Stranger than Fiction

Das 20. Jahrhundert in 30 Romanen
600 Seiten, Hardcover
€ 39,10
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Lieferbar ab 20.03.2026

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ISBN 9783406844973
Erscheinungsdatum 20.03.2026
Genre Sachbücher/Kunst, Literatur/Literatur
Verlag C.H.Beck
Übersetzung Andreas Wirthensohn
LieferzeitLieferbar ab 20.03.2026
HerstellerangabenAnzeigen
Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG
Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München
produktsicherheit@beck.de
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Kurzbeschreibung des Verlags


Das 20. Jahrhundert in 30 Romanen






Der Roman war

die
literarische Form des 20. Jahrhunderts. Es war ein Jahrhundert, das allzu oft kaum zu begreifen war, das dringend nach Beschreibung verlangte und doch jeder Beschreibung spottete. Der Roman mit seiner angeborenen Neugier auf die Welt geriet damit unter beispiellosen Dauerstress und reagierte, indem er sich ständig radikal neu erfand. Edwin Frank zeigt dies in seinem brillanten Buch an 30 Schlüsselwerken der Weltliteratur, die den Roman im 20. Jahrhundert prägten.




Das 20. Jahrhundert war eine Zeit gigantischer Umbrüche. Der Roman stellte sich diesen Umwälzungen, indem er sich als literarische Form ebenso permanent wandelte. Edwin Frank führt das an 30 großen Romanen des 20. Jahrhunderts vor. Der Bogen reicht von H. G. Wells, Franz Kafka und Colette bis zu Gabriel García Márquez, V. S. Naipaul und W. G. Sebald. Thomas Manns

Der Zauberberg
, James Joyces

Ulysses
, Virginia Woolfs

Mrs. Dalloway
und Robert Musils

Der Mann ohne Eigenschaften
sind allesamt von dem monumentalen Anspruch getragen, ihre Zeit zu erfassen. Natsume Soseki in Japan und Chinua Achebe in Nigeria adoptierten europäische Vorbilder für ihre eigenen Zwecke, Wassili Grossman und Elsa Morante entwickelten den Roman weiter, um die Traumata des Zweiten Weltkriegs zu bewältigen. Mit bestechender Eleganz und stupender Kenntnis führt uns Edwin Frank durch die Romanliteratur des Jahrhunderts und erzählt die Geschichte einer berstenden Form in einer berstenden Welt.

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ISBN 9783406844973
Erscheinungsdatum 20.03.2026
Genre Sachbücher/Kunst, Literatur/Literatur
Verlag C.H.Beck
Übersetzung Andreas Wirthensohn
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FALTER-Rezension

Zwischen den Zeilen Zerrissenheit

Ulrich Rüdenauer in FALTER 12/2026 vom 18.03.2026 (S. 33)

in Roman sei eine Prosaerzählung von einer gewissen Länge, an der etwas nicht stimme. Dieses Bonmot stammt vom Dichter Randall Jarrell, und Edwin Frank zitiert es in seinem Werk „Stranger than Fiction“ gleich zwei Mal. Nicht von ungefähr: Was am Roman nicht stimmt, ist zugleich das, was ihn so reizvoll macht.

Zwischen dem etablierten Roman des 19. und dem avancierten des 20. Jahrhunderts bestehe, so Frank, ein wesentlicher Unterschied: Gab es in den geölten Erzählstrukturen von Balzac oder Henry James ein „zuverlässiges Zusammenspiel von Dialog und Beschreibung“ unter Aufsicht der Erzählinstanz, die alles unter Kontrolle hält, den Figuren angemessenen Platz einräumt und um das Vertrauen der Leser wirbt, so wird all das nun fragwürdig. Nun wird der Roman durchlässig fürs Unbeschreibliche und Unausgegorene. Er wird zwar als offene, weithin nutzbare Form verstanden, die rasant sich verändernde Wirklichkeiten in künstlerische Sprache zu „übersetzen“ sucht. Aber die Problematik dieser Übersetzung wird im Roman nun mitreflektiert. Die Autoren „schreiben sowohl als Romancier wie auch als Kritiker, der dem Romancier über die Schulter schaut, und wie sollen sie ein Buch zustande bringen, das einem solchen gespaltenen Bewusstsein gerecht wird?“ Darum geht es: um Werke, die dem gespaltenen Bewusstsein durch neue Erzähltechniken gerecht zu werden versuchen.

30 Romane hat sich Frank, Herausgeber der New York Review Books Classics, ausgesucht. Anhand derer erzählt er die Geschichte dieser Form im 20. Jahrhundert – ja, er erzählt originell und mitreißend von Büchern, ihren Autorinnen und Autoren, vor allem aber vom Roman selbst. Er sieht in ihm eine Textsorte unter Dauerstress. Einige Autoren reagieren auf diesen Stress, indem sie die Form radikal umgestalten.

Erstaunlicherweise beginnt Frank nicht im Jahr 1900, sondern bereits 1864 mit Dostojewskis „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ – ein schmales Werk ohne Plot, ein Text über einen Krisenzustand. Nicht nur darin ist es ein Vorbild für das Neue, das kommen sollte: Die „Aufzeichnungen“ sind „auch deshalb ein Vorläufer, weil die politischen und sozialen Probleme, mit denen Russland im 19. Jahrhundert konfrontiert war […], im kommenden Jahrhundert allgemein, ja global werden.“

In langen Kapiteln mit teils pointierten Nacherzählungen beschäftigt sich Frank mit ausgewählten Romanen von H.G. Wells, André Gide, Alfred Kubin, Gertrude Stein, Thomas Mann, Marcel Proust, Virginia Woolf, Chinua Achebe oder V. S. Naipaul, um nur ein paar zu nennen. Ein Epilog handelt vom ersten Roman des digitalen 21. Jahrhunderts – W.G. Sebalds „Austerlitz“. Neben eindeutigen Höhenkammtexten gibt es also sehr überraschende Untersuchungsobjekte. Was allen gemein ist: Frank findet in ihnen die Brüche und Irritationen wieder, die er bei Dostojewski entdeckt hat. Die Romane des 20. Jahrhunderts reagieren auf die Katastrophe des Krieges, die Beschleunigung des Lebens, die Befreiung des Ich, auf Abenteuerlust und Verzweiflung angesichts transzendentaler Obdachlosigkeit.

Dass Frank eine Auswahl an Büchern treffen musste, kann man ihm nicht vorwerfen. Bei aller Genauigkeit und allem historischen Wissen bleiben doch gemischte Gefühle: Seine Grundthesen sind nicht so überraschend, dass man sie auf 600 Seiten belegen müsste. Zuweilen sind die Anmerkungen zu Autorinnen und Autoren in ihrer feuilletonistischen Extravaganz ein wenig vage – über Kafka heißt es etwa, sein Schreiben habe „die Gelassenheit eines Surfers auf einer Brandungswelle, die es zum perfekten Maßstab für ein Jahrhundert der Krise macht“. Ob „Stranger than Fiction“ die Lektüre dennoch lohnt? Absolut. Alleine schon deshalb, weil man mit ihm in verschiedenste Romanwelten eintauchen kann. Das ist so inspirierend, dass man am liebsten ein Jahr frei nehmen und alle erwähnten Bücher nochmal oder zum allerersten Mal lesen möchte.

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