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| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten Altersgruppen und Generationen Kinder |
|---|---|
| ISBN | 9783406844119 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 14.10.2026 |
| Größe | 21.7 x 13.9 cm |
| Verlag | C.H.Beck |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München produktsicherheit@beck.de |
Für den Common Sense ist klar: Kindheit und digitale Medien vertragen sich nicht - gar nicht. Während wir selbst dem Sog unserer Lieblingsapps kaum widerstehen, debattieren wir über ein Handyverbot an Schulen. Die Dominanz von Smartphones und Social Media im Alltag von Kindern ist erschreckend - aber dabei übersehen wir, warum sie sich überhaupt in einem solchen Ausmaß durchsetzen konnten: Erstmals in der Geschichte der Menschheit steht uns ein Bündel mächtiger Kommunikationstechnologien zur Verfügung, das nicht primär auf Sprache setzt, sondern auf frühkindliche neurologische Dispositionen. Die Wisch-, Zeige- und Touch-Welt ist auf diese Hirnfunktionen beinahe magisch abgestimmt - als hätte das Kind in uns hier eine neue Heimat gefunden.Der Kinderneurologe Florian Heinen erkundet gemeinsam mit dem Digitalphilosophen Jörg Noller das Betriebsgeheimnis der digitalen Revolution: die unheimliche Nähe zwischen dem kindlichen Gehirn und der neuen Technik. Jenseits von Alarmismus und Verharmlosung suchen sie nach neuen Ideen für einen gelingenden Mediengebrauch und nach einem präziseren Verständnis der Risiken, die digitale Technologien für die Kindheit bergen - für die unserer Kinder ebenso wie für jene, die in uns Erwachsenen fortlebt. Mit neugierigem Blick verfolgen sie zudem, wie stark die Revolution unsere körperliche Wirklichkeit umformt: Das Mobiltelefon berühren wir täglich tausendfach, unser Gesicht nur einige hundert Mal. Selbst die innigen Berührungen zwischen Müttern und Neugeborenen bewegen sich pro Tag im Bereich von hunderten Kontakten, nicht von tausenden. Grund genug, hier einen neuen Dialog zu beginnen.
| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten Altersgruppen und Generationen Kinder |
|---|---|
| ISBN | 9783406844119 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 14.10.2026 |
| Größe | 21.7 x 13.9 cm |
| Verlag | C.H.Beck |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München produktsicherheit@beck.de |
Juliane Fischer in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 44)
Es dauert nur eine Fünftelsekunde. Schon löst das App-Symbol eine Aktivität im Spindelgyrus aus. Was wie ein griechischer Fleischspieß klingt, benennt jene Struktur im Gehirn, die unter anderem für Gesichtswahrnehmung und das Wiedererkennen von Schriftzeichen zuständig ist. Florian Heinen und Jörg Noller spekulieren, Steve Jobs habe sich wohl an den Kalligrafiekurs aus Studienzeiten erinnert und der habe ihn zur Erfindung des iPhones und der Apps inspiriert: zu markanten Zeichen, die man antippen kann.
Heinen ist Kinder- und Jugendarzt mit Schwerpunkt Entwicklungsneurologie in München. Noller forscht als Philosoph ebendort. Präzise fächern sie auf, wie und warum Smartphones für Kinder instinktiv funktionieren (inklusive des inneren Kindes in uns) und sie sich am frühkindlichen Zusammenspiel aus Hand und Gehirn orientieren.
Die Welt des Wischens, Zeigens und Berührens scheint auf unsere Hirnfunktionen beinah magisch abgestimmt. Und wie manipulativ die Technik programmiert ist, erscheint unheimlich. Bei der Lektüre erfährt man Erstaunliches über den menschlichen Körper; etwa, dass Neuronen nicht im Laufe der Zeit gebildet werden: Im Gegenteil kommt das Neugeborene mit rund 300 Milliarden Neuronen zur Welt. Danach werden diese entrümpelt, in fein abgestimmten Prozessen bildet sich ein Netzwerk aus circa 86 Milliarden Neuronen. Lernen entsteht insofern durch Auswahl, Gewichtung und Mustererkennung. Ein Smartphone im Raum aber konkurriert direkt mit jenen Ressourcen, die das Kind für seine Stabilisierung, Selbstregulation und für Lernerfolge braucht. Erst zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr lernen wir, impulsives Verhalten zu unterdrücken.
Allerdings: Belohnungssysteme, soziale Rankings und permanente Erreichbarkeit erzeugen psychologische Dynamiken, die gerade junge Nutzerinnen und Nutzer schwer regulieren können. Sie brauchen die Peer Group, um die neuen neuronalen Netzwerke zu erproben – perfekt für die extra designten Feedback-Methoden, die das Belohnungssystem befeuern: mit Likes, Followern, Kommentaren und Herzen. Auf toxisches Verhalten, Mobbing, sexualisierte Ansprache und ideologische Radikalisierung aber seien Kinder nicht vorbereitet.
Doch das Smartphone hat unseren Nahraum erobert und rivalisiert mit menschlichen Gesten und Stimmen. Das Mobiltelefon berühren wir täglich tausendfach, während sich die Berührungen zwischen Müttern und Neugeborenen pro Tag nur im Bereich von Hunderten bewegen. Nicht nur die Konzentrationsspanne wird kürzer, die gesamte Aufmerksamkeitsökonomie verändert sich. Das bringt viel Unerfreuliches, nur ein paar Beispiele: Essstörungen und psychische Probleme nehmen zu, die Fähigkeit, sinnerfassend zu lesen und eigenständig zu denken ab.
Dennoch stemmen sich die beiden Wissenschaftler gegen den „Kulturpessimismus digitalisierungsskeptischer Sachbücher“, zu denen sie etwa „Generation Angst“ des US-amerikanischen Sozialpsychologen Jonathan Haidt zählen. Fast mantraartig betonen sie, Verbote seien der falsche Weg, und fordern stattdessen: mehr reflektieren, mehr Eigenverantwortung. Ausgleichen, was sonst verkümmert: schreiben, basteln, malen, musizieren. Benachrichtigungen begrenzen, handyfreie Zeit schaffen und zwischen konzentrierter Nutzung und bloßem Reizkonsum unterscheiden. Sie fordern auch das Ende manipulativer Designpraktiken, außerdem seien die Systeme verpflichtend an das jeweilige Alter anzupassen. Wie und gegen wen das durchzusetzen wäre, bleibt offen.
Klingt vernünftig, aber auch naiv. Wie groß ist die Kraft des Einzelnen? Nach fast 20 Jahren Smartphone erkennen wir schön langsam dessen Folgen. Dabei stecken wir bereits im nächsten Dilemma: Die künstliche Intelligenz ist im Buch noch gar nicht eingepreist.
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