Das letzte Rennen

Roman
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Kurzbeschreibung des Verlags:


Komisch, grotesk, hellsichtig und voll schwarzem Humor und Melancholie erzählt Marjana Gaponenko in ihrem neuen Roman vom bösen Erwachen eines modernen Taugenichts, der auf drastische Weise einige hilfreiche Lektionen fürs Leben lernt. Kaspar, ein verwöhnter junger Mann in der guten Wiener Gesellschaft, studiert etwas ziellos vor sich hin und scheint von den Menschen, insbesondere den Frauen um ihn, weniger zu verstehen als von den Ponys, die sein wohlhabender Vater sammelt. Der Vater Adam, ein aus Polen stammender Ingenieur und Selfmademan, verehrt Pferdekutschen und Kutschpferde und liefert sich mit dem einzigen Sohn ein verhängnisvolles Rennen.

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FALTER-Rezension

Kleine Kutschenfahrkunstkunde mit Paukenschlag

Die Pferdeliebhaberin Marjana Gaponenko beweist mit „Das letzte Rennen“ überraschenden Mut zu Pomp und Pathos

Mehr Musik, mehr Blech, mehr Trompeten, mehr Pauken, keine Angst vor großen Gefühlen, mehr Mut zum Pompösen, zum Opulenten, zum Barocken, zum Pathetischen.“ Wer aus der Schar der österreichischen, der deutschsprachigen Gegenwartsautoren traute sich wohl, solch ein Bekenntnis abzulegen, das zugleich ein Appell ist? Der Aufruf stammt aus einem Interview der 1981 in Odessa in der Ukraine geborenen und aufgewachsenen und heute in Mainz und Wien lebenden Schriftstellerin Marjana Gaponenko.

Wie großes Blech und genaue Recherche, Witz, Ironie und Melancholie zusammengehen, das hat diese mit allen Wassern ost- und westeuropäischer Erfahrungen gewaschene Autorin schon mit ihrem letzten Roman „Wer ist Martha?“ bewiesen. Er handelt von einem greisen ukrainischen Ornithologen, der seine vielleicht letzten Tage mit Pauken und Trompeten im Wiener Hotel Imperial verbringt.
Der neue Roman „Das letzte Rennen“ beginnt auf Seite 166 mit einer ­völlig ­unerwarteten Katastrophe. Er beginnt ­natürlich auch auf Seite 9 wie (fast) ­jeder andere Roman auch, aber sein Tonfall aber ist zunächst so leicht, dass der Paukenschlag auf Seite 166 umso gewaltiger ­ausfällt. Jetzt geht es richtig los: Eine junge Frau mit dunklen Absichten namens ­Nadeschda taucht auf, das geregelte Dasein gerät aus den Fugen.
Die Frage, worum es eigentlich in diesem Buch geht, lässt sich erstaunlich leicht beantworten: um alte Kutschen, um die Pferde, die diese Kutschen ziehen, um die Kunst des Kutschenfahrens, um Wien und um Reichtum. Das vorangestellte Motto John D. Rockefellers lautet sinngemäß: Die einzige Frage im Zusammenhang mit Wohlstand ist, was fängst du damit an?
Das fragt sich auch ein aus Polen stammender Erfinder, der in Wien sein Glück gemacht hat, und das fragt sich sein Sohn, der diesem Vater auf seltsame und unergründliche Weise im Lauf der Zeit näher kommt. Zwischen den beiden steht eine attraktive Mutter, die wenig Wärme ausstrahlt und an der Oberfläche der sogenannten guten Gesellschaft und der schönen Dinge zu leben scheint. Dem Schein ist allerdings auch hier nicht zu trauen.
Erzählt wird bis in die unmittelbare ­Gegenwart hinein aus der Perspektive des ­Sohnes, eines jungen Mannes, dessen Leben sich in einem aparten Haus mit Haushälterin und interessanter Adresse abspielt: „Rennbahn ­Freudenau, bei Hauptgebäude klingeln“, so lautet die ausgefallene Adressangabe.

In den Galopp fallen die Figuren selten, allenfalls im Rahmen skurriler Gesellschaftspartys, bei denen Wettrennen zu Fuß und in großer Abendgarderobe veranstaltet werden. Ganz nebenbei ist das Buch auch ein Wien-Roman, geschrieben aus dem Blickwinkel einer ukrainischen Pferdeliebhaberin und Spezialistin für (Kutsch-)Pferde.
Der Sohn, der sich selbst als „runde Null“ sieht, teilt mit uns allen die existenzielle Frage: Wie seine Zeit verbringen, bevor das Ende da ist? Die potenziellen Antworten umfassen Langeweile, Müßiggang, Passionen jeder Couleur, Verzweiflung und Ratlosigkeit. Der Vater hat sich für seine Kutschen entschieden, bevor auch ihn ein unerwartetes Schicksal ereilt.

Sie wolle keine Handlung, keine Geschichte, meinte die Autorin in dem bereits erwähnten Interview. Die Abneigung gegen das „Gschichterlerzählen“ (Hermann Broch) teil sie mit einigen österreichischen Kollegen: Auch Thomas Bernhard zeigte sich geneigt, jede am Horizont auftauchende Geschichte sofort abzuschießen. Stattdessen ginge es ihr, so Gaponenko, um Unterhaltung und eine tiefere Klarheit.
Auf den ersten 166 Seiten des Romans zieht sich die „Geschichte“ etwas, Atmosphäre und Szenerie werden mitunter etwas gar großflächig ausgemalt. „Meisterlich“ ist das Lieblingswort des Vaters, der dabei vornehmlich an die Kunst des Wagenbaus und die Kutschenfahrkunst denkt. Meisterlich ist es auch, wie die Autorin es schafft, eine mild-ironische mittlere Stillage mit Kalkül zu durchbrechen, um Platz zu machen für Pathos, Sprachwitz, für die großen Paukenschläge.

Am 31.3., 21 Uhr tritt Marjana Gaponenko im Rahmen der Wortspiele Wien im Porgy & Bess auf

Bernhard Fetz in Falter 11/2016 vom 18.03.2016 (S. 20)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783406689550
Erscheinungsdatum 10.02.2016
Umfang 266 Seiten
Genre Belletristik/Erzählende Literatur
Format Hardcover
Verlag C.H.Beck
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