Die seltensten Bienen der Welt.

Ein Reisebericht
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Wenn wir Bienen und Hummeln retten wollen, müssen wir uns auf die Suche nach ihren seltensten Arten begeben. Um zu verstehen, warum sie verschwinden, aber auch, um diese faszinierenden Geschöpfe in Erinnerung zu behalten. Der Biologe Dave Goulson hat sich an ihre pollenbestäubten Fersen geheftet. Egal, ob er den Kampf der Goldenen Patagonischen Hummel gegen invasive Arten beschreibt oder auf den Äußeren Hebriden die letzten Deichhummeln Großbritanniens aufspürt: Immer ist seine Leidenschaft für die Wildbestäuber ansteckend. Und seine Tipps, wie wir in unserer unmittelbaren Umwelt Bienen vor dem Sterben bewahren, machen unbändige Lust darauf, den heimischen Balkon mit Beinwell zu bepflanzen.

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FALTER-Rezension

Die Dienstleistungen der Dunklen Erdhummel

Natur: Dave Goulson erzählt mitreißend von seinen Hummelforschungen in Glashäusern und auf der ganzen Welt

Hummeln sind die Shootingstars unter den Insekten. Sie sind nicht so aggressiv wie Wespen, sie stechen uns nur bei nachdrücklicher Aufforderung und als Blütenbestäuber sind sie effektiver als die Honigbienen. Nicht zuletzt deswegen wurde die Dunkle Erdhummel, eine der häufigsten Hummelarten Europas, in einer Onlineabstimmung zum Lieblingsinsekt der Briten gewählt.
Jetzt könnte man einwenden, dass Engländer immer schon einen gewissen Hang zur Exzentrik hatten, aber das wohlwollende Interesse an diesen pelzigen Insekten basiert auch auf sehr wirtschaftlichen Hintergründen. Die zwei beliebten Gemüsesorten Tomate und Paprika sind sogenannte Vibrationsbestäuber. Bis Mitte der 1980er-Jahre war ihr Anbau im Glashaus sehr arbeitsintensiv, und jede einzelne Blüte musste händisch mit elektrischen Bestäubungsgeräten befruchtet werden.
Pro Hektar fielen dafür Kosten für die Arbeiter von circa 10.000 Euro an. Dann aber gelang es einem belgischen Tierarzt und Hobbyentomologen, Dunkle Erdhummeln zu züchten und als Bestäuber in einem Glashaus einzusetzen. Die Nachfrage an künstlich aufgezogenen Hummelköniginnen war enorm, und bereits um die Jahrtausendwende war diese Bestäubungsmethode weltweiter Standard. Hummelzuchtfirmen versenden jährlich mehr als eine Million Hummelnester.
Klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Doch zum Glück gibt es Experten wie den Biologen Dave Goulson, der mit großem Überblick auf die Welt im Kleinen schaut.

In seinem neuen Buch führt Goulson die Leser wieder kompetent und auf spannende Weise durch die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die belebte Umwelt. Auch das so hässliche wie unter Buchhaltern beliebte Wortmonster „Ökosystemdienstleistungen“ zerlegt er mit feiner Klinge. Darunter versteht man die monetäre Bewertung dessen, was die Natur für uns leistet. Gängiges Beispiel sind dabei Bienen, deren Bestäubungsarbeit mit 215 Milliarden Dollar geschätzt wird. Wie wäre dann die „Dienstleistung“ von Fliegen, die Exkremente abbauen, zu bemessen? Goulson ist ein Naturwissenschaftler, der keiner gefühllosen und mechanischen Vermessung der Welt anhängt, sondern uns anhand seiner Studien und Erfahrungen zeigt, wie hohl unsere selbstbezogenen Handlungsweisen sind.
„Warum“, fragt er, „sollte Natur nur dann ihren Wert haben, wenn sie etwas für uns tut?“ Wirtschaftlich sind zum Beispiel Deichhummeln völlig wertlos, weil sie nur eine Handvoll Gemüsegärten auf den Uist-Inseln zum Ertrag verhelfen. In Anlehnung an ein Zitat von John F. Kennedy schreibt er: „Wir sollten nicht danach fragen, was die Natur für uns tut, sondern was wir für sie tun können.“
Doch dazu muss man die besagte Natur erst einmal kennen. Und das ist die große Stärke Goulsons, dass er als Wald- und Wiesenbiologe im besten Sinn mitreißende Geschichten über seine hummeligen Freunde erzählen kann. Aus manchen seiner Erzählungen blitzt ein Tom Sawyer hervor, der durch die Gegend streift und mit seiner Naturforschung – falls man Streiche mit brennendem Taubenkot so bezeichnen darf – die Polizei und Nachbarn auf Trab hält.

Seine jugendliche Entdeckungslust und Neugier hat Goulson sich bis heute bewahrt. Und so ist es eine wirkliche Lesefreude, ihn auf seinen Forschungsreisen nach Patagonien, Ecuador oder zu den Regenwäldern im Mündungstrichter der Themse zu folgen, wo er seltenen Hummelarten nachjagt.
Seine Storys sind nicht mit zoologischen Details überfrachtet, sondern drehen sich oft um die traditionellen Bewirtschaftungsformen, die eine spezielle Kulturlandschaft und ihr Artenspektrum geprägt haben. Wenn diese modernen agroindustriellen Methoden Platz machen müssen, dann zeitigt das oft dramatische Folgen für diese funktionierenden ökologischen Netzwerke.
Aber dies ist kein öko-apokalyptisches Buch. Ganz im Gegenteil, Goulsons Begeisterung für eine Tierwelt, die manche immer noch als lästiges Ungeziefer wahrnehmen, ist ansteckend. In der Einleitung zitiert er dazu den Ameisenforscher E. O. Wilson, der meinte, alle Kinder hätten einmal eine Käferphase, wo sie von den krabbelnden Lebewesen fasziniert sind. Dave Goulson hat seine nie verloren. Eine starke Lesedroge.

Peter Iwaniewicz in Falter 11/2017 vom 17.03.2017 (S. 34)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783446255036
Erscheinungsdatum 13.03.2017
Umfang 304 Seiten
Genre Sachbücher/Natur, Technik/Naturwissenschaft
Format Hardcover
Verlag Hanser, Carl
Übersetzung Elsbeth Ranke
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