruck, was sich Paris unter schwarzer Kultur vorstellt: Sie ist wild, sie ist pur, sie ist exotisch, sie ist ,Afrika‘“, schreibt Mona Horncastle.

Das Paris der Roaring Twenties ist ein brodelnder Vulkan, dessen ständige Eruptionen sich über Europa ergießen. Kubisten und Fauvisten wie Picasso und Matisse machen „Negerkunst“ zum letzten Schrei. Man hört Jazz, den die verbündeten amerikanischen Soldaten mitgebracht haben, und versucht in einem unermüdlichen Reigen wilder Partys das Trauma des Weltkriegs wegzufeiern. Ein ideales Milieu für die Revue Nègre und ihren Star Josephine Baker, die rasch zur Szenegröße wird und mit den bedeutendsten Künstlern ihrer Epoche befreundet ist. Einer ihrer Bewunderer war auch Adolf Loos, der einige Jahre in Paris verbrachte, als begabter Charleston-Tänzer galt und für Baker eine – nie gebaute – Villa entwarf.

Wie Horncastle zeigt, lief die Diskussion rund um Bakers Engagement in Wien nicht ganz so primitiv ab, wie es die Ausstellung im Wien Museum vermuten lässt. Zwar ist das Klima in der verarmten ehemaligen Reichshaupt- und Residenzstadt ungleich konservativer als in Paris oder Berlin, wo Baker ebenfalls Triumphe gefeiert hatte, doch auch die Wiener Vorstellungen sind auf Wochen hin ausverkauft. Priester predigen in Sondergottesdiensten mit Inbrunst gegen die Unmoral des Gebotenen, die Gläubigen eilen danach von der Kirche direkt zu den Theaterkassen.

Horncastles unterhaltsam geschriebene Biografie ist nicht nur die fesselnde Lebensgeschichte einer Ausnahmekünstlerin, sondern auch das vielfältige Sitten- und Gesellschaftsbild einer bewegten Epoche, die weit über die wilden 1920er hinausreicht. Die Autorin versteht sich dabei weniger als nüchterne Chronistin, die Daten und Fakten sine ira et studio aneinanderreiht, sondern zeigt sich von ihrer Heldin sichtlich und durchaus auch ansteckend fasziniert, ohne Fehler und Irrtümer auszublenden.

Eine Mischung ausgeprägter Impulsivität und Sturheit zieht sich durch das Leben Bakers, die nicht nur als Tänzerin, sondern auch als Operetten- und Chansonsängerin sowie als Schauspielerin erfolgreich war. Josephine Bakers Unbeirrbarkeit ist eine der Voraussetzungen für ihre märchenhafte Karriere und ein wesentlicher Bestandteil ihrer Faszination, lässt sie aber auch immer wieder scheitern, wenn sie den Bogen überspannt oder sich in Widersprüche verstrickt.

So ist die mittlerweile zur Französin gewordene Baker 1951 in den USA auf Tournee und tritt nur auf, wenn auch Schwarze als Publikum zugelassen sind. Viele exklusive Clubs und Theater öffnen ihre Tore erstmals für Schwarze, doch der historische Sieg ist von kurzer Dauer: Baker sucht zu sehr die Konfrontation, überwirft sich auch mit ihr wohlgesinnten Journalisten und muss ihre Tournee schließlich vorzeitig abbrechen. Schnell schließen sich die Tore für Schwarze wieder für viele Jahre.

Etwas mehr Material könnte man sich über Bakers Zeit in der Résistance wünschen, etwas mehr sprachliche Sorgfalt bei der Schilderung ihrer letzten, von wirtschaftlichen Rückschlägen und dramatischen Fehlentscheidungen geprägten Lebensjahre, als die Diva mitsamt ihren zwölf adoptierten Kindern von ihren Gläubigern sprichwörtlich aus ihrem Schloss im Périgord geworfen wurde. Dennoch ist der ausgiebig bebilderte, knallig-schön aufgemachte Band gerade in Zeiten der Black-Lives-Matter-Bewegung eine äußerst lesenswerte Einführung in die bewegte Lebensgeschichte des ersten schwarzen Weltstars, dessen Engagement im Kampf gegen die Rassendiskriminierung oft übersehen wird.

Unbeantwortet bleibt freilich die Frage, warum es in Wien, wo in den letzten Jahren vermehrt Straßen und Plätze nach bedeutenden Frauen benannt werden, immer noch keine Josephine-Baker-Straße gibt.

Georg Renöckl in Falter 43/2020 vom 23.10.2020 (S. 38)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheReihenweise kluge Frauen
ISBN 9783222150463
Erscheinungsdatum 01.10.2020
Umfang 304 Seiten
Genre Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien
Format Hardcover
Verlag Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
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