Dirty Rome

Die schmutzige Seite der Antike
352 Seiten, Hardcover
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Themen Geschichte und Archäologie Geschichte Europäische Geschichte Römer
ISBN 9783406850523
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 20.08.2026
Größe 21.7 x 13.9 cm
Verlag C.H.Beck
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HerstellerangabenAnzeigen
Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG
Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München
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Kurzbeschreibung des Verlags

Rom - die dreckige Wahrheit In diesem Buch beleuchtet der Bestseller-Autor Michael Sommer nicht nur die schmutzigen Seiten der römischen Elite, der Senatoren und Kaiserinnen. Er führt uns auch mitten hinein ins laute, dreckige und gefährliche Leben der einfachen Leute im Römischen Reich. Dieses Dirty Rome war ganz gewiss kein Betriebsunfall, sondern die dunkle Kehrseite von Roms Größe. Es lag nicht am Rand, sondern wirkte tief in seinem Inneren: in der Luft, die man atmete, im Brot, das man aß, in den Häusern, in denen man wohnte, in den Körpern, die krank wurden, und in den Gerüchten, die ganze Existenzen vernichteten. So tief wie in diesem Buch kann man nur selten in das antike Alltagsleben samt seinen Schattenseiten eintauchen Rom war sicherlich beides: eine glanzvolle Metropole, die mit vollem Recht das "Haupt der Welt" genannt wurde, und ein Müllhaufen, in dem es zum Himmel stank - übrigens nicht nur im Wortsinn. Denn jenseits von Kloaken und Dreckschleudern gab es im Römischen Reich noch ganz andere Dinge, die anrüchig waren: Wohnverhältnisse, medizinische Versorgung und Nahrungsangebot waren nach modernen Standards dürftig. Frauen, Sklaven und Menschen am Rande der Gesellschaft wurden wie der letzte Dreck behandelt. Und wer Macht hatte, missbrauchte sie. Korruption, Vetternwirtschaft und Wahlmanipulation grassierten, während eine höchst mangelhaft informierte Öffentlichkeit ständig von Gerüchten und Fake News durchwabert wurde. Michael Sommer, einer der besten Kenner des alten Rom, wirft in seinem neuesten Werk Licht auf die Schattenseiten der Antike, auf all den Schmutz, die Gefahren und die Diskriminierung. Er eröffnet spannende und unerwartete Einblicke in den oft beschwerlichen Alltag einer fremden Welt, jenseits der hohen Politik und des blendend weißen Marmors.

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ISBN 9783406850523
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FALTER-Rezension

Kaiser, Kriege, Koliken

Thomas Leitner in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 43)

Vom Anfang wissen wir nichts. Den Römern ging es genau so.“ Schon der erste Satz des Eingangskapitels über Aufstieg und Fall dieser Weltmacht zeigt die Formulierungslust des Historikers René Pfeilschifter (*1971), Professor an der Universität Würzburg – er widmete sich bisher vor allem der republikanischen Geschichte Roms und der orientalischen Spätantike. Auch methodisch lässt sich darin Wesentliches ablesen, nämlich sein kritischer Umgang mit Quellen. Als akribischer Wissenschaftler kann er antike Autoren, die über die auch für sie ferne Vergangenheit berichten, so gar nicht als verlässliche Zeugen anerkennen.

Abgesehen von fragmentarisch erhaltenen Aufzeichnungen über die Kriege gegen Karthago sind die frühesten Darstellungen der römischen Geschichte erst ab dem ersten vorchristlichen Jahrhundert abgefasst. Was da von Königen, etruskischer Fremdherrschaft und der Stadtgründung 753 geflunkert wird, birgt wohl kaum mehr Wahrheitsgehalt als die Sage von den wolfsgesäugten Zwillingen Romulus und Remus. Auch aus archäologischen Funden wie Inschriften lässt sich nur ein vages Bild von den Lebensumständen der Bewohner dieser Siedlung und ihrer Nachbarn ablesen.

Die Dynamik der Expansion aber, die von einem dörflich-agrarischen Zentrum ausgehend ganz Latium und bald weite Teile Italiens erfasste, zeugt von der Existenz rivalisierender Clans. Allmählich bildeten sich Institutionen heraus: der Senat als Organ der Clanchefs und, als Gegengewicht, die Volksversammlung mit ihren Volkstribunen. Ohne geschriebene Verfassung führte das zu einem stets schwankenden Gleichgewicht, in dem ein Minimum an Gemeinsinn ein radikales Ausleben der Rivalitäten bremste. Die so entstandene Republik war also fragil.

