Unwahrscheinliche Freundschaften

Sechs Geschichten gegen den Hass
173 Seiten, Taschenbuch
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Reihe Beck Paperback
Themen Geschichte und Archäologie Geschichte Besondere Ereignisse und Themen Mündlich überlieferte Geschichte
ISBN 9783406850868
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 20.08.2026
Größe 20.5 x 12.5 cm
Verlag C.H.Beck
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Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG
Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München
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Kurzbeschreibung des Verlags

Gegen den Hass: Sechs bewegende Geschichten über unerwartete FreundschaftenUnzählige Beziehungen zerbrechen, weil Freunde unvermittelt und unerwartet verfeindeten Lagern angehören. In der Ukraine berichten etwa siebzig Prozent der Bevölkerung von dieser Erfahrung. Oft können traumatische Verluste von geliebten Menschen den Hass verstärken. Isabel Schayani zeigt an sechs lebendig erzählten Beispielen, wie sich trotzdem die Gräben überwinden lassen. Ihre wahren Geschichten gegen den Hass machen Mut in einer Welt, in der das Freund-Feind-Denken auch bei uns rasant an Boden gewinnt. Ein Palästinenser verliert seine Frau durch den Mordanschlag eines radikalen Siedlers. Kurz darauf lernt er eine Israelin kennen. Doch am 7. Oktober 2023 bricht über sie ein Schicksal herein, dass dem des Freundes ähnlicher ist, als sie jemals hätte ahnen können. Die Ukrainerin Anna flieht aus dem russisch besetzten Donbas. Der Austausch mit ihrer Mutter Lilja, die bleibt, gilt plötzlich als Feindkontakt. In den USA halten sechs Freunde eng zusammen, obwohl sie gegensätzlichen politischen Lagern angehören. Diese und andere Geschichten zeigen, dass sich kaum jemand der Feindschaft zwischen Staaten, Völkern, Religionen oder politischen Lagern entziehen kann, erst recht nicht, wenn persönliche Verluste ins Spiel kommen. Isabel Schayanis zu Herzen gehende Geschichten machen Mut, mit Großherzigkeit und Demut, Realismus und gemeinsamen Visionen, mit Liebe und Humor auch unwahrscheinliche Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen.

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Themen Geschichte und Archäologie Geschichte Besondere Ereignisse und Themen Mündlich überlieferte Geschichte
ISBN 9783406850868
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FALTER-Rezension

Frontlinien durchs Herz

Donja Noormofidi in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 36)

Für den älteren Herrn mit Kappe ist Isabel Schayani ein Teil der „Lügenpresse“. Und sie trägt in seinen Augen zumindest Mitschuld daran, dass so viele Ausländer im Land seien. Das erste Mal treffen sich Schayani und der ältere Herr im Sommer 2018 bei einer ausländerfeindlichen Demo in Chemnitz. Schayani berichtet als WDR-Journalistin von dem teils gewalttätigen Protest, der Herr, AfD-Wähler, ist unter den Demonstrierenden. Schayani interviewt ihn in der aufgeheizten Stimmung, er provoziert mit ausländer- und islamfeindlichen Parolen, greift Schayani persönlich an.

Kann man mit einem solchen Menschen, mit jemandem, der einen als Gegner sieht, eine freundschaftliche Beziehung aufbauen? In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Unwahrscheinliche Freundschaften. Sechs Geschichten gegen den Hass“ beleuchtet die Journalistin und Autorin Isabel Schayani sechs solcher Beziehungen, etwa zwischen einem Palästinenser und einer Israelin, einem Trump-Anhänger und seinen demokratischen Freunden oder zwischen einer Iranerin, die vor den Mullahs geflohen ist, und ihrer deutschen Sprachlehrerin, die freiwillig Kopftuch trägt und der sie zunächst mit Argwohn begegnet. Und sie stellt die Frage: „Können Feinde Freunde werden?“

Die Autorin erprobt es im ersten Kapitel an sich selbst. Schayani bleibt mit Herrn Radler, wie sie den älteren Herrn in ihrem Buch nennt, in Kontakt. Für sie ist er zunächst vor allem ein nützlicher Kontakt in die „AfD-Bubble“. Doch mit der Zeit baut er einen menschlichen Draht zu ihr auf. Sie erfährt, dass er in seinem Betrieb den jungen Afghanen Masih beschäftigt, den er „Mausi“ nennt und regelmäßig mit zum Fußball nimmt. Und Herr Radler hat Humor. Als Schayani die Frage, ob sie religiös sei, mit Ja beantwortet, meint Herr Radler: „Dachte ich mir, deshalb sind Sie so naiv und weltfremd!“ „Ihnen würde etwas Glaube vielleicht auch nicht schaden“, entgegnet die Autorin und beide lachen. Als sie ihn besucht, umarmt er die Vertreterin der „Lügenpresse“ und ruft vergnügt: „Herrlich, mit Ihnen habe ich immer was zu reden.“

Freilich gelingt es Schayani nicht, Radler aus seiner AfD-Bubble zu befreien, viele seiner Aussagen stoßen sie ab und sie fragt sich dabei, ob die Welt besser wird, wenn man miteinander spricht. „Oder sorgt man so dafür, dass sich Toleranzgrenzen verschieben, Unsagbares sagbar wird und Gefahren verharmlost werden?“

Unwahrscheinlich ist auch die Freundschaft zwischen dem Palästinenser Yaakob und der Israelin Elana. Yaakobs Frau wird bei einem Anschlag israelischer Siedler getötet. Dennoch öffnet er wenig später der Israelin Elana und ihrer Organisation „Tag Meir“ seine Türen. Gemeinsam pflanzen sie einen Olivenbaum in Gedenken an seine ermordete Frau. Jahre später, am 7. Oktober 2023, wird Elanas Sohn Yannai beim Überfall der Hamas auf Israel getötet. Trotz Krieg und Terror bleiben Yaakob und Elana miteinander verbunden, gemeinsame Werte wie Frieden und Mitgefühl einen sie. So sagt Elana, wenn sie zu israelischen Soldaten spricht: „Es ist eben nicht so, dass, wenn ich wegen der Menschen in Gaza weine, ich nicht mehr die Geiseln und Yannai betrauern kann. […] Es ist kein Entweder-oder.“

Die „Frontlinien durchs Herz“, wie es Schayani nennt, sind schwierig zu überwinden, manchmal sind die Gräben zu tief. Schwierig ist es auch im Fall der Ukrainerin Anna, die aus Luhansk in die Westukraine floh, während die Eltern auf der russisch besetzten Seite blieben. Aufgrund des Krieges und unterschiedlicher Ansichten dazu sind ihre Gespräche inzwischen seicht geworden.

Schayani liefert keine abschließende Antwort auf die Frage, wie Freundschaft über Fronten hinweg funktionieren kann. Doch die Geschichten zeigen, dass Humor, geteilte Werte und Mitgefühl gute Zutaten sind. Und das Buch gibt Hoffnung in einer Zeit, in der Menschen unterschiedlicher Gesinnung einander immer unversöhnlicher gegenüberstehen.

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