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| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Öffentliche Verwaltung / Public Policy |
|---|---|
| ISBN | 9783406849329 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 24.09.2026 |
| Größe | 21.7 x 13.9 cm |
| Verlag | C.H.Beck |
| Übersetzung | Werner Roller, Annabel Zettel |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München produktsicherheit@beck.de |
"Die Regierung der Maschinen" ist ein alarmierendes Buch, aber trotz seiner Fülle an beunruhigenden Fakten kein Grabgesang auf die Demokratie. Es ist ein Weckruf an uns alle, aufzuwachen und dem Künstlichen Staat, der sich anbahnt, entgegenzutreten. Denn er besteht nicht nur aus einer "Regierung ohne Zustimmung", sondern sogar aus einer "Regierung ohne Menschen". Er kann entmachtet werden wie der Feudalismus, der Faschismus und die Sklaverei. Aber dafür muss man verstehen, was vor sich geht. Amerikas glanzvollste Historikerin, die Pulitzerpreisträgerin und Harvard-Professorin Jill Lepore, erzählt hoch spannend, wie es zum steilen Aufstieg von KI kam und wir in die Hände von einigen Tech-Tycoons geraten sind, die glauben, das Recht zu haben, über unsere Zukunft zu entscheiden."Um die Mitte der 2020er Jahre wurden Entscheidungen von großer Tragweite für die Zukunft der Erde und alle und alles auf ihr getroffen, und das von einer Handvoll Männer aufgrund ihrer kolossalen Anhäufung von Reichtum, ihrer katastrophalen Fehlinterpretation von Geschichte, Literatur und Philosophie und ihrer niederschmetternden Verachtung für einfache Menschen, ob tot oder lebendig. Sie duldeten keinen Widerspruch."
| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Öffentliche Verwaltung / Public Policy |
|---|---|
| ISBN | 9783406849329 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 24.09.2026 |
| Größe | 21.7 x 13.9 cm |
| Verlag | C.H.Beck |
| Übersetzung | Werner Roller, Annabel Zettel |
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Tessa Szyszkowitz in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 28)
Es war alles schon einmal da. Vor hundert Jahren wollte Joshua Haldeman Politiker durch Technokraten ersetzen. Technology Incorporated wurde als Bewegung 1933 in Nordamerika gegründet, seine Vertreter trugen eine Zahlenfolge als Namen. Der Kanadier Haldeman, Nummer 10450-1, propagierte die Idee einige Jahre lang sehr eifrig. Nebenbei vertrat er ebenso vehement antidemokratische und verschwörungstheoretische Ansichten. So glaubte er fest an die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“. Später wanderte 10450-1 alias Joshua Haldeman nach Südafrika aus und machte sich dort für die Apartheid stark.
10450-1, das ist der Großvater von Elon Musk. Der Enkel nannte seinen 2020 geborenen Sohn X Æ A-Xii. „Bei allem mutmaßlichen Futurismus Musks kam doch fast alles, was er versprach, aus der Vergangenheit von Technocracy, einer gescheiterten Bewegung, die einige der am meisten diskreditierten Ideen des 20. Jahrhunderts befürwortete“, schreibt Jill Lepore: „Im 21. Jahrhundert kehrte das Technat zurück … als der Künstliche Staat.“ Musk nahm Söhnchen X Æ A-Xii mit ins Oval Office, als er sich im Februar 2025 gemeinsam mit Donald Trump daranmachte, die US-Demokratie zu zerstören.
Es gibt Bücher, von denen man jeden Gedanken behalten will. Das Buch der 60-jährigen Professorin, die Essays auch zu aktuellen politischen Themen in Mainstream-Zeitungen wie der Financial Times publiziert, ist so eines. In „Die Regierung der Maschinen. Aufstieg und Fall des Künstlichen Staates“ gelingt der Historikerin ein wunderbarer Wurf von der Entwicklung der demokratischen Staatsidee zum Aufbau des Künstlichen Staates. Der Grundgedanke war vernünftig, das Regieren sollte effizienter werden. Heute droht der technologische Fortschritt die ineffiziente menschliche Arbeit zu eliminieren. „Wann wurde der Traum zum Albtraum?“, fragt die Autorin.
