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| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Politischer Aktivismus / Politisches Engagement Terrorismus, bewaffneter Kampf |
|---|---|
| ISBN | 9783446279391 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 13.05.2024 |
| Größe | 21.8 x 15.3 cm |
| Verlag | hanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG |
| Übersetzung | Pieke Biermann |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
»Eine erschütternde, absolut fesselnde Saga.« The New York Times Eines Nachts im Dezember 1972 wird Jean McConville aus ihrem Haus in Belfast entführt. Sie wird nie wieder lebend gesehen. Ausgehend von diesem Moment entfaltet Patrick Radden Keefe eine gewaltige Erzählung über die blutige Vergangenheit des Nordirlandkonflikts. Sage nichts verwebt die Geschichte von Jean McConville mit der von Dolours Price, die als 22-Jährige das Old Bailey bombardierte, und mit der von Brendan Hughes, einem furchterregenden Kommandeur, der den Schweigekodex der IRA brach. Dabei fängt Patrick Radden Keefe die Intrigen, die Dramatik und den hohen menschlichen Preis der sogenannten »Troubles« ein – und erzählt, wie Gesellschaften nach einem langen und blutigen Konflikt wieder zusammenwachsen können. »Nordirland und seine Vergangenheit haben mich nie interessiert – bis ich dieses Buch in die Hand genommen habe.« The Times »Unbedingt lesen!« Gillian Flynn, Autorin von »Gone Girl«
| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Politischer Aktivismus / Politisches Engagement Terrorismus, bewaffneter Kampf |
|---|---|
| ISBN | 9783446279391 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 13.05.2024 |
| Größe | 21.8 x 15.3 cm |
| Verlag | hanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG |
| Übersetzung | Pieke Biermann |
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Tessa Szyszkowitz in FALTER 42/2026 vom 14.10.2026 (S. 20)
Es ist ein heißer Bücherherbst für Patrick Radden Keefe. Gerade hat der US-amerikanische Journalist in Deutschland seinen neuesten Bestseller "Der Sohn des Oligarchen" vorgestellt. Das englische Original "London Falling" ist seit Wochen auf der Sachbuch-Bestsellerliste der New York Times.
Im Zentrum steht die tragische Geschichte des 19-jährigen Zac Brettler, der eines Nachts im November 2019 vom Balkon eines Londoner Luxusappartements in die Themse in den Tod sprang. Er stammte aus einer bürgerlichen Londoner Familie, hatte sich aber als russischer Oligarchensohn ausgegeben.
Keefe erzählt über Brettler auch vom Doppelleben Londons: Eine in jeder Hinsicht reiche Stadt, die auch eine entsprechende organisierte kriminelle Szene hat.
Seit seiner Nordirland-Recherche "Sage nichts" gilt der US-Journalist als Meistererzähler von Non-Fiction. Seine Sachbücher lesen sich wie Thriller. In "Imperium der Schmerzen" über die US-amerikanische Sackler-Dynastie zeigte er, wie die großzügigen Mäzenaten aus Gewinngier eine weltweite Opioidkrise auslösten. Das Buch wurde von Netflix verfilmt.
Für die Verfilmung von "Der Sohn des Oligarchen" hat sich Patrick Radden Keefe schon als Executive Producer in Stellung gebracht. Im Falter-Interview erzählt er, warum ihm tiefgehender Journalismus wichtiger ist als Hollywood.
Falter: Herr Keefe, wie entscheiden Sie, wann aus einem Artikel im New Yorker ein Buch werden muss?
Patrick Radden Keefe: Das ist in 20 Jahren nur viermal vorgekommen. Der Luxus beim New Yorker ist, dass unsere Artikel lang sind. Ich kann bis zu 100.000 Zeichen schreiben. Das ist sehr viel Platz im Journalismus. Aber manchmal gibt es Geschichten, bei denen man spürt, dass da noch so viel mehr drinsteckt. Im Fall der Geschichte über Zac Brettler war das so. Warum sprang der junge Mann in den Tod?
Es stellte sich heraus, er hatte sich zuvor als Sohn eines russischen Oligarchen ausgegeben?
Keefe: Ja. Er hatte sich tief in ein Lügengebäude verstrickt. Als ich dann Einblick in das Leben seines Großvaters bekam, spürte ich: Da steckt mehr dahinter. Ich dachte auch darüber nach, wie sich London verändert hat. Aus einem Artikel lässt sich viel machen, aber hier gab es noch weit mehr zu erzählen. Die Kunst des Journalismus liegt in der Destillation. Der Trick für mich bei einem Buch ist: Gibt es tiefere Wendungen, neue Erkenntnisse nach meinen Recherchen, sodass der Leser wirklich etwas Neues erfährt?
Dass Sie mit Ihren Artikeln und Ihren Sachbüchern Menschen derart fesseln können, heißt: Es gibt doch noch Leseratten wie früher.
