Theodoros

Roman
672 Seiten, Taschenbuch
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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783442775965
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 13.05.2026
Größe 20.7 x 13.5 cm
Verlag btb
Übersetzung Ernest Wichner
Sammlung Romane für viele Lesestunden
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HerstellerangabenAnzeigen
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Neumarkter Straße 28 | DE-81673 München
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Kurzbeschreibung des Verlags

»Lesen Sie dieses Meisterwerk. Sie werden das Gefühl haben, die Wahrheit der Welt mit dem Finger zu berühren.« Le Monde Der Kaiser der Kaiser Afrikas, die englische Königin Victoria, Tudor, ein wissbegieriges Kind, die Königin von Saba: In 33 Kapiteln verschränkt Cărtărescu Historisches, Phantastisches, Philosophisches mit schrecklich-schönen Abenteuergeschichten zu nichts weniger als einem Weltganzen, das bis in unsere Zeiten, bis zum Jüngsten Gericht reicht. „Den Pistolenlauf noch im Mund, das Hirn verstreut auf dem roten Tisch.“ Ehe die britische Kolonialarmee die Bergfestung Magdala in Schutt und Asche legt und ihn als Geisel nimmt, setzt der äthiopische Kaiser am Ostersonntag des Jahres 1868 seinem Leben ein Ende. Nicht als gekrönter Despot, nicht als plündernder Seeräuber, sondern als Bojarendiener aus der Walachei, heißt es in Mircea Cărtărescus neuem epochalen Roman.

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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783442775965
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Erscheinungsdatum 13.05.2026
Größe 20.7 x 13.5 cm
Verlag btb
Übersetzung Ernest Wichner
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FALTER-Rezension

Der Bukarester Berserker

Eva Konzett in FALTER 24/2026 vom 10.06.2026 (S. 33)

Es ist der rumänischen Volksarmee zu danken für dieses Werk des Mircea Cărtărescu. Hätte sie den Mann mit 19 Jahren nicht eingezogen, dann wäre er vielleicht verrückt geworden über dem Lesen. Dann hätte die Literatur ihn verschluckt, bevor er selbst Schriftsteller werden konnte.
Acht Stunden las der adoleszente Mircea am Tag. Die Eltern verzweifelten daran. Spielen, raufen, sich mit den anderen Burschen des Blocks messen? Mircea ging nicht vor die Tür.

Der Vater hatte ihn im Volksschulalter zu den Büchern gebracht. Nicht den klassischen Kanon legte er ihm vor, sondern proletarische Literatur. Bücher, die den Arbeitern der Verkehrsbetriebe in Bukarest am Ende eines jeden Monats bei der Lohnausgabe im Bücherschrank angeboten wurden. Cărtărescu junior sammelte diese, "wie die Mädchen es mit Puppen tun".

In der rumänischen Hauptstadt kam Cărtărescu am 1. Juni 1956 zur Welt. In der Armee habe man ihn zurechtgerückt, einen "rationalen Menschen" aus ihm gemacht, erzählt er.

Er frisst die Bücher jetzt nicht mehr nur. Er schreibt selbst.

Er wird ein "Großmeister des psychedelischen Surrealismus" werden, so charakterisiert ihn der Germanist Christoph Bartmann 2024 im Falter. Vielleicht wollte Cărtărescu einfach nur überleben und sich mit seinen geheimnisvollen Welten eine innere Freiheit ermöglichen, in einer Umgebung, in der "selbst kleine Kinder verrohten". Das Rumänien, in dem Cărtărescu Kind war, ist ein stalinistisch geprägtes. Der Staatschef Gheorghe Gheorghiu-Dej lässt das Land zwangskollektivieren, die alte Elite verhungert hinter Gefängnismauern, seine Schergen quälen Dissidenten im berüchtigten Pitești-Gefängnis. Dass man Gheorghiu-Dej in unseren Breitengraden vergessen hat, liegt nur daran, dass sein Nachfolger Nicolae Ceaușescu noch absurder wütete.

