Affenliebe

288 Seiten, Hardcover
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ISBN 9783446284531
Erscheinungsdatum 17.03.2026
Genre Belletristik/Essays, Feuilleton, Literaturkritik, Interviews
Verlag Hanser, Carl
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Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
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Kurzbeschreibung des Verlags

»So erstaunlich, wie aus der Betrachtung der Primaten eine Selbstbefragung wird, die in die intimsten Sphären der eigenen Existenz vordringt.« Charlotte Gneuß

Sie trauern und sie furzen, sie lachen und sie ärgern sich, sie wollen möglichst viel Lust und Geborgenheit und starren dann wieder vor sich hin: die Menschen – nein, die Menschenaffen. Jahrelang hat die Lyrikerin Lara Rüter in einem Primatenforschungsinstitut gearbeitet. In ihrem Text erzählt sie radikal von den Affen und von sich selbst: von Lebensanfängen und vom Sterben, von Freiheitsdrang und Berührung. Im Alltag mit den Affen drängt sich immer wieder dieselbe Frage auf: Wie fühlt es sich an, ein Mensch zu sein? Schwebend vor Gedichtzitaten, Wissenschaftsfragen und Momenten am Gehege zeigt dieser bahnbrechende Essay, wie Schreiben die Welt verändert.

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FALTER-Rezension

„Dichterin, die auf Affen schaut“

Felice Gallé in FALTER 12/2026 vom 18.03.2026 (S. 34)

iemals einen Affen zu berühren, ist die erste Regel, die Lara Rüter lernt, als sie für das Max-Planck-Institut im Zoo von Leipzig zu arbeiten beginnt. Fünf Jahre wird sie psychologische Tests mit Bonobos, Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans durchführen. Fünf Jahre wird sie sich wünschen, Affenhaut zu tasten, Affenfell unter ihren Fingern zu spüren. Doch sie ist „Doppelagentin“ im Affenhaus: Was ihr als Forschende verboten ist, steht der Dichterin frei. Schreibend kann sie Taï, Kumili und den 189 Kilogramm schweren Silberrücken Abeeku berühren. Und sich von ihnen berühren lassen.

Lara Rüter, geboren 1990 in Hannover, wurde als Lyrikerin für ihren Gedichtband „amoretten in netzen“ ausgezeichnet. Nun hat sie einen Essay geschrieben. Es geht darin um Affen und Menschen, um Selbst- und Fremdbestimmung, Sprache und Sprachlosigkeit und um nichts Geringeres als Leben und Tod. So schildert sie gleich zum Einstieg den Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft. Als sie später das Begräbnis ihrer Mutter beschreibt, macht sie ihre Gefühle anhand einer „Fairtrade-Rose von Lidl“ deutlich, die sie sanft ins Grab wirft, obwohl ihr nach „Wegwerfenschleudernschmeißenfeuern der Blume“ ist. Während die an- wie abwesenden Familienmitglieder den gesamten Text über herausfordernd bleiben, entwickelt sich Arbeitskollege Moritz zum stärkenden Freund. Seine Figur ist außerdem dramaturgisch praktisch: Als Gesprächspartner ermöglicht sie, unterschiedliche Blickpunkte wertungsfrei nebeneinander zu präsentieren. Und Humor hat Moritz auch.

Wohin sich die Freundschaft entwickelt, bleibt offen. Ebenso die Suche nach dem früh verschwundenen Vater. Neben derartigen Cliffhangern finden sich in „Affenliebe“ viele Übergänge, die die Autorin als Überlagerungen gestaltet. Eine Technik, die sie auch in Gemälden von Caspar David Friedrich entdeckt. Wie dieser wieder und wieder Farbe aufträgt und übermalt, um das perfekte Lila zu erreichen, sucht die Autorin „Wörter mit Schichten“.

Um Schreiben und Forschung zu verbinden, bildet Rüter Assoziationsketten: Affenbeobachtungen führen zu Kindheitserinnerungen und weiter zu (sprach-)philosophischen Fragen und Reflexionen über Kunstwerke. In Zitaten kommen unterschiedlichste Denker und Künstlerinnen zu Wort, von Ovid über Roland Barthes und Annie Ernaux bis Prince. Dass die Autorin den Text immer wieder mit Zeilen aus geliebten oder eigenen Gedichten unterbricht, gibt ihm eine spezielle Atmosphäre. Besonders wichtig ist ihr Emily Dickinson. Die 1830 geborene US-amerikanische Dichterin hat zurückgezogen gelebt, vorrangig über Briefe mit Menschen Kontakt gepflegt und rund 1800 Gedichte geschrieben. Für Lara Rüter ist sie Begleiterin für alle Lebenslagen und „immer nur einen Flügelschlag entfernt“: Wäre es bereits möglich, mittels künstlicher Intelligenz über Artgrenzen hinweg zu kommunizieren, würde sie Dickinsons Gedicht „Fame is a bee“ für Bienen übersetzen lassen.

Auch Fakten zu Menschenaffen teilt Rüter mit den Lesenden: etwa, dass diese nicht schwimmen können, weil ihre Arme zu lang sind. Dass sie Trauben oft lieber mögen als Bananen. Und dass Menschenaffen und Menschen 98,8 Prozent übereinstimmende Gene besitzen. Diese Nähe ist für Affen eher kein Vorteil. Sie werden zu Experimenten benutzt, dienen als Projektionsfläche und sind zugleich die anderen, auf die Menschen aufrechtgehend herunterblicken. Lara Rüter schreibt dagegen an in der Überzeugung, dass Schreiben über Tiere ebenso wenig Alltagssprache sein könne wie Poesie, wie sie in einem Interview mit dem Hanser Verlag erklärt. Sie möchte die Affen in ihr Buch holen, „ohne ihnen etwas zu nehmen“.

Was Rüter unbedingt vermeiden will, ist „Sprachkolonisation“. Diese vermutet sie etwa in der Praxis, Schimpansen eine Gebärdensprache beizubringen. Als eine Lehrerin im Affenhaus von den neuen Möglichkeiten, mit Tieren zu sprechen, schwärmt, reagiert die Autorin genervt: Die Besucherin interessiere sich nur für ihre eigene Fantasie über Tiere. „Es geht ihr um die Befreiung von Rilkes Panther aus dem Käfig, aber nicht aus dem Gedicht.“

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