Brutal fragile Typen. Männer und Gefühle

toxische Männlichkeit | Männerpsychologie | Manosphere | emotionale Ausbeutung | Beziehungsprobleme Männer | Männer verstehen
272 Seiten, Taschenbuch
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Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein
ISBN 9783365010716
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 24.03.2026
Größe 21.5 x 13.6 cm
Verlag HarperCollins
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Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH
Valentinskamp 24 | DE-20354 Hamburg
info@harpercollins.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Wir kennen sie: Männer, die ihre Gefühle nicht zeigen können – oder nicht wollen. Wenn ihre Emotionen sichtbar werden, dann oft Wut, Freude und Stolz, aber nur selten Trauer, Zweifel oder verletzliche Liebe. Frauen und Queers klagen, dass sie die emotionale Arbeit übernehmen, die Männer einander verweigern. Doch auch Männer zahlen dafür einen hohen Preis: Sie leiden unter sozialer Einsamkeit, oberflächlichen Freundschaften und überdurchschnittlich hohen Suizidraten. Warum hält sich ein so zerstörerisches System aufrecht?

Brutal fragile Typen deckt die komplexen und vor allem politischen Verflechtungen von Gefühlen und Männlichkeiten auf, die uns bis heute daran hindern, emotional auf Augenhöhe zu sein.

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FALTER-Rezension

Männer und ihre brutal fragilen Gefühle: Alarmstufe rot!

Gerlinde Pölsler in FALTER 27/2026 vom 01.07.2026 (S. 16)

Zu Beginn marschiert gleich einmal ein Gruselkabinett an "Manfluencern" auf, antifeministische Influencer. So wie Jordan B. Peterson etwa. Männer, bläut er seinen Fans ein, hätten einzig und allein nach Status und Dominanz zu streben. Oder der hünenhafte Ashton Hall, der mit seiner Morgenroutine viral ging. Während er seinen Luxuskörper schindet und sein Gesicht in Eiswasser taucht, reicht eine anonyme Frauenhand ihm Essen und räumt hinter ihm auf. Und natürlich Andrew Tate, angeklagt wegen Vergewaltigung und Menschenhandel und von Beruf vor allem eines: wütend. "Weil er so immens viel Wut im Bauch hat, so die Logik Tates, ist er auch besonders durchsetzungsstark."

Diese Manfluencer bewirtschaften bei Buben und jungen Männern Sehnsüchte und Gefühle, schreibt der deutsche Philosoph und Podcaster Ole Liebl in seinem Buch "Brutal fragile Typen". Da ist einer vielleicht besonders sensibel, einsam oder depressiv -und diese Gefühlswelt prallt "auf die Anforderung, ein Mann zu sein": Panik! Doch damit kein Missverständnis aufkommt: Liebl, Jahrgang 1992 und queer, thematisiert keineswegs nur desorientierte Jungs, sondern Männer generell. Emotionale Verkümmerung sei nämlich vielen gemein. Männer hätten gelernt, ihre Emotionen zu verdrängen, doch das bedeute "keineswegs, dass Männer keine Emotionen haben". Diese zu verstehen sei der Schlüssel, um patriarchale Macht zu verstehen. Liebl: "Wir können es uns nicht mehr leisten, nicht über Männer und ihre Gefühle zu sprechen."

Immerhin leiden unter der Verdrängung sowohl Frauen, die klagen, ihre Partner hätten "das emotionale Vokabular von Kleinstkindern", als auch die Betroffenen selbst: Sie zahlen den hohen Preis der Einsamkeit. Mangels anderer tieferer Beziehungen seien sie emotional oft auf eine einzige Frau angewiesen: die Mutter oder die Partnerin.

Dahinter steckt wohl der alte Zwang, dass Männer ständig ihre Männlichkeit beweisen müssen. Liebl zitiert die US-Soziologin Helen Hacker, die 1957 sagte, Männlichkeit sei "für Männer bedeutsamer als Weiblichkeit für Frauen". Ist ein Mann "nicht maskulin, kein ,echter Mann', dann ist er nichts. Aber eine Frau, die nicht feminin ist, ist immer noch eine Person". Daher sieht man bei Männern zwar Freude, Stolz, Wut. Angst dagegen, Ratlosigkeit oder Trauer bedrohen offenbar den aufrechten Gang.

Als wäre das alles nicht verkorkst genug, steht die Männlichkeit auch noch ordentlich unter Druck. Frauen pfeifen auf die einst selbstverständlichen Vormachtsansprüche von Männern. Zugleich bringt die steigende wirtschaftliche Ungleichheit "Verlierer" mit sich, zumindest in den Augen der erfolgssüchtigen Bro-Kultur. Da wächst die Wut. Kommt dann ein Rechtspopulist und sagt: "Schuld sind radikale Feministinnen!", geht das runter wie Öl.

Männliche Gefühlswelten wurden in letzter Zeit nicht allzu oft analysiert, jedenfalls nicht mit feministischem Anspruch. Wenn Liebl die Filme "Stirb langsam" oder "Spiderman" seziert, tut er das so witzig wie treffend. Dass auch er keine Lösung aus dem Ärmel schütteln kann, liegt in der Natur der Sache. Sozialisation lässt sich nicht einfach abstreifen. Daher hält der Autor Plädoyers: an Frauen, den emotionalen Bemühungen von Männern "sowohl mit feministischer Kritik als auch mit liebevoller Akzeptanz zu begegnen". An Männer, auf der Suche nach einer anderen Männlichkeit eine gewisse Ratlosigkeit auszuhalten. Jetzt wäre nur wichtig, dass das Buch auch Männer lesen -obwohl "Gefühle" auf dem Cover steht.

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