Eine Warnung vor der KI schreiben heute viele. Lepore aber begibt sich tief in die Geschichte der Ideen, die zur Automatisierung und Autokratisierung unserer politischen Verhältnisse heute führen. Das Buch basiert teilweise auf Essays, die in der Wochenzeitung The New Yorker erschienen sind, geht aber weit darüber hinaus.
Lepore zeigt, dass KI nicht erst mit Elon Musk beginnt. Die Ideen, wie Mensch und Maschine sich ähneln und unterscheiden, sind viel älter. Sie beginnt mit Thomas Hobbes, der 1651 in „Leviathan“ den Staat „einen künstlichen Menschen“ nannte: „Denn was ist das Herz anderes als eine Feder, was sind die Nerven anderes als lauter Stränge und die Gelenke anderes als lauter Räder.“ Jahrhunderte später, notiert Lepore, sollte man eine solche Maschine in Menschengestalt nicht mehr als Automaten oder künstlichen Menschen, sondern als „Roboter“ bezeichnen.
Der Mensch aber hat Gefühle. Und Intellekt. Also schuf er sich einen Staat, der ihm entsprach. Die konstitutionelle und die liberale Demokratie sollten Gleichberechtigung und Ordnung bringen. Zweifel aber blieben immer, ob der Mensch imstande ist, das zu packen. „Sind menschliche Gesellschaften wirklich fähig, eine gute politische Ordnung auf der Grundlage vernünftiger Überlegung und freier Entscheidung einzurichten, oder sind sie für immer dazu verurteilt, bei der Festlegung ihrer politischen Verfassung von Zufall und Gewalt abhängig zu sein?“, fragte sich Alexander Hamilton, als 1787 um die Verfassung der Vereinigten Staaten gerungen wurde.
Die Menschheit plante, sich mit technologischen Fortschritten das Menschsein zu erleichtern. Maschinen waren Helferlein. Das aber änderte sich im Laufe der Jahrhunderte gewaltig. Lepore erzählt die Entstehung der künstlichen Intelligenz – ein Begriff, der 1956 vom Informatiker John McCarthy an der US-Universität Dartmouth geprägt wurde – anhand der Entwicklung des Staatswesens und seiner Beziehung zur Technologie. „Demokratien sind Geschöpfe der Technologien von Schreibfeder und Papier und Druckerpresse, Technologien, deren Veralten mit der Erfindung des Allzweckcomputers während des Zweiten Weltkriegs begann.“
Von der Philosophin Hannah Arendt borgt sich Lepore die philosophischen Leitplanken. In ihrer Schrift „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ aus dem Jahr 1958 argumentiert Arendt, dass die Ablösung der Selbstverwaltung durch eine Regierung von Maschinen bedeute, Demokratie durch Autoritarismus zu ersetzen.
Der liberale Nationalstaat erforderte noch die Zustimmung der Regierten. Eine abgegebene Stimme. Dagegen ist „der Künstliche Staat eine Regierung ohne Zustimmung“, glaubt Lepore: „Ja, sogar eine Regierung ohne Menschen.“
Die US-Regierungen, schreibt Lepore, ermöglichten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Aufstieg des Künstlichen Staates. Die digitale Revolution wäre anders verlaufen, wenn „die liberale Demokratie es nicht versäumt hätte, die Macht der Unternehmen über Politik und Regierung zu begrenzen“. Was aber macht den Künstlichen Staat aus? Lepore: „Der Künstliche Staat ist eine unfertige digitale Kommunikationsinfrastruktur, mit der Regierungen und vor allem Privatunternehmen das politische Verhalten und den öffentlichen Diskurs mit einer Vielzahl von Mitteln organisieren und automatisieren.“ Also etwa mit prädiktiven Algorithmen in den sozialen Medien.
Bei Elon Musk, Sam Altman oder auch Mark Zuckerberg wird Lepore mütterlich herablassend. Die Top-Tech-Bros Musk mit xAI, Altman mit OpenAI und Zuckerberg mit Meta haben Firmen entwickelt, die Milliarden wert sind. Sie wirft ihnen vor, im Geiste „Achtjährige“ geblieben zu sein. Dann beklagt sie, dass sie die klassischen Science-Fiction-Dystopien von Isaac Asimov nicht als Warnung verstanden hätten, sondern als Handlungsanleitung.
