Wildlife Gardening
Die Kunst, im eigenen Garten die Welt zu retten

von Dave Goulson

€ 24,70
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Illustrationen: Nils Hoff
Übersetzung: Elsbeth Ranke
Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Ratgeber/Natur/Garten
Umfang: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 11.03.2019


Rezension aus FALTER 12/2019

Der wilde Garten braucht Vielfalt und Reduktion

Biologie: Dave Goulson propagiert Wildlife Gardening als Genuss und Weltrettungstool für jeden, sogar in der Blumenkiste

Wildlife Gardening ist in vieler Hinsicht das Gegenteil des traditionellen Gärtnerns. Dabei versucht man Vögel, Insekten, Reptilien und andere Tiere nicht fernzuhalten, sondern in seinen Garten einzuladen, indem man ihnen attraktive Futter- und Nistmöglichkeiten bietet. Einer der ersten dieser Naturgärten entstand 1925 in den Niederlanden, wo man ohne Anspruch auf Naturbeherrschung natürliche regionale Lebensräume zum Thema des Gartens machte und sich über die dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten und ihre Veränderungen im Lauf der Jahre freute.

Dave Goulson, ein britischer Biologe und Autor von Büchern über das unbekannte Leben der Insekten, legt den Fokus hier weniger auf die Biologie dieser kleinen Geschöpfe als vielmehr auf deren Lebensräume und wie wir sie gestalten können. Dies gelingt ihm wieder ohne erhobenen Zeigefinger, und er schafft es dank seines ange-nehmen Schreibstils, den Leser schon vom Vorwort an in diese faszinierende Welt vor unserer Nase hineinzuziehen.

„Wo immer Sie jetzt gerade sind, hausen höchstwahrscheinlich Würmer, Asseln, Hundertfüßer, Fliegen, Silberfischchen, Wespen, Käfer Mäuse und noch viel, viel mehr, und alles das lebt friedlich nur ein paar Schritte von ihnen entfernt. Diese Lebewesen sind genauso faszinierend wie die großen Säugetiere oder tropischen Vögel, die wir in Naturdokus im Fernsehen bestaunen (…). Dabei leben diese Tiere hier bei uns und nicht in irgendeinem fernen tropischen Nebelwald (…). Ich erinnere mich, wie der Naturjournalist Chris Packham einmal sagte, er liege lieber zehn Minuten auf dem Bauch und beobachte eine Kellerassel, als sich eine Stunde lang eine Hochglanz-Doku über die Löwen in der Serengeti hineinzuziehen.“

Genau darin liegt der Reiz und die Botschaft dieses Buchs: Wer es schafft, seine sozial ererbten Reaktionsmuster gegenüber der Natur („Das muss weg“) abzulegen, kann in ein geradezu magisches Reich eintauchen, in dem man sich nicht mehr in Kampf gegen „Unkräuter“ und „Schädlinge“ befindet. Stattdessen lernt man eine neue Welt kennen, die nur wenige Schritte von einem entfernt ist. Ja, man kann sich dennoch an einem Stück gleichmäßig geschnittenem Rasen erfreuen, wenn man dafür auch eine andere Fläche den Insekten als „Weide“ zur Verfügung stellt. Und ja, man darf auch weiter „garteln“, man soll dabei aber seinen Blick auch auf andere Pflanzen als die im Gartencenter angeboteten Petunien und Thujen richten.

„Vielfalt und Reduktion“ lautete Goulsons Devise. Je mehr verschiedene Nahrungspflanzen für Tiere im Garten wachsen, umso spannender wird dieser. Und das erreicht man oft, indem man weniger tut: weniger mähen, weniger Pestizide spritzen und dafür aber mehr beobachten. Goulsons persönlicher und mit Anekdoten angereicherter Schreibstil ist angenehm zu lesen. So wie Darwin und Humboldt eher romanhaft und essayistisch über ihre Reisen schrieben, so führt einen Goulson durch seinen Garten und räsoniert dabei über die besten Apfelsorten, wie man Cider macht und wie einem Ohrwürmer dabei helfen können, andere apfelfressende Insekten in ihrer Zahl begrenzt zu halten.

Goulsons Ausführungen, etwa darüber, wie er versucht, in seinem Teich die seltene Hundeschnauzenschwebfliege anzusiedeln, lesen sich spannend wie ein Krimi. Und die raffinierte, mit Ameisen vergesellschaftete Lebensweise des Quendel-Ameisenbläulings, eines parasitischen Schmetterlings, erzeugt sicher auch bei traditionellen Gärtnern den Wunsch, in den zahlreichen Ameisennestern nach ihm zu suchen.

Das letzte Kapitel behandelt, wie es der Untertitel verspricht, aktuelle und brisante Themen wie das der invasiven Arten, industrieller Landwirtschaft und Flächenversiegelung. Ermutigend ist jedenfalls seine Botschaft, dass angesichts der uns überfordernden globalen Probleme jeder von uns etwas für eine belebtere und buntere Welt beitragen kann – sogar wenn man nur eine Blumenkiste am Fensterbrett besitzt.

Das richtige Buch zur rechten Zeit.

Peter Iwaniewicz in FALTER 12/2019 vom 22.03.2019 (S. 42)


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