Ökonomie der Angst

Die Rückkehr des nervösen Zeitalters
304 Seiten, Hardcover
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ISBN 9783222151538
Erscheinungsdatum 30.10.2025
Genre Sachbücher/Geschichte/Zeitgeschichte (1945 bis 1989)
Verlag Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
Sammlung Wissenschaftsbuch des Jahres
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Kurzbeschreibung des Verlags



Radikalisierung, Autoritarismus, Kriegstreiberei, Xenophobie und Kontrollverlust: Wir alle spüren das nervöse Fieber und es erinnert uns an längst vergangen geglaubte Zeiten.

Oliver Rathkolb
macht die Ursache an der »ersten und zweiten Turboglobalisierung« fest.
Politische Umwälzungen, ökonomische Krisen und technologische Innovationen
überfordern im Vorfeld des Ersten Weltkriegs wie auch heute die nationalen Gesellschaften und ihre politischen Eliten – und rufen die Raubritter der Wirtschaft auf den Plan. Irrationale Fehlentscheidungen in der Politik, eine Polarisierung der Bevölkerung und das Gefühl der Marginalisierung des Einzelnen wecken eine
Sehnsucht nach dem »starken Mann«
und
einfachen, oft gewaltvollen Lösungen für komplexe Probleme
.

Steht uns ein neues autoritäres Zeitalter bevor?


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ISBN 9783222151538
Erscheinungsdatum 30.10.2025
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FALTER-Rezension

Leben wir im Finale der zweiten Belle Époque?

Margaretha Kopeinig in FALTER 1-3/2026 vom 14.01.2026 (S. 22)

Haben wir bereits 1914? Mit dieser provokanten Frage beschäftigt sich der Historiker Oliver Rathkolb in seinem neuen Buch "Ökonomie der Angst. Die Rückkehr des nervösen Zeitalters". Darin zieht er historische Parallelen und zeigt Unterschiede auf zwischen der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg und der Jetzt-Zeit. "Das Szenario aus 1914, in eine total sinnlose militärische Konfrontation oder ein anderes globales Vernichtungsszenario zu taumeln, ist durchaus eine realistische Option", formuliert der langjährige Vorstand und Professor des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien offen und erschreckend direkt.
Als Ursache für diese Krisenstimmung nennt er die "Erste und Zweite Turboglobalisierung", aktuell geprägt von KI, digitaler Revolution und dem Kampf der Großmächte. Gegenwärtig nehmen Konflikte zu, autoritäre Systeme breiten sich aus und populistische und rechtsnationalistische Parteien gewinnen an Zuspruch, was seriöse Umfragen zeigen. Die Gesellschaft wird "kriegstüchtig" gemacht, Existenzängste werden bestärkt. Es gibt Ähnlichkeiten zur Aufwiegelung der Bevölkerung vor dem Ersten Weltkrieg, auch wenn von einer Gleichsetzung mit aktuellen Entwicklungen nicht gesprochen werden kann. Vergleichen heißt eben nicht Gleichsetzen.

In 13 Kapiteln analysiert der bekannteste Zeithistoriker Österreichs die globalen Veränderungen. Scharf ist sein Blick auf die USA gerichtet, auf Putins Russland und Chinas Xi Jinping sowie auf die hinterherhinkende EU. Besondere Triggerpunkte sind die Sehnsucht nach dem starken Führer und Migration. So war auch die Zeit vor 1914 von einer intensiven Binnenmigration innerhalb Europas und starker Auswanderung in die USA geprägt, was zu aggressiven politischen Auseinandersetzungen in den Metropolen führte. Die Stadtbild-Debatte ist nicht neu. Besonders in Wien wurde über Integration bzw. Assimilation von Migranten heftig gestritten, Antisemitismus und populistische Demagogie fehlten nicht.

Mit dem NS-Regime setzten neue Migrationsbewegungen ein, die im Zweiten Weltkrieg einen grausamen Höhepunkt fanden: Millionen Kriegsgefangene, Zwangsund Sklavenarbeiter, deportierte Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti sowie Mitglieder ethnischer Minderheiten, die zu Millionen in den NS-Vernichtungslagern ermordet wurden - ein europäischer Genozid. In der wirtschaftlichen Aufbauphase der 1950er-und 1960er-Jahre kam es in Westeuropa zur Arbeitsmigration, die bald zu xenophoben Debatten führte.

Heute ist das Asyl-und Flüchtlingsthema emotional aufgeladen und dient rechten Parteien als Projektionsfläche für die negativen Auswirkungen der Globalisierung. Der Autor stellt fest, dass Migration derzeit "nationalstaatlich verengt diskutiert und politisch instrumentiert werde wie vor 1914". Trotz migrantischer Geschichte waren Politiker und Gesellschaft nicht imstande, einen Mythos des "Schmelztiegels" ("melting pot") wie in den USA zu entwickeln.

Oliver Rathkolbs Buch ist eine intellektuelle Tour d'Horizon, aufgelockert durch Fotos, Statistiken, antiquarische Karten und Titelseiten von Zeitungen. Als international tätiger Forscher weiß er, dass historische Vergleiche auch riskant sind. Nicht riskant, sondern realistisch und gefährlich ist sein Befund über die EU: "Sobald es eine rechtspopulistische antieuropäische Mehrheit im Europäischen Parlament und im Rat gibt, bricht dieses Szenario einer Demokratie-basierten Wirtschafts-und Außenpolitik der EU zusammen", schreibt er -und meint damit wohl das Ende des europäischen Projekts.

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