Die Farben der Quadratzahlen

Kleine Anleitung zum mathematischen Staunen
€ 22.7
Lieferung in 2-7 Werktagen
-
+
Kurzbeschreibung des Verlags:

Eine Liebeserklärung an den Zauber der Zahlen und eine fulminante Reise durch die Mathematik. „Taschner ist ein begnadeter Geschichtenerzähler.“ F.A.Z.
Wie kann etwas zugleich korrekt, aber nicht wahr sein? Was verrät ein Kartenspiel über das Wesen der Zeit? Und was haben Quadratzahlen mit Farben zu tun? Rudolf Taschner nimmt uns mit auf eine fulminante Reise an die Grenze von Mathematik und Philosophie und zeigt, dass in Zahlen Antworten auf die größten Fragen verborgen liegen. Wir erfahren, warum schon Pythagoras in den Zahlen den Ursprung des Kosmos erblickte und weshalb Nobelpreisträger bis heute darüber rätseln, warum die Mathematik die Natur auf so wundersam treffende Weise zu beschreiben vermag. „Die Farben der Quadratzahlen“ ist ein Buch voller verblüffender Fakten, das zum Staunen über die Schönheit der Mathematik einlädt.

weiterlesen
FALTER-Rezension

Mathematischer Denkstoff in verdaubaren Lektionen

Mathematik: Rudolf Taschner findet Bezüge zwischen konkretem mathematischem Wissen und tieferen Einsichten

Die Geschichte der Mathematik droht zu einem Randgebiet zu verkümmern. Selbst an renommierten Hochschulen sind seit geraumer Zeit Lehrstühle eingespart worden. Man erkennt zwar den Wert historischer Bezüge für den Unterricht an, überlässt die Arbeit daran aber in der Regel Didaktikern oder Pensionären. Aktive Mathematikprofessoren schreiben für ein allgemeines Publikum kaum noch einzuordnende Beiträge oder gar ein Thema umfassend ausleuchtende Bücher, im deutschsprachigen Sprachraum noch seltener als im angelsächsischen. Dem Manko entsprechend dürftig ist im deutschsprachigen Raum von Saison zu Saison das Angebot an neuen mathematischen Titeln, in denen ein Stoff anspruchsvoller vorgetragen wird als in partytaugliche Häppchen portioniert.

Rudolf Taschner springt da glücklicherweise immer wieder in die Bresche. Als Professor an der TU Wien hatte er 2003 das mathematische Kabinett „math.space“ initiiert, das im Museumsquartier bis 2017 aktiv war und sich dem Zusammenhang der Mathematik mit verschiedensten kulturellen Aspekten widmete. Darüber hinaus hielt er zahlreiche Vorträge, die teilweise auch als Podcasts verfügbar sind, und verfasste bislang neun populärwissenschaftliche Bücher.

Mittlerweile 66-jährig, hat Taschner sein drittes Buch im Hanser-Verlag vorgelegt. 2013 war dort sein Fokus auf spezielle Zahlen gerichtet, 2015 auf die Geschichte der Spieltheorie. In „Die Farben der Quadratzahlen“ diskutiert er nun zwar erneut Themen aus diesen Teilgebieten, geht aber in allen fünf Essays, als die er seine Ausführungen verstanden haben will, philosophisch und historisch sehr in die Tiefe.

Das titelgebende Kapitel „Die Farben der Quadratzahlen“ bezieht sich auf ein Phänomen in der Atomphysik, dessen Studium unser modernes Verständnis vom Aufbau der Materie wesentlich geprägt hat. Der Basler Mathematiklehrer und Privatdozent Johann Jakob Balmer hatte 1885 für die sichtbaren Linien im Spektrum des Wasserstoffatoms eine überraschend einfache Formel entdeckt, aus der sich die Wellenlänge dieser Spektrallinien berechnen lässt. Sie zeigt auf, dass es die Quadratzahlen 4, 9, 16, 25, 36, 49 sind, die für die Farben strahlender Gase und somit auch des Wasserstoffs sorgen.

Der dänische Nobelpreisträger Niels Bohr war begeistert von dieser eleganten Lösung. Als er seine Karriere resümierte und dabei erläuterte, wie er die Mathematik des Wasserstoffatoms fand und damit das Tor zur Quantenphysik aufstoßen konnte, hob er die Leistung des Baslers hervor: „In dem Moment, als ich Balmers Formel sah, war die ganze Sache für mich klar.“ Taschner erwähnt diese Episode am Ende seiner tiefschürfenden Ausführungen, um uns klarzumachen, welche erstaunliche und vielfältige Rolle den Quadratzahlen bei der Erklärung von Naturphänomenen zukommt.

In all seinen Essays arbeitet Rudolf Taschner solche Bezüge zwischen konkretem mathematischem Wissen und tieferen Einsichten heraus. Das fordert beim Lesen Einsatz, ganz besonders wohl für den letzten Teil, in dem der Autor das sogenannte Banach-Tarski-Paradoxon erläutert. Dabei geht es um Folgendes: Betrachtet wird eine Kugel, die man in endlich viele Teile zerlegt. Diese Teile werden gedreht und verschoben, aber weder gedehnt noch gestaucht. Danach werden sie so zusammengesetzt, dass zwei Kugeln entstehen, die gleich groß sind wie diejenige Kugel, von der man ausgegangen ist. Taschner unterteilt seine Ausführungen zu diesem berühmten Paradoxon in zehn Schritte, wobei in jeder seiner Minilektionen zentrale Einsichten aus verschiedensten Epochen der Mathematikgeschichte auftauchen. So beginnt er bei Galilei, springt zu Cantor, dann zeitlich zurück zu den Babyloniern – und diskutiert am Ende auch die Einwände gegen dieses Paradoxon.

Die fünf Kapitel des Buches kann man gut unabhängig voneinander angehen. Macht man sich daran, ernsthaft alle zu lesen, hat man Denkstoff für Monate und bemerkt vielleicht gar nicht, dass noch immer nichts Neues auf dem Markt ist.

André Behr in Falter 41/2019 vom 11.10.2019 (S. 37)

weiterlesen
Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783446264519
Erscheinungsdatum 19.08.2019
Umfang 272 Seiten
Genre Sachbücher/Natur, Technik/Naturwissenschaft
Format Hardcover
Verlag Hanser, Carl
Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:
Jacek Banasiak, Adam Bobrowski, Mirosław Lachowicz, Yuri Tomilov
€ 109,99
Maizura Ithnin, Ahmad Kushairi
€ 131,99
Nada M. Melhem
€ 120,99
Lawrence Horwitz, Yosef Strauss
€ 93,49
Thomas Bräunl
€ 60,49
Jacob J. Lamb, Bruno G. Pollet
€ 98,99