Warum wir Tiere essen

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Wir lieben Fleisch: In Europa isst fast jeder Mensch 60 Kilo Fleisch pro Jahr. Wenn wir in einen saftigen Burger beißen, denken wir nicht mehr an das einmal lebendige Tier, das fühlt. Das Tier wird von uns unsichtbar gemacht, dabei ist es so viel mehr als ein Produktionsgut, das es auszubeuten gilt.
Der Philosoph Thomas Macho beschäftigt sich seit Jahren mit der Beziehung des Menschen zum Nutztier. Er erforscht, warum wir häufig so tun, als würden wir Tiere respektieren, sie dann aber doch massenhaft und grausam töten, um sie zu essen.
Wenn wir uns unsere gemeinsame Geschichte mit dem Tier wieder vergegenwärtigen, finden wir auch zurück zu einem respektvollen Umgang – denn trennt sich der Mensch vom Tier, verliert er einen Teil seiner Geschichte.

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FALTER-Rezension

Fischstäbchen, Völlerei und Fleischwende

Ein Interview mit Eva Konzett für den Falter lieferte die Idee für das neue Buch. Die Frage, warum Menschen Tiere essen, verfolgt Macho aber bereits seit den 1990er-Jahren. In seinem neuen Werk gibt der Philosoph und Staatspreisträger für Kulturpublizistik drei Antworten: Menschen essen Tiere erstens, um sich mit hochwertigem Eiweiß zu versorgen. Zweitens, weil sie gar nicht bemerken, dass sie es tun – Stichwort Fischstäbchen. Dass dies funktioniert, liegt nicht nur an der geometrischen Abstraktion, sondern vor allem an der Unsichtbarkeit der Milliarden sogenannter Nutztiere, ihrem Leben in fensterlosen Großställen und ihrem Tod in den Schlachthöfen. Und an der Fähigkeit der meisten Menschen, ihr Wissen darüber zu verdrängen.

Den dritten Grund verankert Macho an zahlreichen Beispielen aus Mythen und Literatur im Gedächtnis der Leserschaft, die nicht immer leicht verdaulich sind (Spoiler: Es geht auch um den Verzehr einer Schabe). „Wir essen Tiere, um uns mit anderen Lebewesen zu vermischen, mitunter um deren Eigenschaften – Kraft, Beweglichkeit, sinnliche Wahrnehmungsfähigkeiten – anzunehmen und zu teilen. Stoffwechsel kann zum Gestaltenwandel gesteigert werden: Metabolismus als Metamorphose.“

Machos kulturhistorische Betrachtungen sind facettenreich und immer wieder erhellend: etwa wenn er den Urmenschen als Aasfresser beschreibt, der warten muss, was geschickter jagende Tiere übrig lassen, der also der Hyäne näher war als dem Panther. Oder wenn er erklärt, dass die Geschichte der Macht eine Geschichte der Völlerei ist und Könige wie Märchenhelden als „fresstüchtige Kolosse“ den „Triumph über die Drohung des allgegenwärtigen Hungers“ verkörpern.

Vision bietet das Buch hingegen keine, anders als zum Beispiel das von Macho zitierte „Zoopolis“: Darin entwerfen Sue Donaldson und Will Kymlicka eine Gesellschaft, in der Tiere als Staatsbürger mit Rechten und Pflichten anerkannt werden, und bieten den juristischen und philosophischen Rahmen dafür.

Die Entwicklung der letzten Jahre hin zu einem neuen Miteinander über Artgrenzen hinweg spielt in Machos neuem Text kaum eine Rolle. Verzicht auf Fleisch verknüpft er vorrangig mit Askese. Besonders suspekt ist ihm der „radikale Veganismus der letzten Generation“. Die wachsende Zahl (nicht nur) junger Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren und dabei Genuss und Haltung verbinden, wird er damit nicht abholen.

Dass es um die Wurst geht und Veränderung dringend nötig ist, betont Thomas Macho aber deutlich: Massentierhaltung steht im Spannungsverhältnis zu Tierschutz und Tierrechten, sie beschleunigt die Erderwärmung, führt zu sozialen Ungerechtigkeiten und – in Corona-Zeiten hochbrisant – Zoonosen. So schließt Macho: „Veganismus, Novel Food und eine wesentlich strengere Regulierung der Fleischindustrie bilden gleichsam drei Richtungen, die – unabhängig voneinander – eingeschlagen werden müssen, um das Ziel einer Fleischwende und des Klimaschutzes zu erreichen.“

Felice Gallé in Falter 11/2022 vom 18.03.2022 (S. 33)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783222150883
Erscheinungsdatum 21.03.2022
Umfang 128 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Format Hardcover
Verlag Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
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