Ich bau mir 'ne Welt, die Männern nicht gefällt

Eine Frau. Eine Baustelle. Ein brennendes Patriarchat. | Wie Frauen Rollenbilder sprengen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen
208 Seiten, Taschenbuch
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Themen Lifestyle, Hobbys und Freizeit Humor
ISBN 9783423264693
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 08.10.2026
Größe 21 x 13.6 cm
Verlag dtv Verlagsgesellschaft
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dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Tumblingerstraße 21 | DE-80337 München
produktsicherheit@dtv.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Eine junge Frau saniert ihr Haus – und alle Männer flippen aus

Kurz nach dem Kauf ihres sanierungsbedürftigen Hauses klemmt Cindy ihr komplett verdrecktes Handy zwischen Red-Bull-Dose und Baustellenchaos, drückt auf »Aufnehmen« und fängt an zu reden. Heute schauen ihr dabei über eine Million Menschen zu.

Womit sie damals nicht gerechnet hat? Kaum greift eine Frau selbst zur Bohrmaschine, scheinen erstaunlich viele Männer Schnappatmung zu bekommen. Seitdem prasseln täglich herablassende Kritik, Hass und eine ganz besondere Sorte Männlichkeit, die sich akut bedroht fühlt, auf Cindy ein. Mit trockenem Humor und klarer Kante erzählt Cindy, wie Frauen klein gemacht werden, sobald sie sich Raum nehmen: auf der Baustelle, am Familientisch, im ganz normalen Mutter-Alltag. Und warum »einfach machen« manchmal das Radikalste ist, was du tun kannst.

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ISBN 9783423264693
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FALTER-Rezension

Weil Cindy baut, wird Günni laut

Gerlinde Pölsler in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 38)

Da sitzt sie, wie man sie kennt: Pippi-roter Haarknödel, grüne, fleckige Latzhose, das T-Shirt mit der Aufschrift „Bauleitung“ lugt hervor. In der ZDF-Talkshow deep und deutlich erzählt die 31-Jährige, wie ein Handwerker ihr auf ihrer eigenen Baustelle sagte, sie solle zur Seite gehen, weil: „Aufgrund meines Körpervolumens kann er sein Werkzeug nicht mehr sehen.“ Heute, setzt sie nach, „erlauben die sich das nicht mehr. Die haben alle Angst vor mir.“

Klar haben sie das. Cindy-Adriana Speich aus Niederschmalkalden in Thüringen zählt auf Instagram 1,1 Millionen Follower. Und jetzt kommt auch noch ihr erstes Buch raus.

2022 kaufen sie und ihr Mann Kevin eine hoffnungslos erscheinende Abrissbude und wollen sie selbst renovieren. Nicht, dass sie das gelernt hätten: Cindy ist Friseurin, Kevin hat einen Bürojob. Außerdem hat das Paar damals zwei Kleinkinder. Doch Speich ist „Blutgruppe Pinterest“, wie sie sagt: Sie schaut in eine Rumpelkammer und schon sieht sie das fancy Schlafzimmer in spe vor sich. Also zieht sie sich Youtube-Videos rein. Krallt sich Meißel und Bohrmaschine und fängt einfach an. Und irgendwann hält sie ihr verdrecktes Handy ins Baustellenchaos und erklärt, was sie da tut.

Womit sie nicht gerechnet hat: Ihre Selbst-ist-die-Frau-Attitüde reizt die Fritzens, Torstens und Günters da draußen bis aufs Blut. Eine Frau auf einem Bagger! „Günther findet das doof“, schreibt Speich. „Und er ist sich ehrlich gesagt nicht sicher, ob das wirklich noch sein Deutschland ist.“

Cindy baut zum Beispiel einen Zaun, dreißig Meter lang. Er wird urfancy, stolz schneidet sie ein Video dazu und postet es.

„Hast du nie im Leben selbst gebaut. Verarsch wen anders.“ Schreibt ein Marko.

Cindy baut sich günstige Fensterläden. Ein Fritz kommentiert: „Komm Püppi, zurück an den Herd, das ist besser für uns.“

Cindy baut einen Tisch. „Ein massiver Esstisch für dein massives Frühstück??“, schreibt einer.

Und dann gibt es die, die sie sexuell belästigen. Wie viel sie für einen gebrauchten Schlüpfer nehme, will einer wissen. Andere fordern Nacktbilder. Eine Zeitlang versucht sie, all das zu ignorieren. Doch irgendwann schießt die Wut hoch. Dass eine Frau etwas baut, „reicht schon, um einige Markos ins Wanken zu bringen“. Pech, denn nun würde sie diese „zu Fall bringen“.

Neben den Videos nach dem Motto „Heute baue ich … ganz ohne meinen Mann“ beginnt sie eine neue Machart. Schreibt etwa ein Hartmut: „Geh mal in die Küche und mach dem Boss was zu essen. Du wertloses Weib“, blendet sie den Kommentar ein. Während sie Beton rührt und betont doof in die Kamera schaut, sagt eine KI-Stimme: „Das ist Hartmut. Hartmut ist traurig, weil ...“ Eh klar, dass Hartmut am Ende maximal doof dasteht, während Speich breit grinst. Sie nennt das „die Poesie aus meiner Kommentarspalte recyceln“.

In ihrem Buch erzählt sie auch von anderen Zumutungen eines Frauenlebens. Wie sie mit 19 eine Abtreibung hatte und der einzige Beitrag ihres Partners im Lamento bestand, es dürfe nur ja keiner was erfahren. Wie ihr engster Jugendfreund seine Freundin misshandelte und Speich sich im Nachhinein fragt, ob sie es nicht hatte sehen wollen. Und sie berichtet von den Rechten in ihrer Heimat, von jungen Männern, die Bollerwagen voller Alkohol durch die Straßen ziehen und das Dorf mit Rechtsrock beschallen. Ihr Buch klingt ehrlich – sie gibt zu, auch selbst immer wieder in alte Muster zu kippen. Bloß ein paar zornbedingte Kraftausdrücke hätte sie weglassen können: Der scharfe Sarkasmus ist stark genug.

Inzwischen ernährt Speichs Instagram-Account – oder auch: der Hass der Männer – ihre gesamte Familie. Auch ihr Mann ist eingestiegen. Sie macht Werbung für die Heimwerkerkette Hornbach, ihr Verlag dtv plant 16 Veranstaltungen mit ihr. Auf Insta hat Speich ihr Buch so angekündigt: „Heute schreib ich als Männerhasserin Geschichte ganz ohne meinen Mann.“

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