Keefe: Das ist Absicht. Ich besitze wie jeder andere ein Smartphone, und dieses Smartphone hat mich zu einem schlechteren Leser gemacht. Es hat mein Gehirn neu verdrahtet. Obwohl ich mehr lese als die meisten Menschen, fällt es mir heute schwerer. Ich möchte das Gefühl aus meiner Kindheit und Jugend zurückgewinnen, als ich mich samstags auf die Couch legte und eineinhalb oder zwei Stunden am Stück lesen konnte, völlig vertieft. Es vertreibt die Einsamkeit. Heute greift man alle zwei Minuten zum Telefon. Ich versuche, etwas zu schreiben, das so fesselnd ist, dass man das Handy vergisst.
Sie haben bereits Ihren dritten internationalen Bestseller geschrieben, aber Ihr Name ist im deutschsprachigen Raum noch nicht so bekannt wie im englischsprachigen. Woran liegt das?
Keefe: In den USA gibt es eine Tradition, die wir erzählende Sachliteratur ("Narrative Nonfiction", Anm.) nennen. In vielen europäischen Ländern gibt es eher eine Trennung: Auf der einen Seite steht die Literatur, auf der anderen Seite die Sachliteratur, die rein nachrichtenorientiert Fakten liefert oder wie ein schweres Geschichtsbuch wirkt, das echte Anstrengung erfordert. Ich arbeite irgendwo dazwischen. Ich möchte, dass meine Bücher sich wie ein großartiger Roman lesen. In den USA ist dieses Genre sehr etabliert.
Wer hat dieses Genre begründet?
Keefe: Ein Meilenstein dieses Genres ist "The Power Broker: Robert Moses and the Fall of New York" von Robert A. Caro. Eine monumentale Biografie über Robert Moses, den mächtigen Stadtplaner und Infrastruktur-Architekten von New York. Es wird erst jetzt, nach 50 Jahren, gerade ins Französische übersetzt. Das sagt etwas über den kulturellen Lesegeschmack und die Verlagstraditionen in verschiedenen Ländern aus. Ich bin als Magazinjournalist in den USA ausgebildet worden und möchte die Leser vom ersten Absatz an packen und nicht mehr loslassen.
Zac Brettlers Tod wurde als Selbstmord eingestuft. Polizeiliche Ermittlungen hatten zu nichts geführt. Unklar bleibt, ob die polizeilichen Ermittlungen nicht sogar aktiv behindert wurden. Die Eltern waren verzweifelt. Ist es nicht sehr schwierig, als Journalist so nah an seinen Subjekten dran zu sein?
Keefe: Bei früheren Recherchen hatte ich oft keinen Zugang zu den Hauptpersonen, weil sie tot waren oder nicht mit mir sprechen wollten. Hier war es das Gegenteil: Die Eltern wollten, dass ich recherchiere. Dadurch konnte ich die Geschichte viel intimer erzählen. Natürlich musste ich darauf achten, ihnen nicht zu nah zu kommen. Ich habe ihnen von Anfang an gesagt: Ich bin nicht euer Sprecher, nicht euer Therapeut. Und ich bin nicht euer Rabbiner. Ich bin meinen Lesern und der Wahrheit verpflichtet. Das bedeutete, dass Dinge im Buch stehen, die unangenehm für die Eltern von Zac sind. Sie haben das abstrakt akzeptiert, aber bei konkreten Details war es schwer. Ich habe Dinge über Zac erfahren, die sie nicht wussten -etwa, dass er in der Schule erzählt hatte, seine Mutter sei tot. Das musste ich seiner Mutter sagen. Das war ein sehr schwieriges Gespräch. Ebenso gab es ungemütliche Details über den Großvater. Ursprünglich wollten sie diese Dinge nicht im Buch haben. Aber ich wusste, dass es unverantwortlich wäre, das Buch ohne die Geschichte des Großvaters zu schreiben. Es war essenziell.
Zac Brettlers Großvater Hugo Gryn war ein sehr bekannter und beliebter Rabbiner in Nord-London, der auch oft in der BBC auftrat. Er hat aber, das schreiben Sie, bei seiner Biografie gelogen. Im KZ hat er sich bei der Selektion älter gemacht, um zu überleben. Später behauptete er, er habe in Cambridge studiert. Das stimmte nicht. Sie ziehen indirekt den Schluss, dass es in der Familiengeschichte einen Hang zum Lügen gab. Ist das wissenschaftlich haltbar oder wurden Sie dafür zu Recht kritisiert?