In den 1980er-Jahren ist Rumänien endgültig depressiv geworden. Cărtărescu, inspiriert von den amerikanischen Beatniks und den Beatles, ist damals Teil der sogenannten "Generația optzecistă". Diese postmoderne literarische Gruppe der 1980er-Jahre testet die letzten Freiräume, stellt sich gegen das System. Und glaubt doch nicht daran, eine Zukunft zu haben. Selbst als in Berlin die Mauer fällt, glaubt kaum ein Rumäne an ein Ende des eigenen Regimes.

Es sind diese Jahre, aus denen sich das Werk Cărtărescus speist. Einen "Proust des Plattenbaus" hat ihn der Spiegel genannt. Nach der Wende machen ihn seine Monumentalwerke wie die "Orbitor-Trilogie" bekannt. Im Wiener Odeon-Theater lernt Cărtărescu Anfang der 2000erJahre den Verleger Herbert Ohrlinger kennen -und bleibt seitdem dessen Zsolnay Verlag treu. Es regnet Preise, darunter den Thomas-Mann-Preis und den Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur. 2009 erscheint sein 900 Seiten schwerer Roman über die Fantasiemaschine "Solenoid", dann mit "Theodoros" ein historischer Abenteuerroman.

Am greifbarsten aber ist Cărtărescu in seinen Erzählungen. Fast zärtlich.

Nur eine sei hier genannt: der "Roulettespieler" aus dem Band "Nostalgia". 1989 erschien er erstmals noch unter den Strichen der rumänischen Zensoren und ohne den "Roulettespieler", den hatten sie rausgemacht. Vielleicht einfach deshalb, weil der Protagonist zu viel Eigensinn bewies.

Die Roulettespieler in einem Bukarest unbekannter Epoche haben nur eine Aufgabe: dem Tod zu entrinnen. In Kaschemmen der Bukarester Unterwelt treffen sich Adrenalinjunkies, um dem grausigen Schauspiel des russischen Roulettes beizuwohnen: Dafür bringen die Patrone versoffene Taugenichtse mit viel Geld dazu, sich auf ein Podest zu stellen -"wie bei einer Preisverleihung" - und gegen das eigene Leben zu wetten. In die Trommel eines Revolvers wird nur eine Kugel gegeben, der Taugenichts zieht den Abzug. In fünf von sechs Fällen überlebt er: ein Todesglücksspiel.

Der Roulettespieler des Mircea Cărtărescu aber gibt sich damit nicht lange zufrieden. Er erhöht den Einsatz, füllt die Trommel erst mit zwei, dann mit drei, dann mit vier und schließlich mit fünf Kugeln. Nie löst sich ein Schuss.

Längst hat der Roulettespieler mit seinem Berserkertum das Geschäft der anderen zerstört. Den Zuschauern ist eine Überlebenschance von fünf zu eins zu langweilig geworden. Da verkündet der Roulettespieler das Maximum: Er werde gegen sechs Kugeln spielen. Nicht mehr den Zufall will er überlisten, sondern das Leben. Es wird ihm gelingen. Auch Cărtărescu hat das Schicksal herausgefordert. Ist nicht aus Rumänien weggegangen. Hat riskiert, in der Nische zu bleiben. Und ist ein Weltstar geworden, der der zeitgenössischen rumänischen Literatur im internationalen Literaturbetrieb mittlerweile einen Fixplatz sichert. Wie der Roulettespieler hat er sich seine eigenen Regeln gemacht.

Nachdem der Roulettespieler die sechs Kugeln in die Trommeln gesteckt hatte, habe niemand mehr russisches Roulette gespielt, schreibt ein unbekannter Erzähler in der Novelle. Der Höhepunkt markiert gleichsam das Ende. "Wir haben es vergessen, so wie wir die Dinge normalerweise vergessen, wenn wir sie zur Perfektion gebracht haben."

Dies möge für Cărtărescu nicht gelten. Für ihn nicht und schon gar nicht für sein Werk.

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