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| Themen | Geowissenschaften, Geographie, Umwelt, Planung Geographie Physische Geographie und Topographie Berge und Hochland |
|---|---|
| ISBN | 9783406843952 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 20.03.2026 |
| Größe | 24 x 17 cm |
| Verlag | C.H.Beck |
| Lieferzeit | Lieferbar in 14 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München produktsicherheit@beck.de |
"Wer die Alpen verstehen will, kommt um das Buch von Werner Bätzing nicht herum." GEO Saison Ist die Zerstörung der Alpen als menschlicher Lebens- und Wirtschaftsraum überhaupt noch aufzuhalten? Degenerieren sie zu einem Erlebnispark, zu Transiträumen mit Städtebändern oder zu einer Entsiedlungsregion? Und sorgt die Klimaerwärmung dafür, dass die Alpen unbewohnbar werden? Der international bekannte Alpenforscher Werner Bätzing hat sein vielfach gerühmtes Alpenbuch erneut grundlegend überarbeitet und in allen Aspekten aktualisiert. Er zieht darin die Bilanz seiner fast 50-jährigen Beschäftigung mit dem einzigartigen Natur- und Kulturraum Alpen. Bätzing schildert, wie die Alpen als Lebens- und Wirtschaftsraum und als Kulturlandschaft entstanden sind, wie sie ab 1880 durch Tourismus, Industrie, Wasserkraft, Verstädterung, Verkehr und den Zusammenbruch aller traditionellen Lebens- und Wirtschaftsformen vollständig verändert werden und wie ihre Zukunft bis zum Jahr 2050 aussehen könnte. Die zentrale Frage dabei ist, ob und wie die traditionellen Naturerfahrungen im Alpenraum - Naturveränderungen ohne Umweltzerstörung - gegenüber den Zerstörungen durch das moderne Wirtschaften und Leben so aufgewertet werden können, dass die Alpen eine lebenswerte Zukunft erhalten. Zahlreiche Fotos und Karten veranschaulichen die Argumente des Autors und machen die Lektüre zu einem Erlebnis.
| Themen | Geowissenschaften, Geographie, Umwelt, Planung Geographie Physische Geographie und Topographie Berge und Hochland |
|---|---|
| ISBN | 9783406843952 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 20.03.2026 |
| Größe | 24 x 17 cm |
| Verlag | C.H.Beck |
| Lieferzeit | Lieferbar in 14 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München produktsicherheit@beck.de |
Gerlinde Pölsler in FALTER 39/2026 vom 23.09.2026 (S. 43)
Er ist heute einer der kundigsten Kenner der Alpen, doch der Weg dahin war kein direkter. Der Pfarrerssohn Werner Bätzing studierte erst Evangelische Theologie und Philosophie und arbeitete als Religionslehrer. Dann konnte er sich "mit dem Christentum nicht mehr identifizieren" und wurde Buchhändler. 1977 besuchte er das erste Mal das Piemont -und war so fasziniert, dass er im Jahr darauf drei Monate lang die gesamten Südwestalpen durchwanderte. Mit einem Zelt. Danach studierte er Geografie, wurde Professor und schrieb Bücher.
Schon früh beschäftigte er sich mit Fragen der Naturphilosophie und -zerstörung. Der Spiegel bezeichnete ihn nicht nur als "Doyen der Alpenforschung", sondern auch als "Niedergangspropheten". Für Bergsteiger Reinhold Messner ist er hingegen "der bedeutendste Sprecher jener Bergkultur, von der die Zukunft der Alpen abhängt".
In der heuer erschienenen Neufassung seines Standardwerks "Die Alpen" schildert Bätzing, wie diese als Lebensraum entstanden sind, wie sie sich durch Tourismus, Industrie, Wasserkraft und Verkehr veränderten und wie ihre Zukunft aussehen könnte.
Falter: Herr Bätzing, in diesem Sommer hatten die Alpenländer so stark mit Dürre zu kämpfen wie noch nie zuvor. Mit dem Klimawandel wird sich das weiter verschärfen, und die Gletscher, die bisher als Wasserspeicher für den Sommer fungierten, schmelzen ihrem Ende entgegen. Was kommt da auf die Alpenregionen zu?
Werner Bätzing: Die Almen sind schon heute stark betroffen: Sie können nicht mehr so lang genutzt werden, weil Wasser und Futter für die Tiere nicht mehr so lange reichen. Obwohl bereits mit viel Aufwand Brunnen neu gegraben wurden und in Notfällen das Militär mit Helikoptern Wasser hinauftransportiert. Unten im Tal trifft es die Landwirtschaft aber genauso, besonders die intensive: Wenn man anders, als das früher üblich war, oft im Jahr mäht, braucht das entsprechend viel Wasser.
Die Alpen sind ja voller Touristen. Wie soll das weitergehen, wenn das Wasser knapp wird?
Bätzing: Zumal ein Tourist zwei-bis dreimal so viel Wasser verbraucht wie ein Einheimischer
Warum ist das so?
