Murderland

Wie ein vergifteter Landstrich die berüchtigtsten Serienmörder der Geschichte hervorbrachte
496 Seiten, Hardcover
€ 26,80
-
+
Lieferung in 2-5 Werktagen

Bitte haben Sie einen Moment Geduld, wir legen Ihr Produkt in den Warenkorb.

Mehr Informationen
Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Tatsachenberichte, wahre Begebenheiten True Crime
ISBN 9783446286870
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 06.10.2026
Größe 22 x 15.3 cm
Verlag hanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Übersetzung Florian Kranz
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
info@hanser.de
Unsere Prinzipien
  • ✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
  • ✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
  • ✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
  • ✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
  • ✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
Kurzbeschreibung des Verlags

True Crime with a twist: Caroline Frasers »Murderland« entlarvt, wie Umweltverschmutzung zu menschlichen Gewaltausbrüchen führt – anhand der Serienmorde in den USA in den 1970er und 80er Jahren In den 1970er- und 80er-Jahren war die verwüstete Industrielandschaft des pazifischen Nordwestens der USA Schauplatz einer nie dagewesenen Welle von Serienmorden: Ted Bundy, Charles Manson und viele andere Täter prägten ein albtraumhaftes Kapitel der Kriminalgeschichte. Caroline Fraser, selbst in der Region aufgewachsen, folgt den Spuren dieser Gewalt nicht nur biografisch und historisch, sondern mit einer kühnen These: Könnte die Umwelt selbst – durch Blei und Arsen verseuchte Luft, kontaminierte Böden und vergiftetes Wasser – wie ein unsichtbarer Mitspieler die grausamen Taten begünstigt haben? Fulminant recherchiert und erzählerisch brillant entwirft »Murderland« das Bild einer Gesellschaft, deren dunkle Abgründe untrennbar mit ihrer Umgebung verbunden sind.

Mehr Informationen
Themen Biographie, Literatur und Literaturwissenschaft Biografien und Sachliteratur Tatsachenberichte, wahre Begebenheiten True Crime
ISBN 9783446286870
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 06.10.2026
Größe 22 x 15.3 cm
Verlag hanserblau in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Übersetzung Florian Kranz
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
info@hanser.de
Unsere Prinzipien
  • ✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
  • ✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
  • ✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
  • ✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
  • ✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
FALTER-Rezension

Killing Fields

Julia Kospach in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 39)

Nach der Lektüre von Caroline Frasers „Murderland“ assoziiert man den Pazifischen Nordwesten der USA sicher nicht mehr in erster Linie mit Nirvana, Amazon und moosig-feuchten Küstenregenwäldern. Stattdessen verwandeln sich die weiten Landstriche in den Bundesstaaten Oregon und Washington, speziell um die Städte Seattle, Tacoma und Spokane, rückblickend in eine Katastrophenzone, deren pittoreske Vulkankegel nicht die einzigen dumpf-heißen Brüter sind, mit deren zerstörerischen Ausbrüchen zu rechnen ist, vielmehr: zu rechnen war.

Denn das neue Buch der mit dem Pulitzer Prize ausgezeichneten US-Sachbuchautorin und Publizistin führt zurück in die Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre des 20. Jahrhunderts, direkt hinein in das, was ein Historiker mit einigem Zynismus „das goldene Zeitalter der Serienmörder“ nannte – mit dem Pazifischen Nordwesten als dessen geografischem Zentrum.

„Allein im Jahr 1974 agiert in Washington mindestens ein halbes Dutzend Serienmörder“, schreibt Fraser, Jahrgang 1961, die selbst auf Mercer Island östlich von Seattle aufgewachsen ist. Da ist Ted Bundy, charmant, gutaussehend, hochintelligent und spezialisiert auf äußerste Brutalität, Nekrophilie und junge, weibliche Opfer mit langen, dunklen, mittig gescheitelten Haaren.

Mit einer der von ihm entführten, gefesselten Frauen überquert er in seinem VW-Käfer auf dem Weg in die Bergwildnis auch Mercer Island, „ein paar hundert Meter von der Stelle entfernt, wo ich in meinem Zimmer schlafend im Bett liege“, wie Fraser konstatiert. Just 1974 eskaliert Bundys Mordlust. Als er bald danach erstmals verhaftet wird, kennt in Caroline Frasers Schule jeder „jemanden, der ein Mädchen kennt, das beinahe mit Ted Bundy ausgegangen wäre“. Zur selben Zeit in der Region aktiv sind auch der „I-5 Killer“ Randall Woodfield, ein Ex-Football-Spieler, der „Want-Ad Killer“ Harvey Carignan, der seine Opfer via Zeitungsannonce sucht, oder Gary Ridgway aus Seattle, der „Green River Killer“, der weniger wählerisch ist als Bundy, solange er seine Dutzenden Mordopfer nur als Abschaum betrachten kann.

