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| ISBN | 9783406843631 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 20.03.2026 |
| Genre | Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945) |
| Verlag | C.H.Beck |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München produktsicherheit@beck.de |
Orwell, Hemingway, Simone Weil: Als die Literatur in den Krieg zog
Am 19. Juli 1936 besteigt General Francisco Franco ein Flugzeug in Richtung Tetuán, um sich einem Aufstand gegen die spanische Republik anzuschließen. Spontan brechen mutige Freiwillige aus mehr als fünfzig Ländern auf, um Spanien gegen den faschistischen Umsturz zu verteidigen. Ernest Hemingway, Robert Capa, George Orwell, Simone Weil, Willy Brandt und viele andere schließen sich ihnen an. Der große Spanienkenner Paul Ingendaay erzählt von ihren Kämpfen mit Waffe, Stift und Fotoapparat - eine packende Geschichte von Mut und Verblendung, auf die schon der Schatten des Zweiten Weltkriegs fällt.
Sommer 1936: In Madrid kühlen Anwohner das heiße Straßenpflaster mit Wasser, während wenige Häuser weiter im Parlament eine Pistole gezogen wird. Auf den Wagner-Festspielen in Bayreuth erhält Hitler einen Brief: Ein gewisser General Franco bittet ihn um militärische Unterstützung bei einem Putsch gegen die spanische Regierung. Sechs Tage später macht sich eine deutsche Fliegereinheit in Zivil unter dem Codenamen "Unternehmen Feuerzauber" bereit für den Einsatz. Es ist die Zeit der großen Entscheidungen in Europa - und auch die der Zufälle, des Verrats und der tragischen Ironie. Spontan beschließen Zehntausende Freiwillige aus aller Welt, Spanien im heraufziehenden Bürgerkrieg beizustehen. Es sind Künstler, Reporterinnen, Intellektuelle und Verfolgte, es sind Helfer und Krankenschwestern, Idealistinnen und Abenteurer. Vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs lässt Paul Ingendaay jene Spaltung lebendig werden, die sich durch Familien, Dörfer und Nationen zog - und die die Frontlinien des 20. Jahrhunderts bestimmen sollte.
| ISBN | 9783406843631 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 20.03.2026 |
| Genre | Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945) |
| Verlag | C.H.Beck |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München produktsicherheit@beck.de |

Klaus Nüchtern in FALTER 18/2026 vom 29.04.2026 (S. 20)
Der Spanische Bürgerkrieg, der im Juli vor 90 Jahren begann und nach Schätzung von Historikern eine halbe Million Menschen -mehrheitlich Zivilisten -das Leben kostete, markiert eine Schnittstelle des 20. Jahrhunderts von verstörender Ambivalenz.
Der Konflikt zwischen den verfeindeten Lagern der Linken und der Rechten wurde auf dem Schlachtfeld ausgetragen. Was als "Bürgerkrieg" bezeichnet wurde, gewann aber fraglos internationale Dimension und präludierte einen weiteren Weltkrieg. Die Hoffnung auf die Einigkeit einer antifaschistischen Volksfront aber wurde zunichte und als Illusion entlarvt. Mit dem Sieg der Nationalisten unter General Francisco Franco gelangte ein klerikalfaschistisches Regime an die Macht, dessen Dauer von der über vier Jahrzehnte währenden Salazar-Diktatur im benachbarten Portugal nur knapp überboten wurde.
Zugleich löste der Angriff auf die 1931 ausgerufene Zweite Spanische Republik - die Erste zwischen Februar 1873 und Dezember 1874 währte keine zwei Jahre - eine bis dahin ungekannte Welle weltweiter Verbundenheit aus: Der Ruf "Hoch die in-ter-nationale Soli-dari-tät!", der bis ins folgende Millennium zur Standardparole auf zahllosen Demonstrationen zählen sollte, wurde damals zehntausendfach tätig eingelöst. Wobei mehr als ein Drittel der Freiwilligen aus Dutzenden Ländern, die sich zu den Internationalen Brigaden meldeten -darunter auch etwa 1400 Österreicher -, ihren Mut und ihre Selbstlosigkeit mit dem Leben bezahlten.