Der Exkurs in die Entwicklung von Asimovs Denken gehört zu den schönsten Kapiteln des Buches. Asimov wurde 1920 im bolschewistischen Russland geboren, seine Eltern emigrierten nach New York, wo er in den Anfängen der Science-Fiction-Begeisterung aufwuchs. Die Debatte drehte sich damals um das Ausloten der Beziehung von Technologie und Fortschritt. Asimov formulierte 1940 eine Art Verfassung für Roboter: „Erstes Gesetz: Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird. Zweites Gesetz: Ein Roboter muss den ihm von seinen Menschen gegebenen Befehlen gehorchen, es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren. Drittes Gesetz: Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.“
Es handelte sich bei dieser „Verfassung“ nicht um Gesetze, sondern um Programme. Um sicherzugehen, dass mit den neuen Weltherrschern in seiner Literatur nichts schiefging, fügte Asimov viel später noch ein Nulltes Gesetz hinzu. „Ein Roboter darf die Menschheit nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt.“ Das passt auf 2026 wie die Faust aufs Auge. Nur hat schon Asimovs Roboter das gleiche Problem wie Sam Altman mit OpenAI heute: „In der Theorie war das Nullte Gesetz die Antwort auf unsere Probleme“, lässt Asimov seinen Roboter sagen. Aber: „In der Praxis konnten wir uns nie entscheiden.“
1955 veröffentlichte Asimov mit „Franchise“ (auf Deutsch: „Wahltag im Jahre 2008“) eine Geschichte über einen Computer, den „Multivac“, der einen einzigen repräsentativen Bürger bestimmt, über den er das Wahlergebnis errechnet. Einige der KI-Bosse haben diesen Gedanken aufgenommen und weitergeführt. Und zwar als gute Idee. Lepore zitiert Sam Altman, der sich im Gespräch mit dem sehr erfolgreichen Podcaster Joe Rogan 2023 einen KI-Präsidenten wünscht: „Er kann mit jeder Person auf der Welt sprechen, ihre genauen Präferenzen auf einer sehr tiefen Ebene verstehen“. Das ermögliche ihm, „sich für die kollektiven Vorlieben der Menschheit oder der US-Bürger zu optimieren – das ist doch großartig“.
Eine reizende Utopie. Nicht für Asimov allerdings, der in einer späteren Erzählung auf die vom Computer Multivac regierte Welt zurückkommt. Ein Kongressabgeordneter und eine Heldin namens Noreen diskutieren. Er sagt: „Wir leben jetzt lang; wir leben jetzt sicher; wir leben jetzt glücklich.“ Noreen antwortet: „Wir leben jetzt wertlos.“
Am Ende fällt der Künstliche Staat nicht, obwohl Lepore dies im Titel eigentlich versprochen hat. Eine Schwäche des Buches, dass es wenig Ausblick darauf gibt, wie sich der Staat mit den Auswüchsen der künstlichen Intelligenz verändert. Und wie die KI eingehegt werden kann, damit sie die liberale Demokratie nicht bedroht. „Der Künstliche Staat kann demontiert werden“, schreibt Lepore. Andere sehr rigide Systeme zur Organisation menschlicher Gesellschaften ohne deren Zustimmung seien ja auch abgeschafft worden: „Das Göttliche Recht der Könige, der Feudalismus, die menschliche Knechtschaft, der Imperialismus, der Faschismus.“
Lepore selbst gründet ihre Hoffnung, den Künstlichen Staat noch demontieren zu können, darauf, „dass er nur dürftig konzipiert und schlecht aufgebaut wurde“. Polarisierung und andere Nebeneffekte der KI-Entwicklung passierten oft unabsichtlich: „Den Architekten des Künstlichen Staats war die Demokratie egal. Sie hatten weder ein Regierungskonzept oder ein Interesse an der Rechtsstaatlichkeit noch die Fähigkeit zur Selbstbeschränkung.“ Gerade aus diesem Grund aber könnte all das Zerstörerische auch wieder abgewickelt werden: „Durch Wähler, Wahlen, Gesetzgebung und gerichtliches Durchgreifen.“
Lepores Buch bietet mehr historische Fakten und Querverbindungen als viele andere derzeit erscheinende KI-Bücher. Um den Künstlichen Staat zu demontieren, muss man seine Anfänge verstehen, meint die Harvard-Professorin ganz zu Recht: „Mit diesem Buch habe ich versucht, eine Geschichte zu liefern.“
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