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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783446285828 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 21.04.2026 |
| Größe | 21 x 14 cm |
| Verlag | Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG |
| Übersetzung | Sophie Zeitz |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Der neue Roman von Douglas Stuart: »Menschliche Wärme, die seltsam schöne Atmosphäre eines unwirtlichen Insellebens, eine große innere Spannung: Ein Roman, wie er nur alle zehn, fünfzehn Jahre vorkommt.« (Daniel Schreiber) Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig – blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund ... Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783446285828 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 21.04.2026 |
| Größe | 21 x 14 cm |
| Verlag | Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG |
| Übersetzung | Sophie Zeitz |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Klaus Nüchtern in FALTER 28/2026 vom 08.07.2026 (S. 29)
Wem gheast 'n?" ist eine der älteren Generation auf dem Lande noch vertraute Phrase, um sich nach jemandes Familie zu erkundigen. Und in der schottischen Provinz verhält es sich offenbar nicht anders. "And who do you belong to?", fragt eine ältere Frau einen jungen Mann, der ihr mit "I'm John of John of Iain of Iain the Breabadair" antwortet. "John of John" betitelt sich denn auch der Roman, dem dieser Dialog entstammt -verfasst vom Schotten Douglas Stuart, der 2020 für sein Debüt "Shuggie Bain" mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde.
Cal, wie der 22-jährige Protagonist mit seinem zweiten Vornamen gerufen wird, stammt allerdings nicht aus Glasgow - so wie Mungo, der Titelheld aus "Young Mungo"(2022), und der heute in New York lebende Autor selbst -, sondern aus dem zwar fiktiven, aber eindeutig auf der Insel Harris verorteten Falabay. Und aufgrund der popkulturellen Referenzen lässt sich das Jahr der Handlung rekonstruieren: 1998.
Ganze 20 Stunden dauert Cals Heimreise aus dem 400 Kilometer entfernten Edinburgh. Aber so mühsam sich diese auch gestaltet, so wenig entspricht der Empfang des verlorenen Sohnes dem Gleichnis aus dem Lukasevangelium. Als tragende Säule der örtlichen Presbyterianergemeinde ist Papa John nämlich eher aus dem Holz des Alten Testaments geschnitzt, das für ungeratene Söhne die Steinigung vorsieht.
Dass es dem Sohnemann an Demut und Respekt gebricht, manifestiert sich unübersehbar schon im orangen Haarschopf, den Cal unter einer kaum weniger giftfarbenen Strickhaube verbirgt -vom gotterbärmlichen Zustand des restlichen Second-Hand-Outfits einmal ganz zu schweigen. Vom hautengen Seidenkleid in der Farbe "eines verblassenden Blutergusses", das sich Cal an der Kunsthochschule in 134 Arbeitsstunden buchstäblich auf den eigenen Leib geschneidert hat, ahnt John so wenig wie von der sexuellen Orientierung seines Sohnes - der seinerseits schon gar nicht wissen kann, dass sein Vater seit vielen Jahren ein so schuldhaft verheimlichtes wie verdruckstes Liebesverhältnis mit seinem Nachbarn Innes unterhält.
"The Only Gay in the Village" war ein Running Gag der Nullerjahre-Sketch-Show "Little Britain", in der Daffyd, dargestellt vom britischen Komiker Matt Lucas, wider alle Evidenz darauf beharrte, der einzige Schwule in einem quasi komplett queeren walisischen Dorf zu sein. "John of John" ist das tragische Pendant dazu: Desparat suchen Vater und Sohn, ihr Begehren zu verbergen, so wie es ihnen verborgen bleibt, dass sie damit nicht alleine sind.
Diese bereits hinreichend komplizierte Konstellation wird noch verschlimmert durch die prekäre ökonomische Lage auf der Insel: Das Gewerbe der Schafzucht und des Webens, dem John nach-und bei dem ihm Cal zur Hand geht, wirft kaum noch etwas ab. Arbeitslosenunterstützung in Anspruch zu nehmen aber würde dem bornierten Patriarchen das letzte bisschen Selbstachtung rauben; er vertraut ganz aufs "presbyterianische Penicillin", das Linderung nur durch "Beten und Arbeiten" verspricht - und den intergenerationellen Leidenstransfer garantiert. Denn Cal bekommt den Selbsthass und die Verachtung des Vaters sowohl physisch als auch seelisch zu spüren: als Faustschläge ins Gesicht und als peinigendes Schuldgefühl, Vater und Familie verraten zu haben.
Zu großer Form läuft Stuart stets dort auf, wo er die sich überlagernden Resonanzen von Klassen-, Generationen-und Geschlechterkonflikten mit der Präzision eines niederländischen Genremalers darzustellen weiß. So wird etwa der häusliche Machtkampf zwischen John und dessen Schwieger-respektive Cals Großmutter Ella durch den Einsatz des Gälischen ausgetragen, das Ella - angeblich! - nicht versteht und das im Roman durch Kursivierungen markiert wird.
So dunkel und gedämpft die Farben dieses Gemäldes auch gehalten sind, so weiß Stuart diesem doch auch einige echte Glanzlichter aufzusetzen. Mit einer so tollen Figur wie Isla, der Schwester von Cals Fuckbuddy Doll; mit funkelnden Dialogen, in denen Ella und ihr Enkel ganze Schimpfwortenzyklopädien erstellen; oder mit einer so hinreißenden Szene wie Cals Empfang durch eine elfenartig überdrehte Kleinmädchen-Gang, während er seiner Mutter, die die Familie vor 15 Jahren verlassen hat, endlich einen Besuch abstattet. Im letzten Viertel des Romans, in dem dieser doch recht plakativ wird, sind solche Highlights allerdings spärlich gesät.
Auch der schwierigen Herausforderung, Witz und Wortspiele ins Deutsche zu retten, ist kein durchgehender Erfolg beschieden, weil die Übersetzung von Sophie Zeitz oft pathetischer und gravitätischer klingt als das Original. Und Brachvögel "kreischen" nicht, sondern die pfeifen!
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