Keefe: Rachelle Brettler, Zacs Mutter, sagte einmal zu mir: "Ich war sowohl die Tochter eines Mannes mit einem geheimen zweiten Leben wie auch die Mutter eines solchen Mannes." Obwohl sie natürlich nicht an eine genetische Tendenz zum Lügen glaubt. Ich stelle im Buch klar, dass es keinen direkten kausalen Zusammenhang gibt. Es ging mir eher darum zu zeigen, wie weit verbreitet solche Familiengeheimnisse und Lügen sind. Solche Geheimnisse kommen heute oft durch DNA-Tests ans Licht. Was den Großvater betrifft: Er kam als Teenager nach England, seine Familie war im Holocaust ermordet worden, er sprach kein Englisch. Er beschloss, eine Brücke zu bauen zwischen seinem Leben und dem Leben, das er erreichen wollte. In England gab es damals starken Antisemitismus. Er baute diese Brücke - und am Ende hatte er das Leben, das er sich wünschte. Nach dem Motto: Fake it, until you make it.
Was Ihr Buch so fesselnd macht, ist nicht nur die persönliche Geschichte, sondern dass Sie auch die dunklen Seiten Londons beschreiben. Wann haben Sie entschieden, dass Zacs Story eigentlich eine London-Geschichte ist, die erzählt werden muss?
Keefe: Nach der russischen Invasion in der Ukraine schrieb ich einen Essay über London -darüber, wie Großbritannien zum Zufluchtsort für mächtige, gut vernetzte russische Oligarchen wurde. Das Thema "Schmutziges Geld in der Stadt" beschäftigt mich schon lange. London hat sich stark verändert; viele Freunde mussten wegziehen, weil es zu teuer wurde. Um ein Buch zu schreiben, braucht man jedoch starke Charaktere und ein persönliches Drama. Die Geschichte der Brettlers gab mir die Möglichkeit, diese größeren gesellschaftlichen Entwicklungen zu erzählen.
Ein anderer Ihrer Bestseller war die Geschichte der Sackler-Familie: Imperium des Schmerzes. Es wurde als Netflix-Serie unter dem Titel "Painkiller" verfilmt.
Keefe: Ich hatte über das mexikanische Sinaloa-Kartell recherchiert und mich gefragt, warum ab 2010 plötzlich so viel Heroin in den USA verkauft wurde. Die Antwort war, dass eine Generation von Amerikanern durch verschreibungspflichtige Schmerzmittel wie Oxycontin abhängig wurde und dann zu Heroin wechselte. Ich fand heraus, dass Purdue Pharma, das dieses Medikament vertreibt, der Familie Sackler gehörte. Ich kannte den Namen Sackler nur, weil er auf einem Museum an der Harvard University prangte. Oder im Metropolitan Museum oder im British Museum. Die Öffentlichkeit wusste nicht, wie schmutzig das Geschäft hinter diesem Mäzenatentum war. Ich wollte die moralische Verantwortung aufzeigen. Wir sollten, fand ich, davor nicht mehr die Augen verschließen.
Der Name Sackler wird sich davon nicht erholen. Aber wie stehen Sie dazu, dass Museen Namen entfernen oder Spenden ablehnen sollten?
Keefe: Ich sage Museen nicht, was sie tun sollen. Meine Aufgabe ist es, Klarheit über die Fakten zu schaffen. Manche Ärzte sagen: "Wenn ich mit Sackler-Geld Krebs erforschen kann, nutze ich es." Wichtig ist mir nur, dass man nicht heuchelt oder etwas dabei verschweigt. Jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen.
Gibt es einen Unterschied zwischen Ihrer Arbeit als Journalist und der als Buchautor im Hinblick auf moralische Haltungen?
Keefe: Meine Artikel im New Yorker sind investigativer Journalismus. In den Büchern bringe ich zwar eine Haltung ein, aber verfechte keine platten Positionen. Ich würde nie die Wahrheit manipulieren, nur um einen befriedigenderen narrativen Schluss eines Artikels zu erzeugen. Wenn am Ende Dinge unklar bleiben, muss man das zugeben.
Arbeiten Sie bei Ihren extrem detaillierten Recherchen allein oder mit einem Team?
Keefe: Ich habe Rechercheassistenten für spezifische Archivaufgaben, aber kein festes Team. Ich will meine Informationen selbst verifizieren. Beim New Yorker gibt es zudem ein extrem strenges Faktenprüfteam. KI-Tools wie ChatGPT oder Claude nutze ich nicht für die Faktenprüfung.
Wird die Geschichte von Zac Brettler auch als Film oder Serie zu sehen sein?
Keefe: Ja, es ist eine Serie mit etwa sechs Episoden in Planung. Wir hoffen, bald zu drehen. Ich bin als Produzent beteiligt. Eine Verfilmung muss als eigenes Werk funktionieren, auch wenn sie nah an der wahren Geschichte bleibt.
Denken Sie jetzt bei Ihrer Themenwahl für neue Projekte gleich an die Netflix-Verfilmung?
Keefe: Nein, das täte meinem Journalismus gar nicht gut. Filmrechte kommen erst nach der Recherche. Wenn ich ein journalistisches Projekt beginne, dann konzentriere ich mich rein auf die Qualität des Artikels selbst.
Was ist denn Ihr nächstes Thema?
Keefe: Ich schreibe Artikel für den New Yorker, darunter eine Geschichte über die langen Schatten der Apartheid in Südafrika.
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