Der zentrale Teil von Pfeilschifters Buch widmet sich dem langsamen Untergang dieses Gebildes im ersten vorchristlichen Jahrhundert. Bisher hatten äußere Bedrohungen und in Eroberungskriegen angehäufte Reichtümer dabei geholfen, trotz der Übermacht der Eliten einen gewissen partizipativen Charakter des Staatswesens zu erhalten.

Das gerät um das Jahr 140 in eine Krise, die zu meistern sich alle politischen Akteure unfähig erwiesen. Eine Reformbewegung versuchte, breitere Bevölkerungsschichten ins politische Leben einzubeziehen, indem sie Ländereien neu vergab und die Volksversammlung stärkte. Die Eliten aber, jedem Fortschrittsgedanken abhold, klammerten sich an die Vorstellung eines idealen vergangenen „goldenen“ Zeitalters und reagierten mit gewalttätiger Repression.

Diese Krise als ausweglos zu betrachten, weigert sich der Autor: Er widerspricht der These des „autonomen Prozesses“ (so bezeichnet der prominente Althistoriker Christian Meier einen Vorgang, der sich losgelöst vom Willen der politischen Akteure verselbständigt). Freilich führte der Verfall der Republik zur Alleinherrschaft Caesars und zu einer Monarchie, die immer wieder den Charakter einer Militärdiktatur annahm – aber eben nicht notwendigerweise.

Hier tritt das innerste Anliegen des monumentalen Werks zutage, nämlich zu vermitteln: Es hätte auch anders kommen können. Das soll Hoffnung geben, dass auch in der Gegenwart scheinbar unaufhaltsamen Entwicklungen entgegengewirkt werden kann. Der Anspruch des Autors lautet: „Römische Geschichte muss in Bezug zur Welt von heute erzählt werden.“ Diesem wird er voll gerecht, indem er Gegenwartsbezug herstellt: Caesars Rivale Crassus definierte Reichtum mit der Fähigkeit, eine Legion zu unterhalten, also bis zu 10.000 Mann – Pfeilschifter rechnet vor, dass dies für Elon Musk ein Leichtes wäre.

Neben der Spätgeschichte der Republik stellt die Beschreibung der Herrschaft des byzantinischen Kaisers Justinian (ab 527 bis 565) einen Höhepunkt dar. Detail am Rande: Belisar, der Feldherr, der für Justinian Italien zurückerobern sollte, hielt sich dazu eine Privatarmee auf eigene Kosten. Der Band endet recht abrupt mit der islamischen Expansion im 8. Jahrhundert.

Gleichzeitig mit diesem anspruchsvollen staatstheoretischen Werk ist bei C.H. Beck ein weiterer Titel des Oldenburger Historikers Michael Sommer erschienen: „Dirty Rome“ blickt hinter die Fassade der glanzvollen Metropole. Der Verlag stilisiert Sommer ein wenig als „Mann fürs Grobe“, entsprechend der Untertitel „Die schmutzige Seite der Antike“.

Ganz so spektakulär „dirty“ geht es in Rom dann doch nicht zu. Sommer widmet sich realkundlichen und wirtschaftshistorischen Aspekten wie der Kanalisation, dem Wohnbau und der Landwirtschaft. Durchgehendes Element sind die extremen sozialen Unterschiede, wie sie sich in den „insulae“ spiegeln, den mehrstöckigen Zinshäusern in Rom: Ganz oben, ohne Wasser, Licht und Komfort, wohnen die Armen (auf dem Abtritt allerdings hockt gleichberechtigt Reich neben Arm).

Sommer beackert ein weites Feld: Von der Entsorgung der Leichen Krimineller im Fluss bis zu den Ingenieurleistungen, die die Wasserleitungen hervorbrachten, von den Koliken des Workaholics Marc Aurel und den problematischen Behandlungsmethoden seines Arztes Galen bis zu dessen Empfehlung, für eine hygienische Umgebung für Neugeborene zu sorgen; von der Mär von Christen als menschliche Fackeln bei Nero bis zum grausigen Ende der Philosophin Hypatia durch einen christlichen Lynchmob.

Logisch nachvollziehbar sind Sommers Verknüpfungen: Weil Seuchen in der Provinz Ägypten die Bevölkerung dezimieren, wird die künstliche Bewässerung vernachlässigt, was zum Rückgang der Anbaufläche führt. Resultat: eine Versorgungskrise in Rom. – Lebendig und süffig erzählt, erscheinen Sommers Formulierungen oft doch etwas flapsig.

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