Das offizielle Europa reagierte mit der Einberufung eines Nichteinmischungskomitees durch den französischen Präsidenten und betrieb damit jene Appeasement-Politik gegenüber Hitler-Deutschland, die durch die unrühmliche Unterzeichnung des Münchner Abkommens am 30. September 1938 - und damit der Preisgabe der Tschechoslowakei -ihre Fortsetzung fand.
In der sogenannten geistigen Welt reagierten zahlreiche ihrer Vertreter mit Empörung - wenn auch nicht unbedingt öffentlich.
In einem Tagebucheintrag wetterte der Literaturnobelpreisträger von 1929, Thomas Mann, darüber, dass sich ein "heruntergekommenes Europa [] hinter einer elenden und lügenhaften Neutralität verschanzt" habe.
Thomas Mann, dessen Bruder Heinrich und die Kinder Klaus und Erika sind jene Zeitgenossen, auf die Paul Ingendaay in seinem Buch "Entscheidung in Spanien. Der große Kampf der Literatur 1936-1939" wiederholt zurückkommt. Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, der knapp zwei Jahrzehnte als Korrespondent der FAZ aus Madrid berichtete, tut dies nicht ohne Ironie, wenn er anmerkt, dass Manns "mit wohlklingenden Gemeinplätzen" aufgepumpte Reden diesem "schon leicht von der Hand" gegangen seien.
Nicht unsarkastisch fällt auch das Fazit zum Spanien-Trip der erwähnten Celebrity-Kids im Juni 1938 aus. Die Impressionen, die Klaus und Erika in drei Wochen in den von den Republikanern gehaltenen Städten Barcelona, Madrid und Valencia einsammelten, bildeten die Grundlage einer Reihe von Artikeln. Darin gelangen die Geschwister unter anderem zu der Einsicht, dass die "Meinungsverschiedenheiten zwischen Sozialisten und Anarchisten, zwischen Liberalen und Kommunisten" zwar "gewiß nicht unwesentlich", allerdings auch "nicht unüberwindlich" gewesen wären.
Schlimmer kann man gar nicht danebenliegen, denn zu diesem Zeitpunkt hatten Stalins Schergen längst damit begonnen, Anarchisten, vermeintliche Trotzkisten und andere "Abweichler" unter den Republikanern zu liquidieren. George Orwell etwa, der in den Reihen der antistalinistischen POUM (El Partido Obrero de Unificación Marxista) kämpfte, entging nur mit Glück seiner Verhaftung und Ermordung.
Die Geschwister Mann, so schreibt Ingendaay, hätten sich "in Spanien rühren lassen, aber die Zeichen nicht gelesen. Sie haben auf die sinnliche Wahrnehmung vertraut, statt auf Militärkarten zu schauen und sich mit Panzern und Truppenstärken, mit Ressourcen und Nachschublinien zu befassen".
Diese Passage liest sich wie ein Kommentar zu den Eindrücken, die dem Serbienwanderer Peter Handke 1995 wenige Monate nach dem Massaker von Srebrenica zuteilwurden. Die Episode, in der Erika und Klaus Mann dem Papa im Schweizer Exildomizil aus Spanien mitgebrachte Schallplatten mit Revolutionsliedern des deutschen Schauspielers und Sängers Ernst Busch vorspielen, erinnert wiederum an Tom Lehrers bitterbösen Song "The Folk Song Army". In diesem mokiert sich der erst im Vorjahr im Alter von 97 Jahren verstorbene Mathematiker und Singer-Songwriter über das selbstergriffene Peacenik-Geklampfe der 1960er: "Remember the war against Franco? / That's the kind where each of us belongs /Though he may have won all the battles /We had all the good songs."
