Shantaram

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Kurzbeschreibung des Verlags:


Eine ebenso tollkühne wie bewegende Reise ohne Rückfahrkarte in das Indien abseits der touristischen Routen

Als der Australier Lindsay in Bombay strandet, hat er zwei Jahre Gefängnis hinter sich und ist auf der Flucht vor Interpol. Zu seinem großen Glück begegnet er dem jungen Inder Prabaker, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Auf ihren Streifzügen durch die exotische Metropole schließen die beiden eine innige Freundschaft, und Lindsay lernt nicht nur die Landessprache, sondern auch, mit sich ins Reine zu kommen: Er wird zu „Shantaram“, einem „Mann des Friedens“, und kämpft für die Ärmsten der Armen. Doch dann verfällt Lindsay einer Deutsch-Amerikanerin mit dubiosen Kontakten zur Unterwelt …
Ausstattung: Mit Vignetten von Oliver Weiss

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FALTER-Rezension

Aussteigerlektüre: Anschauungsmaterial für künftige Dropouts

„Walden oder Leben in den Wäldern“ des US-amerikanischen Schriftstellers und Philosophen Henry David Thoreau aus dem Jahr 1854 gilt bis heute als die Aussteigerbibel. Um zurück zur Natur, zum einfachen Leben und zu sich selbst zu finden, machte Thoreau einen Selbstversuch und lebte zwei Jahre lang in einer selbstgebauten Blockhütte am Walden-See. In Tagebucheinträgen beschreibt er seinen Rückzug in die Wälder, das Leben in der Natur und seine Gedanken über Ökonomie und Einsamkeit.
Der 1957 erschienene, autobiografisch angehauchte Roman „On the Road“ von Jack Kerouac wurde schnell zum Manifest der Beatnik-Generation. Kerouacs Helden sind keineswegs verblasene Naturliebhaber, die davon träumen, als kontemplative Einsiedler im Wald zu leben. Sie trampen rastlos und voll auf „Sex, Drugs & Jazz“ durch die USA und Mexiko, ständig auf der Flucht vor dem amerikanischen Spießbürgertum der 1950er-Jahre. Fast 60 Jahre später ist „On the Road“ zwar längst, auf einen leichtverdaulichen Roadmovie reduziert, verfilmt (2012), aber das Buch ist immer noch so etwas wie die Pflichtlektüre junger Traveler.
„Easy Rider“ aus dem Jahr 1969 ist hingegen so etwas wie filmgewordene Gegenkultur: ­Dennis Hopper und Peter Fonda tuckern kiffend auf ihren Harley-Davidsons durch die Staaten, kehren in einer Hippie-Kommune ein, lesen den jungen Anwalt Jack Nicholson in einem Gefängnis auf und werfen, nach dessen Ermordung, ordentlich LSD ein. Am Ende holt sie aber dann doch die amerikanischen Realität der späten 60er in Form von gewaltbereiten Rednecks ein.
In „Into the Wild“, das der US-Autor und Bergsteiger Jon Krakauer 1996 veröffentlichte, erzählt er das Leben des Aussteigers Christopher McCandless nach, der auf die Zukunftsvorstellungen seiner Eltern pfeifend Anfang der 1990er sein wohlhabendes Elternhaus verlässt und fortan als Alexander Supertramp durch die USA reist. Am Ende seiner mehrjährigen Abenteuer-Tour bricht ­McCandless nach Alaska auf, mit dem Ziel, in unberührter Natur möglichst zivilisationsfrei zu überleben. Der Plan geht nicht auf: Nach 113 Tagen alleine in der Wildnis stirbt er, wahrscheinlich an Unterernährung. 2007 verfilmte Sean Penn die Geschichte, seither sprechen Alaskas Park-Ranger vom „McCandless-Phänomen“: Alljährlich zieht es junge Leute an den Stampede Trail, wo der Supertramp zuletzt in einem ausrangierten VW-Bus gelebt hatte. Der „Magic Bus“ ist inzwischen längst auf interaktiven Karten verortet, und mittels Geo-Tracking einfach zu finden; es werden sogar organisierte Touren zur Aussteigerreliquie angeboten. Trotzdem kommt es immer wieder zu Unfällen. Erst vor drei Jahren ertrank eine junge Aussteigerin, als sie, unterwegs zum „Magic Bus“, zusammen mit ihrem Weggefährten den Teklanika River überqueren wollte.
Wer Ende der 90er-Jahre Thailand bereiste, traf dort kaum einen Backpacker, der keine Ausgabe von Alex Garlands
„The ­Beach“ mit sich herumschleppte. Spätestens nachdem „The Beach“ 2000 mit Leonardo DiCaprio verfilmt wurde, galt die Story als ultimativer Soundtrack eines jeden Thailand-Tour. Der Roman aus dem Jahr 1996 erzählt die Geschichte eines jungen amerikanischen Studenten, der sich gemeinsam mit einem französischen Pärchen zu einem sagenumwobenen, geheimen Strand aufmacht, wo eine Handvoll westlicher Aussteiger in einer kleinen Kommune leben. Anfangs ist alles paradiesisch, bis sich die Reise zur Aussteiger-Idylle als Horrortrip erweist. Auch im alternativen Paralleluniversum ist halt nicht immer alles nur Love und Peace.
Was „The Beach“ für Thailand war, ist „Shantaram“ seit seiner Erscheinung 2003 für Indien – nur mit weniger Traumstrandkulisse und mehr Slumdog-Attitüde: In dem teilweise autobiografischen Dropout-Roman des Australiers Gregory Roberts geht es um einen ehemals heroinabhängigen Bankräuber, der nach einem Gefängnisausbruch nach Indien flieht, wo er sich erst als Dealer für andere Aussteiger durchschlägt, später in einem Slum von Mumbai lebt und dort zum Behelfsarzt wird und schließlich Karriere in der lokalen Mafia macht. Angeblich soll 2017 die Verfilmung in die Kinos kommen, spätestens dann träumt jeder junge Rucksack-Touri, der durch ­Indien zieht, davon, auch ein bisschen Shan­taram zu spielen.

Birgit Wittstock in Falter 35/2015 vom 28.08.2015 (S. 43)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783442473083
Erscheinungsdatum 12.04.2010
Umfang 1088 Seiten
Genre Belletristik/Erzählende Literatur
Format Taschenbuch
Verlag Goldmann
Übersetzung Sibylle Schmidt
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