Täuschung

Roman
208 Seiten, Hardcover
€ 24,70
-
+
Lieferung in 2-5 Werktagen
Mehr Informationen
Themen Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch
ISBN 9783446288355
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 15.09.2026
Größe 21 x 13.4 cm
Verlag Hanser, Carl
Übersetzung Hartmut Fähndrich
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
info@hanser.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Nach »Eine Nebensache« der neue Roman der palästinensischen Schriftstellerin Adania Shibli – einer der bedeutendsten Stimmen der modernen arabische Literatur Die Geschichte zweier junger Menschen in Palästina. Gezeichnet von der jahrzehntelangen Besatzung und den gescheiterten Friedensplänen der Neunzigerjahre, werden die beiden immer wieder an den Rand des Daseins gedrängt werden. Namen, Orte oder Daten werden nicht erwähnt, allein der Wandel der Jahreszeiten bezeugt ihre innere Zerrüttung. Bäume, Tiere und Verstoßene spenden Trost oder bringen Pein, während die Träume der Protagonisten zunehmend verblassen. Mit ihrer klaren, reduzierten Sprache erzählt Adania Shibli von Blicken, Gesten und Worten, die mehr verschweigen als offenbaren. »Eine leise, suchende, präzise Detailbeobachterin« (Süddeutsche Zeitung), die zeigt, was Literatur vermag: den Schmerz der anderen erfahrbar zu machen.

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ISBN 9783446288355
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 15.09.2026
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FALTER-Rezension

Klaus Nüchtern in FALTER 40/2026 vom 30.09.2026 (S. 31)

Adania Shibli, Jahrgang 1974, ist Palästinenserin mit israelischem Pass. Das macht sie als Autorin interessant, ihre Situation aber nicht gerade gemütlich. Ihr 2017 im arabischen Original erschienener Roman "Eine Nebensache" arbeitet, ausgehend von einem realen Fall des Jahres 1949, die Geschichte eines palästinensischen Mädchens auf, das von einem israelischen Soldaten vergewaltigt und ermordet worden war.

2023 sorgte die deutsche Übersetzung des Buches, das für den renommierten International Man Booker Prize nominiert war, für heftige Kontroversen. Weil der Autorin Einseitigkeit und Nähe zur israelkritischen Kampagne BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) vorgeworfen wurde, war die Verleihung des ihr zugesprochenen Litprom-Preises im Rahmen der Frankfurter Buchmesse von Direktor Juergen Boos auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben worden - wogegen wiederum zahlreiche Prominente aus dem Kulturleben protestierten, darunter die Literaturnobelpreisträgerinnen Annie Ernaux und Olga Tokarczuk oder der Philosoph Slavoj Žižek.

Soeben ist Shiblis jüngster Roman erschienen, und es steht zu befürchten, dass auch "Täuschung" zum Schauplatz weltanschaulicher Scharmützel degradiert wird. Ein "literarisches Virtuosenstück" voller "grandios verdichteter Sprachbilder" wollte der Kritiker der FAZ gelesen haben, einen "zutiefst passiv-aggressiven" Sermon, der "sich als Literatur ausgibt", jener der Welt.

Haben die beiden Herren dasselbe Buch gelesen? Offenbar nicht. Tatsächlich liegen Majd El-Safadi (FAZ) und Jan Küveler (Die Welt) circa gleich weit daneben: Der Vorwurf propagandistischer Parteilichkeit entbehrt der Grundlage, was allerdings auch für die Behauptung gilt, die Autorin habe ein Sprachkunstwerk von "intensiver Präzision und Raffinesse" vorgelegt.

"Täuschung" spielt in den ausgehenden 1980er-und frühen 1990er-Jahren, also in der Zeit zwischen Erster Intifada und dem Oslo-Abkommen. Die beiden jungen palästinensischen Protagonisten sind eine namenlose Studentin und ihr ehemaliger Mitschüler, der wegen antiisraelischer Graffiti eine vierjährige Gefängnisstrafe verbüßen musste. Wie die beiden in depressive Passivität und widerständige Verstocktheit getrieben werden, vermag die Autorin zwar nachvollziehbar zu erzählen; die politischen Ereignisse, die dazu führen, werden aber so gut wie nicht erwähnt.

Der Einseitigkeit insinuierende Vorwurf, Shibli würde die Anschläge auf israelische Busse ausblenden, geht ins Leere, fokussiert die Erzählung doch auf zwei Figuren, die damit nichts zu tun haben. Darüber hinaus aber bleibt auch das Elend der Unterdrückten in den besetzten Gebieten seltsam konturlos. Abgesehen vom Fall eines durch einen jüdischen Siedler ermordeten palästinensischen Bauern ergeht sich die Erzählerin in vagen Andeutungen: von der "täglichen Verschlechterung der Situation" ist da die Rede, von der "Verschlechterung der Lage", von Ereignissen, die sich "verschärfen". Umso größer ist der sprachliche Aufwand, der betrieben wird, um einerseits banale Vorgänge wie das Verfassen einer Vorlesungsmitschrift seitenfüllend zu beschreiben, andererseits das Seelenleben der Protagonisten überinstrumentiert auszuschildern.

Symbolschwer wird der auf der jungen Frau lastende Assimilationsdruck von einem Chamäleon und einem schwatzhaften Papagei verkörpert, die immer wieder auftauchen; und das "Gefühl, übersehen zu werden", das diese im Hörsaal überfällt, "kriecht näher, erklimmt ihren Stuhl, dann den Tisch und besetzt schließlich ihren Körper". Von den "sachlich unterkühlten Sätzen", die der Zeit-Reporter bei einer Lesung aus Shiblis Roman vernommen haben will, ist beim besten Willen nichts zu finden.

So sehr "Täuschung" mit Hinweisen auf die Datierung der Handlung knausert, so obsessiv wird der Wechsel der Jahreszeiten beschrieben. Allein der Herbst findet 27-mal Erwähnung. Noch viel öfter aufgerufen wird das leitmotivisch eingesetzte Grün der Flora, deren Resilienz in karger Landschaft der diskriminierten Bevölkerung Hoffnung zu versprechen scheint; ehe auch diese auf der letzten Seite des Romans als - ganz genau - "Täuschung" entlarvt wird: "Die meisten Leute, die an der Pinie vorübergehen, kennen das Geheimnis dieses Baumes nicht. Sie wissen nicht, dass er, obwohl grün, tot ist. [] Doch sein inneres Gewebe versorgt die Nadeln weiterhin und erhält sie grün, damit sie es lebenden gleichtun können." Botschaft ist angekommen.

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