Vati
Roman

von Monika Helfer

€ 20,60
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Verlag: Hanser, Carl
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Erscheinungsdatum: 25.01.2021


Rezension aus FALTER 5/2021

Der Tod und die Bücher: Das Leben des Josef Helfer

Das Paradies liegt 1220 Meter über dem Meer. Es ist ein Kriegsopfererholungsheim auf der Tschengla, einem Hochplateau bei Bludenz. Hier verbrachte Monika Helfer ihre Kindheit, ihr Vater war der Heimleiter. In den wenigen Jahren, in denen die Familie dort lebte, war vieles gut. Davor war Elend und Krieg, danach Schmerz und Trauer.

Mit „Vati“ setzt die Vorarlberger Schriftstellerin die Geschichte fort, die sie im vergangenen Jahr mit dem ebenfalls stark autobiografisch geprägten Roman „Die Bagage“ begonnen hat. Darin porträtiert Helfer ihre Großmutter mütterlicherseits zur Zeit des Ersten Weltkriegs, die mit ihrer Familie am Ende eines Tals in großer Armut lebte. Nun stellt die Autorin ihren Vater Josef Helfer in den Mittelpunkt, und auch dieses Mal entsteht daraus ein vielschichtiges Gemälde einer Familie, einer Zeit und einer Generation.

Vati, der so genannt werden will, weil es „modern“ klingt, wuchs als Sohn einer Magd auf. Schon als Volksschüler entdeckte er seine Liebe zu Büchern, die für ihn nicht nur einmal lebensentscheidend war. Im Zweiten Weltkrieg verlor er in Russland sein rechtes Bein. Im Lazarett lernte er Grete, seine spätere Frau kennen, die dort als Krankenschwester arbeitete. Sie machte ihm einen Heiratsantrag.

Monika ist das zweite Kind von vieren. Die Mutter stirbt früh an Krebs, der Vater verschwindet: „Als wäre er irgendwo in der Luft, allgegenwärtig, und wenn wir ihn rufen, erscheint er. Ein Geist.“

Helfer verwebt nicht nur Biografien ineinander, sondern thematisiert auch ihre Nachforschungen und ihre eigene Situation als erwachsene Frau. Sie schreibt von ihrem Mann, dem Schriftsteller Michael Köhlmeier, den sie darauf hinwies, dass ihr Vater ihn danach beurteilen würde, wie er ein Buch angreife. Es sind knappe Sätze, die sich dem Vater, seiner Schweigsamkeit und seinem Fehlen annähern. Fragen bleiben offen und geben den Blick frei in Abgründe. Eine Fortsetzung der Helfer’schen Familiengeschichte ist – erfreulicherweise – schon in Planung.

Stefanie Panzenböck in FALTER 5/2021 vom 05.02.2021 (S. 34)


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