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| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Politische Strukturen und Prozesse Totalitarismus und Diktatur |
|---|---|
| ISBN | 9783446286672 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 22 x 15.4 cm |
| Verlag | Hanser, Carl |
| Übersetzung | Anja Lerz |
| Lieferzeit | Lieferbar in 14 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Wie steht die russische Gesellschaft zu Putins Herrschaft und zum Krieg gegen die Ukraine? Eine meisterhafte Reportage von Åsne Seierstad Im Januar 2023 überquert ein junger Russe mitten in der Nacht die Grenze zu Norwegen. Nachdem er mit der Wagner-Gruppe in der Ukraine gekämpft hat, hofft er auf Asyl. Åsne Seierstad trifft ihn, um seine Geschichte zu erfahren. Dann will sie genauer wissen, wie die Menschen in Russland den Krieg und Putins Herrschaft erleben. Es gelingt ihr, durch das riesige Land zu reisen, nach Sibirien, wo die Armee ihre Soldaten rekrutiert, und in die Großstädte, wo viele den Krieg verdrängen. Sie trifft Fanatiker, Mitläufer und Oppositionelle, sie erlebt Angst und Lethargie, Mut und Verblendung. So findet sie den Stoff für das Panorama einer zerrissenen Gesellschaft, die es Putin möglich macht, unbeirrt an seinen Zielen festzuhalten.
| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Politische Strukturen und Prozesse Totalitarismus und Diktatur |
|---|---|
| ISBN | 9783446286672 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 22 x 15.4 cm |
| Verlag | Hanser, Carl |
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Tessa Szyszkowitz in FALTER 35/2026 vom 26.08.2026 (S. 18)
Russland ist nicht für Menschen gemacht. Die Zaren, die Sowjets, jetzt Putin. Ein Trauerspiel. Dieser alten Volksweisheit über ein großes, schönes, wildes und moralisch bankrottes Land könnte dieses Buch gewidmet sein.
Die norwegische Journalistin und Autorin Åsne Seierstad hat in "Der Krieg ist anderswo. Russland von innen" die Lebensgeschichte von Andrej Medwedew aufgeschrieben. Medwedew ist ein Trunkenbold, eine verlorene Seele, geboren irgendwo in den Weiten von Nowosibirsk. Der Vater schlägt die Mutter und die Kinder, die Mutter wird früh von einem betrunkenen Traktorfahrer überfahren. Andrej wird in Kinderheimen kriminell, später rekrutiert die private Söldnergruppe Wagner ihn als Kampfmaschine für die Ukraine.
Åsne Seierstad hat ihn in Norwegen getroffen. Der Soldat ist 2023 auf abenteuerliche Weise aus Russland geflohen. Seierstad berichtet von fast unfassbarer, mörderischer Gewalt, die Russlands Armee und die Gruppe Wagner gegenüber Rekruten aufbringen. Und die die Soldaten wiederum auf dem Schlachtfeld der Ukraine entladen.
Die 56-jährige Schriftstellerin ist schon bisher für ihre Sachbücher mit Preisen bedacht worden. 2018 bekam sie den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Sie hatte über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik geschrieben. Sie recherchiert bis ins kleinste Detail, schreibt zumeist mit kühler Distanz. Das ist in ihrem gerade auf Deutsch erschienenen Buch über Russland anders. Da wird sie mitunter auch sehr persönlich.
Denn Åsne Seierstad kennt Russland seit vielen Jahren von innen. Sie war schon als Russischstudentin dort, später als Korrespondentin und hat mit ihrem Buch "Der Engel von Grosny" den Kindern im kriegszerstörten Tschetschenien ein Denkmal gesetzt.
Mitten im Krieg gegen die Ukraine reist sie mit einem Mehrfachvisum als Autorin -explizit nicht als Journalistin - nach Russland. Sie dringt bis tief nach Nowosibirsk vor, um zu verstehen, wie Andrej Medwedew von diesem unmenschlichen System zu dem gemacht wurde, den sie in Oslo kennengelernt hat.
Sie trifft auf den 608 Seiten Menschen, die irgendwie ihr Leben hinbekommen und nicht mit ihr über Politik und Putin sprechen möchten -wer das tut, gefährdet sich und die Familie. Viele sind Mitläufer, manche Fanatiker. Besessen von Putins Propaganda.
Klarsichtig sind wenige, aber auch die trifft Seierstad. Etwa übriggebliebene Ikonen der kritischen Intelligenzija wie den russischen Journalisten Dmitri Muratow von der Zeitung Novaja Gazeta. Muratow setzt trotz aller Schikanen gegen kritische Medien seine Arbeit immer noch fort. 2021 hat er für seine mutige Arbeit den Friedensnobelpreis erhalten.
In der Redaktion findet die Besucherin aus Norwegen ein Mahnmal: Anna Politkowskajas Bürozimmer. So wie es war, als die kritische Investigativjournalistin 2006 erschossen wurde.
In dieser Mischung aus Reiseroman und Kriegsreportage entsteht ein verblüffend verstörender Bericht über ein Land, von dem man eigentlich dachte, es seien längst alle Abgründe ausgelotet. Aber es geht immer noch tiefer. Beim Lesen will man zur Beruhigung zur Wodkaflasche greifen.
Wäre da nicht das Bild vom zerrütteten Trinker Andrej Medwedew, der nur noch abgefüllt mit billigem Weingeist in die Schlacht geschickt werden kann, um dort Feinde umzumähen.
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