Das Dämmern der Welt

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Kurzbeschreibung des Verlags:

Ein Mensch im Dschungel der Jahrzehnte, ein Abenteuer – endlich wieder ein Buch des großen Filmemachers Werner Herzog
Hiroo Onoda ist jung, als Japan vor den USA kapituliert und der Zweite Weltkrieg endet, ohne dass er davon erfährt. Er ist alt, als endlich auch sein Krieg ein Ende findet. Noch Jahrzehnte hat der Soldat weiter eine bedeutungslose Insel im Pazifik verteidigt. Wie ein Gespenst versteckt sich Onoda im Urwald, kämpft mit der erbarmungslosen Natur ebenso wie mit seinen eigenen Dämonen. Der große Autor und Filmemacher Werner Herzog hat den Mann mit dieser besonderen Vergangenheit selbst in Japan getroffen. Sein erstes Buch nach vielen Jahren ist ein glühender, bewegender Bildertanz vom Sinn und Unsinn unserer Existenz.

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FALTER-Rezension

Werner Herzog in Japan oder: Willkommen zurück im Dschungel

Erste Sätze sind wichtig, aber ein bisschen mehr darf es schon sein. Werner Herzog stellt seinem Buch "Das Dämmern der Welt" einen zweiseitigen Prolog voran, der so klar und eindringlich ist, dass man ihn gleich noch ein zweites Mal liest. Und dann noch einmal.

Als der deutsche Regisseur 1997 in Tokio eine Oper des Komponisten Shigeaki Saegusa inszenierte, berichtete dieser eines Abends voll Aufregung, der Kaiser wolle Herzog zu einer Privataudienz einladen. Der lehnte spontan ab, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass mehr als Floskeln ausgetauscht würden. Alle im Raum erstarrten: "Ich dachte, jetzt hat ganz Japan zu atmen aufgehört." Wen wolle er sonst in Japan treffen? Spontan antwortete er: " Hiroo Onoda."

Onoda ist in Japan eine Legende. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wird dem Soldaten aufgetragen, auf einer kleinen philippinischen Insel im Südpazifik zu bleiben und auf die Rückkehr seiner Truppen zu warten. Davon, dass Japan kurz darauf vor den USA kapituliert, erfährt Onoda nichts.

Aus soldatischer Treue bleibt er Jahrzehnte auf der Insel, beobachtet die Natur, wird von philippinischen Truppen beschossen und überlebt als Meister in Guerillataktiken alle Hinterhalte. Sämtliche Versuche, ihn zu überzeugen, der Krieg sei längst vorbei, hält er für Tricks von US-Agenten. Erst 1974 kehrt er nach Japan zurück.

Werner Herzog schreibt nicht viel, aber seine im 20-Jahres-Rhythmus erscheinenden Bücher sind großartig. "Das Dämmern der Welt" folgt auf "Vom Gehen im Eis" (1978) und "Die Eroberung des Nutzlosen" (2004), in dem er die Entstehung des Urwaldfilms "Fitzcarraldo" protokollierte. Auch auf der pazifischen Insel gibt es Dschungel. Naturbeschreibungen können furchtbar öd sein, aber Herzog versteht sich darauf.

Vor allem aber erzählt er von Onodas sinnlosem Verharren auf einem unbedeutenden Eiland mit rarem Gespür für Dramaturgie. In diesem Buch über Traum und Wirklichkeit eines lebenden Geists ist kaum ein Satz zu viel.

Sebastian Fasthuber in Falter 38/2021 vom 24.09.2021 (S. 33)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783446270763
Erscheinungsdatum 23.08.2021
Umfang 128 Seiten
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Format Hardcover
Verlag Hanser, Carl
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