Ganz schön wütend

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Die Ausnahmeschauspielerin Stefanie Reinsperger mag schwierige Themen und forscht in ihren eigenen Abgründen nach Gefühlen – ihr Lieblingsgefühl ist die Wut. Die Wut gehört endlich rehabilitiert und an die Öffentlichkeit.
„Es reicht mit Diskriminierung und Übergriffen auf mich und meinen Körper, der angeblich nicht schön genug ist!“ Das Buch ist wie die Reinsperger: körperlich kraftvoll, mutig und kompromisslos, es ist ein turbulentes Spiel aus Szenen, kurzen persönlichen Texten, ein Spiel von Tempo und Rhythmus. Und am Ende haben wir uns nicht nur mit der Wut versöhnt, sondern haben Stefanie Reinsperger, ihre Haltung und ihre Arbeit gesehen, wie wir sie vorher ganz sicher noch nicht gekannt haben.

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FALTER-Rezension

Die feuerrote Stefanie

Salzburg, Sommer 2017, in einem Lokal wird gepöbelt. Sie solle sich schämen, ruft ein Mann einer Frau nach. Die Rolle der Buhlschaft hätte sie nie annehmen dürfen, zu dick, zu wenig grazil sei sie für den "Jedermann". Es ist Stefanie Reinsperger, damals 29, eine der renommiertesten Schauspielerinnen in der wichtigsten Theaterrolle Österreichs. Diese Szene bei den Salzburger Festspielen brannte sich ein, schmerzt sie noch heute. Sie war nur das Tüpfelchen auf dem i.

Beleidigungen dieser Art kennt Reinsperger schon ihr Leben lang, nun hat sie ihre Erlebnisse in ihrem ersten Buch autobiografisch verarbeitet. "Ganz schön wütend", kürzlich erschienen im Molden-Verlag, ist ein Pamphlet gegen Normen und Konventionen in der Welt des Schauspiels. Es ist ein Buch über Wut, jenes Gefühl, das sich gegen andere, vor allem aber gegen einen selbst richtet.

Im Stil eines Tagebuchs werden Erinnerungen gesammelt, peinigende Situationen durchexerziert. In einfacher, unverblümter Sprache springt Reinsperger von ihrer Kindheit in die pandemische Gegenwart und wieder zurück. Sie erzählt von ihren ersten Lebensjahren in Belgrad und London, von der Laissez-faire-Pädagogik ihrer Eltern. Nachdem die vierjährige Stefanie ihrem Vater eine blutige Wunde durch die Jeans gebissen hat, wird sie in zwei Skianzüge eingepackt und zum Brüllen in den winterlichen Hof geschickt.

Erst als der Kinderarzt ein künstlerisches Sedativum, das Unicorn Theatre in London, verschreibt, wird alles besser. Dort, im geschützten Raum einer Theatergruppe für Kinder, lernt Reinsperger, ihre Wut zu kanalisieren und fruchtbar zu machen.

Diese buchstäbliche Spielwut bringt Reinsperger ans renommierte Max Reinhardt Seminar, dann ans Wiener Burg-und ans Volkstheater, seit 2017 spielt sie am Berliner Ensemble. Doch trotz dieser großen Erfolge begleitet Reinsperger abseits der Bühne eine Fragilität, die sie im Buch offenbart. Etwa dann, wenn ihr erster "Tatort" live im Fernsehen läuft.

Ein Millionenpublikum sieht sie als Kommissarin, und Reinsperger bekommt Panik. Sie fürchtet die Kommentare, die virtuell auf sie einprasseln werden, die sich nicht um die Filmfigur, sondern um ihren Körper drehen. Von den einen, die es betont gut mit ihr meinen, hört Reinsperger, sie sei eine "wuchtige Erscheinung", ein "besonderer" Typ, den man genau deshalb engagiere. Von anderen wird sie als "fette Sau" beschimpft. Die Stoßrichtung ist dieselbe, es geht ums Äußere, nicht ums Talent.

Reinsperger schildert diese Szenen assoziativ, ungeschönt und empört. Sie gibt Einblicke in die Welt der Castings, wo Rollenangebote mit Verweisen daherkommen wie "Clara (45, dick, offensichtlich nicht an Sport interessiert)", "Kerstin (eine sehr breit gebaute Frau)" oder "Julia (35, stark übergewichtig, fällt damit optisch aus dem Rahmen)". Wenn überhaupt eine "dicke" Frau gesucht werde, dann meist als Antagonistin, als witziger Sidekick einer schönen Hauptdarstellerin.

Daran habe sich auch in den letzten Jahren nicht viel geändert. "Aber dann mach ich was daraus. Ich lasse das nicht mehr auf mir sitzen. Auch ich darf mich auswüten. Und jetzt kämpfe ich nach vorne." Reinsperger klagt nicht, sie geht trotzdem auf die Bühne. Lange habe sie sich dort wohler gefühlt als im echten Leben. Das sei jetzt vorbei, ihr Körper ist ihr Instrument, und sie habe ihn lieben gelernt. Mit ihrem Buch appelliert sie an Empathie, sie wolle auch verändern. Und so abgedroschen dieses Vorhaben klingen mag, so sehr glaubt man ihren einfachen Zeilen.

Lina Paulitsch in Falter 17/2022 vom 29.04.2022 (S. 29)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783222150760
Erscheinungsdatum 11.04.2022
Umfang 176 Seiten
Genre Sachbücher/Musik, Film, Theater/Biographien, Autobiographien
Format Hardcover
Verlag Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
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