Zeiten erhöhter Gefahr

Roman
224 Seiten, Hardcover
€ 23,70
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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783446282995
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 18.08.2026
Größe 21 x 13.4 cm
Verlag Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
info@hanser.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Ein soghafter Roman über das Entgleiten eines Lebens von großer erzählerischer Intensität: Julia von Lucadou schreibt von den Abgründen der Verdrängung – über Angst, Verunsicherung, Trauma und Schutzbedürfnis. Nichts überlässt Jot, Mitte fünfzig, dem Zufall. Seine ganze Existenz ist auf Planung und Kontrolle ausgerichtet – bei einer Firma, die Bunker an Superreiche verkauft, hat er den idealen Job gefunden und natürlich auch privat für den Notfall vorgesorgt. Doch dann stößt er bei seiner Laufroutine auf einen Toten und sein sorgfältig errichtetes Absicherungssystem beginnt zu bröckeln. Das Bild des halbentblößten Körpers lässt ihn nicht mehr los. Doch warum spricht die Polizei von Selbstmord? Zutiefst verunsichert muss Jot erkennen, dass seine Wahrnehmung und Erinnerung außer Kontrolle geraten sind und es Antworten nur geben kann, wenn er es wagt, in die versiegelten Schächte seiner Vergangenheit zu steigen. Ein hochaktueller Roman über Ängste und Verunsicherung in unserer krisengeschüttelten Gegenwart und die gefährliche Macht der Verdrängung.

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Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783446282995
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 18.08.2026
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FALTER-Rezension

Julia von Lucadou: Im Bunker der verdrängten Gefühle

Lina Paulitsch in FALTER 38/2026 vom 16.09.2026 (S. 30)

Dystopien haben traditionell zwei Eigenschaften: Sie spielen in der Zukunft. Und sie verzerren die Gegenwart zur Fratze. Zwar kann man Letzteres auch vom Roman "Zeiten erhöhter Gefahr" behaupten. Doch die Autorin Julia von Lucadou, die sich bereits in ihrem fulminanten Debüt "Die Hochhausspringerin" mit düsterer Science-Fiction beschäftigte, verlegt ihre Geschichte nicht ins Morgen, sondern in die Vergangenheit. Ins Jahr 2014. Schon damals herrschte eine Zeit der Unsicherheit. Zumindest für die Hauptfigur Jot, ein Deutscher Mitte 50, der in die Schweiz gezogen ist. Dort hat der Staat seit dem Kalten Krieg den Bau von Bunkern verordnet, in denen die gesamte Bevölkerung im Notfall unterkommt. Wie die Bibel kann Jot, der bei einem Unternehmen für private Schutzräume arbeitet, die Schweizer Zivilschutzverordnung frei zitieren.

Sein geordnetes Leben gerät aus den Fugen, als er beim Joggen einen Toten entdeckt. Das Hinterteil ist entblößt, der Körper verdreht, Jot glaubt an einen Mord. Als die Polizei von Suizid spricht, beginnt er zu recherchieren. Doch seine Erinnerungen täuschen ihn.

Immer wieder brechen Flashbacks in seine Gedankenwelt ein, Bilder aus seiner Kindheit mischen sich ins Gesehene, erzeugen Panik, verfälschen die Realität. Nach und nach durchsetzt den Kriminalfall eine zweite Erzählung, die Lucadou der Leserin kunstvoll als dunkle Vorahnung zuführt.

Jot, den man anfangs als fanatischen Prepper belächelt, versucht tatsächlich, sein Leben in Sicherheit zu bringen. Er schützt sich vor den schrecklichen Erlebnissen seiner Kindheit (die an dieser Stelle nicht gespoilert werden wollen).

Neben seiner dystopischen Vision, in der wir alle unter der Erde leben, regt dieser Roman zur Reflexion über verdrängte Gefühle an. Wenn sich vor allem Männer in Ersatzhandlungen flüchten, leidet auch die Gesellschaft, so das Fazit dieses konzise konzipierten, klugen Buches.

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