In der Stadt Tacoma, wo Bundy aufwuchs, Ridgway lebte und ein weiterer soziopathischer Killer, nämlich Charles Manson, im Gefängnis saß, steigt die Mordrate allein 1974 um 62 Prozent; in ganz Washington um 30 Prozent – sechsmal mehr als im US-Durchschnitt.

Es ist, als hinge eine Wolke mörderischen Unheils über der Region. Allerdings, so Fraser, ist das nicht nur metaphorisch, sondern auch tatsächlich der Fall: Sie stellt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Serienmörder-Schwemme und realen, mit Arsen, Blei, Chlor, Ammoniak und Schwefeldioxid geschwängerten Giftwolken her, die schon seit Ende des 19. Jahrhunderts aus den Schloten der zahlreichen erz- und metallverarbeitenden Betriebe der Region direkt in die Körper der Menschen gelangten und noch um die Dämpfe verbleiten Benzins ergänzt wurden.

Die Verknüpfung zwischen Industrieabfällen, verseuchter Umwelt und Kriminalität ist nicht so weit hergeholt, wie sie am Beginn der Lektüre noch scheinen mag. Epidemiologen haben etwa die „Blei-Kriminalitäts-Hypothese“ formuliert, die eine deutliche Korrelation im Steigen und Fallen von Bleikonzentrationen und Kriminalitätsraten beschreibt. Industriegifte haben ihren Anteil daran, Menschen nicht nur krank, sondern auch verrückt und gefährlich zu machen. Ist die Mischung der übrigen Lebensumstände ebenfalls toxisch, kann das erschreckende Monster produzieren.

Unversehens entwickelt sich Frasers Buch zu einem raffiniert konstruierten Spiegelkabinett und Netzwerk. Sie erzählt in einem zu Leibe rückenden, eingängigen Präsens. Dabei verschränkt sie Serienkillerkarrieren, gnadenlose Umweltverschmutzung, rücksichtsloses Industrielobbying und vertuschende Politik zu einem Pandämonium menschlicher Zerstörungswut und entfesselter Rücksichtslosigkeit im Namen industriellen Fortschritts. Ihr eigenes Aufwachsen mit einem sektenhaft religiösen, tief gehassten Vater – einem Anhänger der „Christlichen Wissenschaft“ – beschreibt sie als private toxische Umgebung, die auch in ihr selbst Mordfantasien aufkeimen lässt.

Fraser hat ihr gewaltiges Recherchematerial so souverän im Griff, dass einem mit zunehmender Lektüre ganz angst und bange wird: „Rezepte für die Schaffung eines Serienmörders mag es einige geben, Zutaten sind etwa Armut, eine grobe Zangengeburt, schlechte Ernährung, körperliche und sexuelle Misshandlungen, Gehirnschäden und Vernachlässigung“, schreibt sie, „viele Schrecken spielen eine Rolle bei der Entstellung dieser gequälten Seelen, aber was passiert, wenn wir diese ganzen Traumata noch mit ein paar Elementen aus dem Periodensystem bestäuben?“ Keiner der vorbeidefilierenden Serienkiller, der nicht jahrelang giftigen Chemikalien ausgesetzt gewesen wäre.

Auffallend auch, wie viele Serienmörder just im Nachhall des Zweiten Weltkriegs und seiner rücksichtslos hantierenden Verteidigungsindustrie ihr Haupt erheben: „Während der Krieg tobend ein Ende findet, erwachen tatkräftige Monster zum Leben. Die größte Generation von Serienmördern entstammt dem Krieg“, so Fraser über jene zahlreichen Serial Killer, die während und kurz nach dem Krieg geboren werden.

„Murderland“ ist auch ein Porträt großer US-Industriellenfamilien wie den Guggenheims und Rockefellers sowie die Geschichte eines erst einsetzenden ökologischen Bewusstseins, das nicht zufällig aus den Gewerkschaften in Schwerindustriegegenden starke Impulse erhält und schließlich zur Gründung von Umweltschutz- und Arbeitssicherheitsbehörden führt.

„Murderland“ ist ein Non-Fiction-Buch, das einen nur schwer wieder loslässt und einem zwischendurch den Magen umdreht angesichts von entfesselter Mordlust, Arsenschauern, mit Blei ausgekleideten Gewässern und einer Landkarte, deren Berge, Highways und Flussufer nicht nur der Verbindung und Erbauung, sondern auch dem Abladen unzähliger Leichen dienen. Wer oder was die tödlichste Gefahr für Menschenleben darstellt, lässt sich am Ende kaum mehr sagen. Eine aus Profitgier gnadenlos zerstörte Umwelt spielt eine zentrale Rolle. Darin ist Frasers Buch von weit über einen US-Westküstenabschnitt hinausreichender Aktualität.

weiterlesen