Mit seiner Tagebuch-Attacke auf die "elende und lügenhafte Neutralität" lag Thomas Mann freilich insofern ganz richtig, als Italien und das Deutsche Reich, die dem Nichteinmischungskomitee ebenfalls angehörten, dessen Intentionen aufs Zynischste unterliefen. Es waren die Bomberstaffeln Mussolinis und Hitlers, die für die schlimmsten Massaker unter der Zivilbevölkerung und letztendlich für die Niederlage der Republik sorgten. Das Bombardement der strategisch bedeutungslosen baskischen Stadt Guernica durch die berüchtigte Legion Condor ist nur das bekannteste Beispiel für die Atrozität von Kriegsverbrechen, angesichts derer Picassos berühmtes, dem Ereignis gewidmetes Monumentalgemälde gleichen Namens ein bisschen geschmäcklerisch anmutet.
Einer, der nach Spanien ausgesandt worden war, um die faschistische Kollaboration aufzudecken, war Arthur Koestler. Der aus Budapest gebürtige Sohn eines jüdischen Industriellen wandte sich angesichts der stalinistischen "Säuberungen" vom Kommunismus ab. Den Bruch dokumentierte sein berühmter Roman "Sonnenfinsternis", der 1940 unter dem Titel "Darkness at Noon" zunächst auf Englisch erschien (die deutsche Erstausgabe folgte sechs Jahre später). Als Kriegsberichterstatter des liberalen britischen New Chronicle reiste Koestler im Spätsommer 1936 über Lissabon nach Spanien, wo er in Sevilla Piloten in spanischen Uniformen sah, die durch das Hakenkreuz auf der Brust aber unschwer als Deutsche zu identifizieren waren.
Von Francos Falangisten als Spion verhaftet und in seiner Abwesenheit standrechtlich zum Tode verurteilt, verbrachte Koestler drei Monate in Haft, registrierte, wie die Mitgefangenen mitten in der Nacht aus ihren Zellen abgeholt wurden, und musste Tag für Tag selbst mit seiner Hinrichtung rechnen, ehe er im Zuge eines Gefangenenaustausches der Briten freikam.
Während der Zeit des Bürgerkrieges wurden nicht nur Schlachten zwischen feindlichen Armeen ausgetragen, sondern auch Kämpfe, die politische Überzeugungen ins Wanken brachten und freundliche Illusionen über die Conditio humana endgültig destruierten. Eine Zeugin, die sich dieser Erfahrung besonders schonungslos ausgesetzt sah, war die französische Philosophin Simone Weil. Die Tochter aus großbürgerlicher jüdischer Familie, die sich in ihrer Heimat für die anarchistische Bewegung engagierte, traf, gerade einmal 27 Jahre alt, im August 1936 in Barcelona ein. Sie schloss sich zunächst den internationalen Milizionären der erwähnten POUM, danach der Kolonne des legendären Anarchosyndikalisten Buenaventura Durruti an, der im November desselben Jahres während der Belagerung von Madrid unter nie ganz geklärten Umständen erschossen wurde.
Nachdem die schwer kurzsichtige Philosophin, die sich im Umgang mit dem Gewehr als unfähig erwies, in der Küche, in die sie abkommandiert worden war, schwer mit siedendem Öl verbrühte und in ein Lazarett verbracht wurde, endete ihr Einsatz an der Front bereits nach zehn Tagen. Weils Eltern konnten sie dazu bewegen, Ende September nach Frankreich zurückzukehren; der Unfall hat der jungen Frau, die laut Ingendaay "ein enorm störrisches Herz" und "ein ungewöhnlicher Verstand" auszeichneten, möglicherweise das Leben gerettet.
Die Gefahr, den Bomben oder dem Gewehrfeuer der Falangisten zum Opfer zu fallen, war Weil bewusst; die Grausamkeit, mit der auf republikanischer Seite angeblichen Faschisten und Kollaborateuren sowie dem vermeintlichen Feind in den eigenen Reihen begegnet wurde, schockierte sie zutiefst. Neben dem Stiff-upper-lip-Briten George Orwell und dessen melancholischem US-Schriftstellerkollegen John Dos Passos zählte Weil zu jenen Vertretern des Kultur-und Geisteslebens, deren Glaube an die Ehrenhaftigkeit und Rechtmäßigkeit des Kampfes aufseiten der Republik am nachhaltigsten erschüttert wurde.