Bätzing: Weil sich die Urlauber oft duschen und viel Wasser für Schwimmbäder und Wellness verbrauchen. Die Gastgeber tun aber alles, damit die Touristen nichts davon merken, dass das Wasser knapp wird, und nur ja wiederkommen. In der Schweiz wird jetzt wegen der Wasserknappheit schon der Ruf nach neuen großen Staudämmen in den Alpen laut: Da die Niederschläge im Winter in etwa gleich bleiben, könnte man ja dieses Wasser in riesigen Stauseen zurückhalten und im Sommer dann gezielt abgeben.
Eine gute Idee?
Bätzing: Das ist eine schlechte Idee! Mit solchen technischen Lösungen kann man das Problem nicht in den Griff bekommen. Gesellschaft und Wirtschaft in Europa verbrauchen viel zu viel Wasser, das geht auf Dauer nicht so weiter. Würde man in den Alpen Stauseen bauen, würde man das Problem nur verschieben. Dann wird es aber in Zukunft umso heftiger werden.
Wo sollten wir Wasser sparen - und wie?
Bätzing: Wir müssen unseren gesamten Lebens-und Wirtschaftsstil überdenken. Die Gesellschaft, die Industrie, unsere Hygienesysteme gehen alle davon aus, dass wir Wasser in Hülle und Fülle haben. Unsere Klospülungen laufen mit Trinkwasser - das ist ein Unding. Es ist nicht leicht, das zu verändern, aber es wird kein Weg daran vorbeiführen, diese Verschwendung abzustellen. Die Landwirtschaft könnte auf traditionelle Sorten zurückgreifen: Ob Getreide oder Kartoffeln, früher waren diese darauf ausgerichtet, auch bei Trockenheit noch einigermaßen Ertrag zu geben.
Sie sagen, die Alpen "liegen auf der Intensivstation". Und der Alpenraum als eigener menschlicher Lebensraum sei im Zerfallen. Wie meinen Sie das?
Bätzing: Die Alpen waren über lange Zeit ein wichtiger Lebens-und Wirtschaftsraum in Europa. Heute werden große Gebiete nicht mehr genutzt, weil man hier nicht konkurrenzfähig wirtschaften kann; deshalb verwildern diese Gebiete. Kleine Gebiete dagegen -tiefe Talböden, Tourismuszentren -werden intensiv modern genutzt und dadurch ökologisch zerstört. Beides ist problematisch.
Wenn Sie von Entsiedelung und Verwilderung sprechen: Kann man das nicht auch anders sehen? Wenn die Menschen auf weniger Raum leben, bleibt der Natur mehr Platz.
Bätzing: Die Alpen sind von ihrer Geschichte her eine Kulturlandschaft, die sehr eng mit der Natur verzahnt ist. Das macht ihre Faszination und Besonderheit aus: dieses Mit-und Ineinander von Natur und Kultur. Die Artenvielfalt ist durch die traditionelle kleinräumige Gestaltung teils sogar größer als im Naturzustand. Eine reine Waldlandschaft wäre relativ monoton und finster. Erst die Kulturlandschaft macht aus dem dunklen Waldgebirge ein offenes Gebirge, wo man aus den Tälern die Gipfel sehen kann und in dem der Mensch leben kann.
Der Rückzug des Menschen mache die Alpen nicht nur unattraktiver, sondern auch gefährlicher, sagen Sie.
Bätzing: Genau. Der Mensch hat die Landschaft früher bewusst genutzt und zugleich ökologisch stabilisiert. Er hat die richtige Zahl an Tieren aufgetrieben, die richtige Schnitthäufigkeit auf Wiesen gewählt. Überall dort, wo die Landschaft instabil wurde, wo der Boden zu erodieren begann, wurde er mit viel Handarbeit wieder gesichert.
Und wenn das immer seltener passiert
Bätzing: breitet sich der Wald wieder aus. Bis dahin dauert es aber 150 bis 300 Jahre. Inzwischen kann das aufkommende Buschwerk nicht gegen Lawinen schützen. Und auf steilen Flächen wird der Boden leichter abgespült, und es kommt schneller zu Vermurungen. Die Alpen befinden sich in einer ökologisch kritischen Übergangszeit.
Außer der Verbuschung und Verwaldung kritisieren Sie auch die Verstädterung.
Bätzing: Die Alpentäler werden immer stärker abhängig von den Metropolen am Rand der Alpen. Von Wien, München, Zürich, Genf, Mailand und so weiter. Diese greifen mit ihren Randgebieten in jene Alpentäler hinein, die jetzt mit der Autobahn und der Eisenbahn so gut erreichbar sind. Dort wird massiv gebaut, und zwar in Gebieten, die die Menschen früher für Siedlungen gemieden haben, weil die Hochwassergefahr dort groß ist: in den flachen Tallagen. Da werden wir noch große Probleme bekommen. Abgesehen davon werden diese Alpengebiete zu Vororten von München und Wien.
Bitte um ein Beispiel.
