Menschlicher Geist im Schatten der Künstlichen Intelligenz
112 Seiten, Hardcover
€ 22,70
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Themen Philosophie und Religion Philosophie Sachbuch, Ratgeber
ISBN 9783446281776
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 18.08.2026
Größe 20.8 x 13.2 cm
Verlag Hanser, Carl
Sammlung Unsere Bestseller
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HerstellerangabenAnzeigen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
info@hanser.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Rüdiger Safranskis philosophische Antwort auf die Frage, wie Künstliche Intelligenz unser Selbstverständnis als Menschen verändert Weil er über einen Geist verfügt, konnte der Mensch bis vor kurzem glauben, etwas Besonderes zu sein. Dann kam die Künstliche Intelligenz. Dass sie viele Aufgaben besser löst als wir, war für die Menschheit Versprechen und Kränkung zugleich: Das wäre dann die Vierte Kränkung seit der kopernikanischen Wende, Darwins Evolutionstheorie und Freuds Entdeckung des Unbewussten. Haben sich die Ideen des Humanismus überlebt? Rüdiger Safranski erinnert daran, dass der Mensch im Unterschied zu Algorithmen über ein Bewusstsein verfügt, Emotionen wahrnimmt, über sich selbst nachdenken und sich frei entscheiden kann. Das sind große Themen der Philosophie. Sie setzt Orientierungsmarken, die uns helfen, auch in Zukunft unseren Platz in der Welt zu finden.

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FALTER-Rezension

Rüdiger Safranskis vierte menschliche Kränkung

Nina Horaczek in FALTER 36/2026 vom 02.09.2026 (S. 16)

Zugegeben, es ist ein komisches Gefühl, sich bewusst zu machen, dass der eigene Kopf nie so viel Wissen ausspucken wird wie das Smartphone in der Hosentasche. Der deutsche Philosoph Rüdiger Safranski beschreibt dies in seinem neuen Buch als "die vierte Kränkung" der Menschheit. Für die erste sorgte der Astronom Nikolaus Kopernikus, als er statt der Erde die Sonne in den Mittelpunkt des Universums schob. Die zweite kam von Charles Darwin, der nicht Gott, sondern Affen zu unseren nächsten Verwandten erklärte. Und von Sigmund Freud wissen wir, dass nicht der Mensch den Verstand kontrolliert, sondern er selbst ein vom Unbewussten gesteuertes Wesen ist.
Nun erfährt die Menschheit, dass mit der künstlichen Intelligenz (KI) jemand anderer auf dem Planeten der Klügste ist. Vielleicht wird diese Erkenntnis einmal die John-McCarthy-Kränkung heißen, hat doch dieser Informatiker -wie die KI der Autorin sofort verrät - im Jahr 1956 den Begriff einer "künstlichen Intelligenz" geprägt.

Philosoph Safranski will aber gar nicht, dass wir uns kränken. Sein lediglich 111 Seiten dünnes, gut lesbares Bändchen hat einen anderen Auftrag: der Leserin, dem Leser wieder bewusst zu machen, was für ein ganz besonderes Organ zwischen ihren oder seinen Ohren wohnt. Und wohl auch im Bauch, dort wirken sich die Gefühle besonders stark aus. Im Gegensatz zum toten Geist der Maschine zeichnet sich der menschliche Geist nach Safranski durch Eigenschaften aus, die man nicht einfach so programmieren könne. Dazu zählt er die Emotion, die subjektive Stimmung, Gefühle wie die körperlich spürbare Freude oder Angst. "Stimmung ist beseelter Geist", schreibt der Philosoph. Oder auch das Ich-Bewusstsein, das den Menschen ausmacht. Und nicht zuletzt die Spontaneität. Weil der Mensch "keinem Algorithmus folgt, sind seine Abläufe nicht zwingend, sondern haben etwas Spontanes an sich". Was ist der menschliche Geist?"Der Geist ist schöpferisch und kann sich sogar gegen sich selbst richten. Er kann 'Nein' sagen und deshalb auch die Vernichtung wählen. Er hat die Atombombe ersonnen, mit der die Selbstauslöschung der Menschheit am Horizont erschienen ist. Ob der Geist mit der Erfindung der KI sich selbst aushebelt, wird sich zeigen. Er müsste aber schon von allen guten Geistern verlassen sein, sollte er in Demut vor der monströsen Karikatur seiner selbst erstarren."

Armer alter Mann, könnte man da einwenden. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Mensch von allen guten Geistern verlassen ist. Sieht man sich an, wie die KI schon jetzt ausbricht, Schadsoftware produziert oder gar Menschen in den Selbstmord treibt, könnte man meinen, Pandoras KI-Büchse sei längst geöffnet. Und Philosoph Safranski, mittlerweile 81 Jahre alt, hänge einem alten Denken nach. Eine nachvollziehbare, aber zu simple Diagnose. Der Autor redet die Gefahren, die durch KI drohen können, nicht klein. Er zwingt zur Reflexion darüber, was den Menschen einzigartig macht, noch zumindest. Er fragt nach der richtigen Form des Umgangs mit dieser weltverändernden Erfindung und hat dabei, wie alle, mehr Fragen als Antworten.

Und was sagt die KI zu Safranskis Gedanken? "Ein anspruchsvolles, geistreiches und zum Weiterdenken anregendes Buch, das weniger fertige Antworten liefert als den Leser dazu bringt, die eigenen Vorstellungen vom Menschen und seiner Stellung in der Welt zu hinterfragen", meint ChatGPT und liefert somit den Beweis: Der menschliche Geist kriegt das -hoffentlich -noch lange besser hin.

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