Mit Orwell verband Weil die intellektuelle Redlichkeit. Beide fühlten sich der Wahrheit verpflichtet, die zu verschweigen oder gar zu verbiegen kein strategisches Kalkül oder höheres Ziel erlaubt. Die von christlicher und buddhistischer Spiritualität wie von Platon, Kant und Marx gleichermaßen beeinflusste Philosophin hat sich in einer Reihe von Essays mit Krieg und Gewalt auseinandergesetzt. In einem keine zwei Seiten langen Text "Missliebige Gedanken" aus dem Oktober 1937 beklagt sie, dass auch unter den "Genossen in Katalonien" Formen von Zwang und Fälle von Unmenschlichkeit ausgeübt würden, "die im direkten Gegensatz zum libertären und humanitären Ideal der Anarchisten stehen".
Das vielleicht eindringlichste Plädoyer wider jede Form von Gewalt, das unter dem Eindruck des Spanischen Bürgerkrieges entstand, stellt ein Brief dar, den Weil irgendwann im Jahr 1938 an den ihr persönlich nicht bekannten Landsmann Georges Bernanos schrieb, dessen Romane "Tagebuch eines Landpfarrers" oder "Mouchette" heute vor allem durch die genialen Verfilmungen Robert Bressons bekannt sind.
Das Buch "Die großen Friedhöfe unter dem Mond", in dem der überzeugte Royalist und Katholik Bernanos, der Francos Erhebung ursprünglich begrüßt hatte, die Gräueltaten der Franco-Truppen auf Mallorca geißelt, beeindruckte Weil zutiefst. In ihrem Schreiben beklagt sie die Brutalität der Anarchisten vor allem gegenüber Angehörigen des Klerus, aber auch gegenüber einem 15-jährigen "Falangisten", der sich weigerte, zu den Anarchisten überzulaufen, und auf persönlichen Befehl Durrutis hin erschossen wurde. Weils Urteil über die Kämpfer aufseiten der Republik fällt vernichtend aus: "Ich habe nie erlebt, [] dass jemand, nicht einmal privat, Abscheu, Ekel oder auch nur Missbilligung geäußert hätte angesichts des unnötig vergossenen Blutes. [ ] Wenn man weiß, dass man töten kann, ohne eine Strafe oder einen Vorwurf zu riskieren, tötet man; oder man lächelt zumindest denen, die es täten, aufmunternd zu." Bernanos, so bekennt Weil am Ende ihres langen Briefes, stehe ihr "unvergleichlich viel näher als meine Kameraden, die ich trotz allem liebte". Der Adressat sollte das Schreiben der um 20 Jahre Jüngeren bis zu seinem Tod im Jahr 1948 in seiner Brieftasche aufbewahren.
Einen perversen Höhepunkt erlangte die Todesbesessenheit am 12. Oktober 1936, als man in Salamanca den Jahrestag der "Ent-
deckung" Amerikas durch Christoph Kolumbus beging. Der Rektor der altehrwürdigen Universität, der baskische Schriftsteller und Philosoph Miguel de Unamuno, war ursprünglich ein Anhänger der Republik gewesen, hatte als Katholik aber die Seiten gewechselt. Angesichts des Blutrausches, dem auch der Nationaldichter Federico García Lorca zum Opfer fiel, vollzog Unamuno allerdings erneut einen Schwenk. Der an sich unpolitische, als Homosexueller den Klerikalfaschisten aber suspekte Lorca war am 19. Oktober von einem franquistischen Großgrundbesitzer erschossen und am Straßenrand verscharrt worden.