Bätzing: Der Großraum München. Hier erreicht die Verstädterung schon die Bayerischen Alpen. Wegen der vielen Neubauten steigen die Grundstückspreise stark. Dadurch werden die Bauern vertrieben; sie machen ihre Wiesen zu Bauland und ziehen weg. Dann kommen die Filialbetriebe der großen Konzerne aus der Metropole, die die kleinen Läden und Handwerker verdrängen. Auch der lokale Tourismus: Er bringt zu wenig Wertschöpfung. Die Menschen, die aus den Randgebieten der Alpen nach München pendeln, können höhere Mieten zahlen, und das das ganze Jahr, als Touristen je zahlen könnten, die sowieso nur an die 100 Tage im Jahr dort wären.
Könnte man nicht auch sagen: Immerhin bleiben diese Orte am Leben?
Bätzing: Sie sind aber ohne Seele, ohne Leben und Identität. Da bleibt nichts mehr, was eine Art Heimat wäre, wo der Mensch sich zuhause fühlt und sich in der Landschaft wiedererkennt. Diese Siedlungen sind austauschbar, und oberhalb von ihnen wächst der Wald und die Kulturlandschaft verschwindet.
In den Tourismuszentren, sagen Sie, würden die Alpen zur "Sport-und Erlebnisarena" umfunktioniert: mit Gondelbahnen und Spielplätzen auf Bergen. Immerhin gelingt es so aber, auch abseits vom Skitourismus Gäste anzulocken - was nicht unvernünftig klingt, wenn den Skigebieten zunehmend der Schnee abhandenkommt.
Bätzing: Achtung: Die genannten Beispiele finden insbesondere in Skigebieten statt, die ihre Bergbahnen jetzt auch im Sommer auslasten wollen. Meine Kritik daran ist, dass der heutige Massentourismus aus dem Kauf von Erlebnissen und nicht mehr aus eigenen Erlebnissen besteht: Ich kaufe mir ein Erlebnis und habe dann keine Verantwortung mehr dafür. Die liegt beim Anbieter. Früher aber hat jeder Wanderer gewusst, dass in den Bergen Eigenverantwortung gilt. Man kehrt um, wenn sich die Tour als zu schwer herausstellt oder das Wetter dreht.
Und heute?
Bätzing: Heute propagieren soziale Medien, was alle gesehen haben müssen, und jeder versucht es möglichst perfekt nachzumachen. Aber damit bleibt kein Spielraum mehr für eigene Erlebnisse. Als Hochgebirge haben die Alpen etwas Bedrohliches und Gefährliches, damit umgehen zu können, macht auch ihren Reiz aus. In den Tourismuszentren ist man daher weniger in den Alpen als in städtischen Freizeitparks.
Sehen Sie Skigebiete auch als Freizeitparks?
Bätzing: Ja, die meisten Wintersportorte sind Paradebeispiele dafür. Wenn Leute selbstständig Skitouren unternehmen, ist das etwas vollkommen anderes als dieser Abfahrtsskilauf mit seinen vorgefertigten Angeboten. Eigene Erfahrungen zu machen heißt: Man muss auch frustriert werden können, Unsicherheiten ertragen. Die Leute bringen sich selbst um Erfahrungen. Aber ohne diese wird der Urlaub schnell schal, dann muss man sich gleich noch spektakulärere Erlebnisse kaufen. Und irgendwann kommt man ins Erlebnis-Burnout.
Sie sagen auch: Weil sich in den Alpen so viel Tourismus in nur 300 großen Zentren abspielt, blieben anderswo Chancen liegen.
Bätzing: Gut die Hälfte aller touristischen Betten im Alpenraum konzentriert sich in nur fünf Prozent der Alpengemeinden. Der Großteil der Alpen ist touristisch wenig genutzt. Schlagen sie irgendeinen Alpenvereinsführer auf, der die Anstiege beschreibt, und schauen Sie dann, welche Berge davon regelmäßig besucht werden: Pro Berggruppe sind es nur ein bis zwei Gipfel. Wer ein bisschen von den üblichen Wegen abweicht und sich eigene Wege sucht, ist schnell in der größten Einsamkeit. Deshalb sehe ich große Möglichkeiten für einen dezentralen, sozial-und umweltverträglichen Tourismus, wo man Gast bei Einheimischen ist. Aber damit das so sein kann, dürfen die Gäste nicht in der Mehrzahl sein.
An welche Orte denken Sie da etwa?
Bätzing: Ein gutes Beispiel ist das niederösterreichische Ötschergebiet und generell die östlichen Ostalpen. Da gibt es nur an wenigen Punkten Massentourismus. Oder die piemontesischen Alpen zwischen den Walliser Alpen und dem Mittelmeer. Hier setze ich mich für den Weitwanderweg "Grande Traversata delle Alpi/GTA" ein. Dieser Weg greift auf bestehende Wege zurück, die kaum noch genutzt werden, und man übernachtet bei Einheimischen. Auf diese Weise lernt man die Alpen richtig kennen und nicht nur den Freizeitpark Alpen.
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