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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783446288317 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 20.8 x 13.4 cm |
| Verlag | Hanser, Carl |
| Sammlung | Unsere Bestseller Literatur aus Österreich |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Wie wird man der Mensch, der man ist? Michael Köhlmeiers Roman über sein Leben – schonungslos ehrlich und mit der ganzen Kraft der Fiktion Alles beginnt mit einem vierjährigen Buben aus Coburg, der nicht weiß, dass er Eltern hat – bis er eines Tages mit der Eisenbahn in Lindau ankommt. Ein fremder Mann holt ihn ab und begleitet ihn in ein Haus ans Bett einer gelähmten Frau. Er ist sein Vater, sie ist seine Mutter. Wie wird man der Mensch, der man ist? Michael Köhlmeier hat sein Lebensbuch geschrieben, den großen Roman seiner Familie. Er erzählt von den Traumata der Weltkriege, die bis in die Gegenwart nachwirken, und vom Alltag in einer erzählsüchtigen Verwandtschaft. Schonungslos ehrlich und mit der ganzen Kraft der Fiktion dringt er in die Tiefe der menschlichen Existenz. »Alles wird sich irgendwann irgendwie zurechtschütteln, darin liegt die Zuversicht meines Lebens.«
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783446288317 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 20.8 x 13.4 cm |
| Verlag | Hanser, Carl |
| Sammlung | Unsere Bestseller Literatur aus Österreich |
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| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Carsten Otte in FALTER 35/2026 vom 26.08.2026 (S. 27)
Der Erzähler ist vier Jahre alt, als er auf dem Bahnsteig in Lindau zum ersten Mal vor jenem Mann steht, der sein Vater ist. Sie begrüßen sich wie zwei Fremde. "Grüß Gott, Herr Arnold Köhlmeier", sagt der Sohn, was den Angesprochenen offenbar so verwirrt, dass er das Kind zum Erwachsenen macht und auf seltsam flapsige Art reagiert: "Grüß Gott, Herr Michael Köhlmeier." Die Distanz zwischen den beiden wird bleiben, was aber nicht nur am holprigen Kennenlernen liegt.
Im autofiktionalen Roman "Mein privates Glück" beschäftigt sich Michael Köhlmeier jedenfalls mit der Frage, welche Einflüsse und Erlebnisse prägend waren für sein Leben - und die Episoden mit der herzlichen Großmutter spielen eine wichtige Rolle. Aufgewachsen ist der kleine Michael zusammen mit Schwester Walli im oberfränkischen Coburg bei der Großmutter.
Die bodenständige Frau erzählt gerne wüste Geschichten mit vielen Toten; von ihr lernt der neugierige Junge, dass ein unzuverlässiger und "nicht allzu gewiefter Erzähler" beim Publikum gut ankommt. Die Macht der Fiktion und die Möglichkeiten der sprachlichen Gestaltung müssen den Jungen schon früh inspiriert und ihm über seine legasthenische Veranlagung hinweggeholfen haben.
Entscheidende Spuren haben auch die gesellschaftlichen Verhältnisse in den 1950er-Jahren hinterlassen, in denen es mehr Tabus gab, als für die Menschen gut war: Der Vater ein kriegstraumatisierter Soldat, der zunächst nicht zu seiner Frau Charlotte zurückkehren und niemals über seine Erlebnisse an der Front sprechen wollte. Die Mutter eine Cholerikerin, die mit Ressentiments in der österreichischen Provinz und einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen hatte. Charlotte war nach einem "Ereignis", wie es in der Familie hieß, halbseitig gelähmt.
Da der Gatte sich ums Geldverdienen kümmern musste, wurden die Kinder zur Oma geschickt. Erst Jahre später erfuhr Michael, was sich zugetragen hatte: "Das Ereignis war die Geburt ihres letzten Kindes gewesen. Nachdem meine Schwester und ich die einzigen Kinder waren und ich das jüngere, musste ich glauben, es war meine Geburt. Unsere Mutter dachte wohl, irgendjemand werde mir doch gesagt haben, dass dieses Kind gleich nach der Geburt gestorben sei. Sie wollte es nicht noch einmal aussprechen. Es hatte mir aber niemand gesagt."
Geheimnisse und Lügen prägen das Zusammenleben der Familie. Der Vater verausgabt sich beim Hausbau in Hohenems, schlägt sich als Lokaljournalist durch, träumt vom Romaneschreiben, flüchtet sich aus dem anstrengenden Alltag mit der behinderten Frau in zahlreiche Affären.
Weil der Sohn noch im Zimmer der Eltern schläft, bekommt er die Geständnisse des Fremdgängers genauso mit wie die verzweifelten Vorwürfe der Betrogenen. Solche Szenen scheinen den Werdegang des verstörten Zuhörers vorgezeichnet zu haben. Einen Ausweg, das Unfassbare einzuordnen oder gar zu bewältigen, bot Michael Köhlmeier offenbar die Literatur.
Es wirkt, als habe Köhlmeier dieses Buch vor allem für seine geliebte Monika geschrieben, die immer wieder im Text direkt angesprochen wird. Nach ihrem überraschenden Tod hat Köhlmeier einen anrührenden Abschiedstext über die "Geliebte, Ehefrau, Mutter ihrer Kinder, Freundin und beste Arbeitskollegin" verfasst, und wer nun in "Mein privates Glück" liest, wie sich die beiden allen Widrigkeiten zum Trotz auf so vielfältige Weise beflügelt haben, mag das, was am 2. August dieses Jahres im Garten des Paares geschehen ist, für eine unwirkliche Geschichte halten. Vermutlich wird Helfers tragischer Sturz - Jahre nach dem tödlichen Unfall der Tochter in den Bergen -der Anlass für Köhlmeier sein, schon bald über eine Fortsetzung seiner Lebensgeschichte nachzudenken.
Der literarische Reiz dieser Prosa besteht nicht zuletzt darin, im Laufe der Lektüre zu erkennen, wie Köhlmeier, der in Kindertagen als "zu verspielt" galt, mit verschiedenen Tonlagen spielt, wie er zeithistorische Eckdaten im dokumentarischen Stil einflicht und wie er die eigenen Familiendramen manchmal zum Märchen verdichtet.
Köhlmeiers Roman löst Reflexionen etwa über die nicht vorhandene Allmacht Gottes in skurrilen Dialogen mit Geistlichen auf und gibt bei aller biografischen Redlichkeit letzten Endes doch der literarischen Erfindung den Vorzug. "Mein privates Glück" ist also nicht nur ein Familienroman, sondern auch die geglückte Coming-of-Age-Geschichte eines Autors, der sich fragt, wie er zu dem Schriftsteller geworden ist, der er heute ist.
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