Als Unamuno in seiner Rede aus besagtem Anlass die Gewaltexzesse der Falangisten kritisierte, wurde er durch ein herausgebrülltes "¡Muera la inteligencia!¡Viva la muerte!" - "Tod den Intellektuellen! Es lebe der Tod!" unterbrochen. Der Ruf kam aus dem entstellten Mund von José Millán-Astray, Gründer der spanischen Fremdenlegion und Propagandachef Francos. Der grotesken Gestalt fehlten der linke Arm und das rechte Auge, was ihm unter seinen Anhängern den Spitznamen "der ruhmreiche Versehrte" eingetragen hatte.
Die Antwort, die Unamuno -zumindest der Legende nach -in seiner nirgendwo aufgezeichneten Rede bereithatte, sollte fast so berühmt werden wie das "¡No pasarán!" ("Sie werden nicht durchkommen!") der baskischen Revolutionärin Dolores Ibárruri, genannt La Pasionaria: "Vencer no es convencer" - "Siegen heißt nicht überzeugen."
Die strahlende Niederlage und der heldenhafte Tod sind Bestandteile des Bilder-und Metaphernfundus der spanischen Revolutionäre. Anteil daran hatte wie wohl kein anderer der -so wie Arthur Koestler - aus dem Budapest der Habsburgermonarchie gebürtige Endre Ernö Friedmann, der unter dem Namen Robert Capa zum Superstar der Kriegsfotografie avancieren sollte.
In Begleitung seiner um drei Jahre älteren, ebenfalls jüdischen Freundin, der deutschen Fotografin Gerda Taro (eigentlich: Gerta Pohorylle), traf der 22-Jährige Anfang August 1936 in Barcelona ein. Das aparte Paar verpasste den republikanischen Milizionären ein junges, optimistisches Image. Selbst im Tod blieb die heroische Aura des ehrenhaft gefallenen Einzelkämpfers intakt; jedenfalls auf dem berühmtesten Kriegsfoto des 20. Jahrhunderts, das Capa am 5. September 1936 während der Schlacht um das andalusische Dorf Cerro Muriano aufgenommen haben wollte.
"Fallender Soldat" zeigt einen heranstürmenden republikanischen Kämpfer in dem Moment, in dem er von einer feindlichen Kugel getroffen wird. Die Echtheit des Fotos wird freilich seit langem bezweifelt. Capa unterhielt, wie Ingendaay schreibt, "ein flexibles Verhältnis zur Authentizität" und soll Kampf-und Angriffsszenen immer wieder auch inszeniert haben.
Ohne die Aufrichtigkeit des Engagements für die Spanische Republik in Abrede zu stellen, kann man sagen, dass dieses bei manchen auch durch Abenteuerlust motiviert und der Imagepflege nicht abträglich war. Ernest Hemingway, Meister aller Büchsen und Angelruten, durfte da nicht fehlen. Als Kriegsberichterstatter kassierte er Spitzenhonorare für seine Reportagen und konnte diese als Inspiration für seinen Roman "Wem die Stunde schlägt"(1940) verwerten. Begleitet wurde er von seiner Geliebten und späteren (dritten) Ehefrau, der ebenfalls als Journalistin und Schriftstellerin tätigen Martha Gellhorn.
An der Seite ihres berühmten Lovers machte Gellhorn als "einzige Blondine Spaniens" (Eigendefinition) gute Figur. Die beiden waren fraglos das internationale Glamour-Paar der Republik. Ihrem britischen Kollegen George Orwell war jegliches Posertum zwar fremd, aber mit einer Körpergröße von ein Meter 90 fiel er naturgemäß auf -erst recht im Schützengraben, in dem er sich völlig sorglos bewegte. Auf diese Weise gelang es dem gelangweilten, weil kaum an Kampfhandlungen Beteiligten schließlich doch noch, sich eine Kugel einzufangen. Sie verfehlte die Halsschlagader um Millimeter und trug ihm eine monatelange Stimmbandlähmung ein.
Seine Spanienerfahrung verarbeitete Orwell in "Mein Katalonien" (1938), einem seiner besten Bücher -für das er freilich erst einen neuen Verlag finden musste. Seine Abrechnung mit dem Stalinismus schien seinem angestammten, nach wie vor prosowjetisch eingestellten Verleger Victor Gollancz als nicht opportun.

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