Der letzte Satz
Roman

von Robert Seethaler

€ 19,60
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 128 Seiten
Erscheinungsdatum: 03.08.2020


Rezension aus FALTER 33/2020

Seethaler-Roman: Weniges über Gustav Mahler

Gustav Mahler wurde in den letzten Jahrzehnten gründlich erforscht. Das gilt für Leben und Werk des Mannes, der im Hauptberuf Dirigent der Wiener Hofoper war und als „Ferienkomponist“, dem fürs Schaffen nur die Sommermonate blieben, ein überschaubares, jedoch bleibendes Werk hinterließ. Was noch? Genau, er war der erste Ehemann von Alma Mahler-Werfel, die er zugunsten der Arbeit vernachlässigte; rang Musikern kompromisslos Höchstleistungen ab; erlebte in Wien Triumphe und Enttäuschungen; ist ein Bindeglied zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert.

Das war Mahler in 550 Zeichen. Der neue Roman von Robert Seethaler weiß auf 126 Seiten nur wenig mehr über ihn zu erzählen. Der Wiener Autor, der mit „Der Trafikant“ einen internationalen Bestseller landete und seither ein Abonnement auf Verkaufserfolge hat, begleitet den Komponisten auf seiner letzten Schiffsreise nach Amerika. Mahler sitzt am Sonnendeck und sieht, in Erwartung des nahenden Endes, Stationen seines Lebens an sich vorbeiziehen.

Er hätte gern seine Ruhe, ein Schiffsjunge weicht jedoch nicht von seiner Seite. Während der Protagonist eine blasse, schemenhafte Gestalt bleibt, hätte der Bursche das Zeug zum Romanhelden. Der Epilog, in dem der Leser ihm nach Mahlers Tod noch einmal begegnet, zeigt, was aus „Der letzte Satz“ hätte werden können – eine lebendige Erzählung. Stattdessen arbeitet der Autor brav biografische Fixpunkte ab, auch die kurzen Begegnungen mit Freud und Rodin finden Erwähnung.

Aber was ist mit der Musik? Nicht nur inhaltlich bleibt sie außen vor. Seethalers Prosa entwickelt keinen Klang. Wohl um Kitsch und Pathos zu vermeiden, geht er übervorsichtig ans Werk. Auf Seite 118 schießt ihm ein, dass das zu wenig ist: „Ein Schriftsteller hätte das aufgegriffen, hätte die winzigen Spritzer sich wie zufällig auf den Notenzeilen zu einem brauchbaren Motiv anordnen lassen, zu einer wunderbaren Melodie, einem Aufbruch in einen neuen Satz oder so etwas.“ So aber ist es ein Sommerbuch geworden: Es plätschert dahin.

Sebastian Fasthuber in FALTER 33/2020 vom 14.08.2020 (S. 28)


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