Ausradiert

Roman. Das Buch zum oscarprämierten Film »American Fiction«
352 Seiten, Taschenbuch
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ISBN 9783446286221
Erscheinungsdatum 17.03.2026
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Verlag Hanser Taschenbuch
Übersetzung Jens Seeling
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Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
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Kurzbeschreibung des Verlags

Percival Everett – Autor des Pulitzer-Preis-prämierten Bestsellers »James«

Thelonious »Monk« Ellison ist Schriftsteller – und verzweifelt: Seine anspruchsvollen Bücher finden kaum Beachtung, während klischeebeladene »Ghettoromane« über Schwarze gefeiert werden. Aus Wut schreibt er selbst unter Pseudonym einen solch stereotypen, provokanten Roman mit dem Titel »Fuck«. Der Erfolg ist überwältigend. Doch mit dem Ruhm wächst auch das Chaos in Monks Leben. »Ausradiert« ist eine bissige, kluge Satire auf den Literaturbetrieb, kulturelle Erwartungen und die Frage, wer erzählen darf – und wie.

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FALTER-Rezension

Die Rache einer mimetischen Sau

Sigrid Löffler in FALTER 12/2026 vom 18.03.2026 (S. 6)

Seit zwei Jahren hat der US-Schriftsteller Percival Everett bei der deutschsprachigen Leserschaft einen fabelhaften Lauf, ausgelöst durch seinen Roman „James“, eine rassismuskritische Überschreibung von Mark Twains „Huckleberry Finn“. Das Buch wurde ein weltweiter Publikumserfolg und mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Die im Jahrestakt folgenden Übersetzungen aus Everetts reichhaltigem, rund 30 Romane und Erzählungen umfassenden Œuvre verstetigen das Interesse an diesem Autor, der mittlerweile 69 Jahre alt ist.

Jetzt fiel die Wahl des Verlags auf „Ausradiert“ aus dem Jahr 2001, in dem sich bereits die Charakteristika finden, die Fans heute besonders schätzen: die Unnachsichtigkeit, mit der Everett den Rassismus weißer Amerikaner geißelt, und sein (selbst-)parodistisches Talent.

Als hochbelesener Literaturprofessor an einer kalifornischen Universität treibt er in seinen Romanen gerne ein unterhaltsames Spiel mit den Werken anderer. In „Ausradiert“ – halb Familienroman, halb Literaturbetriebssatire – nimmt er Autoren und literarische Moden der Jahrtausendwende aufs Korn, die ihn seinerzeit besonders genervt haben müssen. Das lässt den Roman heute leider so alt aussehen wie er ist.

Der Protagonist, ein schwarzer Schriftsteller namens Thelonious Ellison, Spitzname „Monk“, ist ein versnobter, verbitterter und rundum missvergnügter Mann. Seine dysfunktionale Familie ist gerade im Zerfall begriffen. Die Mutter hat Alzheimer, die Schwester, eine Frauenärztin, wird von fanatischen Abtreibungsgegnern erschossen, und aus hinterlassenen Familienpapieren erfährt Monk, dass er eine Halbschwester hat, die aus einer Affäre seines verstorbenen Vaters mit einer weißen Frau hervorgegangen ist.

Als nicht minder frustrierend erweist sich Monks Berufsleben. Seine Romane gelten als unlesbar, egal, ob es sich um eine Überschreibung der „Perser“ von Aischylos handelt oder um eine Parodie auf französische Poststrukturalisten. Er rächt sich mit einem boshaften Vortrag vor der Nouveau Roman Society, ganz im Stil der hermetisch kodifizierten Sprache à la Derrida, was ihm böse Zwischenrufe einträgt: „Du mimetische Sau!“

Sein Hauptzorn allerdings gilt dem Megabestseller „Ghettoleben“ einer ­bürgerlichen schwarzen Autorin, geschrieben in einem fake-primitiven Stummelsprech, der von der Kritik als authentische Sprache der Afroamerikaner bejubelt wird, ­während Monks jüngstes gelehrtes Romanmanuskript bereits von 17 Verlagen abgelehnt wurde: „Nicht schwarz genug“, befinden ­sowohl weiße als auch schwarze Gutachter.

Monks Revanche: Unter dem Pseudonym Stagg R. Leigh verfasst er eine bissige Romanparodie auf „Ghettoleben“. Unter dem Titel „Fuck“ figuriert der gut 70-seitige Texteinschub als Roman im Roman, als Sammelsurium der unsäglichsten rassistischen Klischees, das sich heute eher dröge liest – Rassismuskritik als abgestandener Sarkasmus von gestern.

Für die abgebrühten Leser von heute erweist sich die Ironie des Schicksals, die „Fuck“ zuteil wird, allerdings als völlig erwartbar und kann niemanden überraschen – mit Ausnahme des unbedarften Romanhelden selbst: Der Verlag schließt mit dem Autor einen Millionenvertrag für den Bestseller, für die Filmrechte bietet Hollywood drei Millionen, Stagg R. Leigh, verkleidet mit Perücke, Bart und Brille, wird in die Jury berufen, die alljährlich den prestigereichen National Book Award vergibt, und kann nicht verhindern, dass ausgerechnet „Fuck“ zum Preisträger gekürt wird.

Zugegeben: Für alle, die schon einmal in einer Literatur-Jury gesessen sind, liest sich Percival Everetts Insider-Satire auf das Jury-Biotop und die taktischen Winkelzüge von Juroren treffend und witzig. Das ändert jedoch nichts am zarten Mehltau, der diesen Roman im Laufe eines Vierteljahrhunderts überzogen hat.

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