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| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783446288379 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 21 x 13.6 cm |
| Verlag | Hanser, Carl |
| Übersetzung | Nikolaus Stingl |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Was bleibt von einem Leben? Die internationale Bestsellerautorin Emma Cline über einen Mann auf seiner letzten Reise – aufwühlend, fesselnd und tröstlich Irgendwann im nächsten Jahr wird sein Verstand ihn vollständig im Stich lassen, so die Prognose – und schon jetzt besteht die Welt für David zunehmend aus Rätseln. Was er weiß: Cody, der auf dem Sitz neben ihm schläft, begleitet ihn auf einer Reise. Ein Zwischenstopp in London. Ein Abendessen mit seiner erwachsenen Tochter. Das Ziel: die Schweiz. Während die Gegenwart sich auflöst, drängt die Vergangenheit heran: die Sonntagsbraten der Kindheit. Die steifen Kleider, die David für die Kirche trug. Die Sommer im Haus seines Freundes Tom. Emma Clines neuer Roman ist ein psychologisches Meisterstück, mal komisch, mal berührend und immer fesselnd. Eine eindringliche Geschichte über die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn all das, was ihn ausmacht, zu verschwinden beginnt.
| Themen | Belletristik Allgemein, nicht nach Genre Allgemein und literarisch |
|---|---|
| ISBN | 9783446288379 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 18.08.2026 |
| Größe | 21 x 13.6 cm |
| Verlag | Hanser, Carl |
| Übersetzung | Nikolaus Stingl |
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Klaus Nüchtern in FALTER 38/2026 vom 16.09.2026 (S. 32)
Für ihr Romandebüt, "The Girls", eine Coming-of-Age-Geschichte im Umfeld der Manson Family, soll die damals 27-jährige Emma Cline einen Dollar-Vorschuss in siebenstelliger Höhe erhalten haben. Die Investition dürfte nicht vergebens gewesen sein. Heute, zehn Jahre später, ist die US-Autorin so gefragt, dass die deutsche Übersetzung ihres jüngsten Romans drei Wochen vor dem Original erscheint; und die Jury des renommierten Booker Prize, der unter anderen Britpop-Dandy Jarvis Cocker angehört, hat "Switzy" schon einmal für die Longlist nominiert.
Im Mittelpunkt von Clines jüngstem Buch steht ausnahmsweise keine junge Frau, sondern ein Mann in seinen 70ern, der sich von den USA "In die Schweiz" - so der deutsche Titel - begibt, um sich dort qua assistiertem Suizid von dieser Welt zu verabschieden. Einst war David Hastings ein erfolgreicher Investmentbanker, ehe er immer mehr wichtige Meetings verpasste und beim Budget um acht Stellen danebenlag.
Die recht aufwendigen Versuche, seine Beeinträchtigung zu verschleiern, hat er mittlerweile längst aufgegeben, so wie auch den Alibi-Job, den ihm sein Freund und Chef aus Mitleid noch verschafft hat; so wie er ihm nun seinen Privatjet für die letzte Reise zur Verfügung stellt.
Die Demenz ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass das "Privileg völligen Alleinseins" für David "nicht mehr im Angebot" ist. Sein persönlicher Assistent Cody managt die wenigen verbliebenen Termine, die Medikamentation und die Kleiderauswahl; das eigene Smartphone verwendet David nur noch, um darauf Patiencen zu legen und geortet werden zu können (falls er nicht vergessen hat, den Akku aufzuladen).
Wie schon zuvor macht Cline auch in ihrem jüngsten Roman keinerlei Angebote für eine identifikatorische Lektüre, verzichtet auf auktoriale Kommentare sowie jegliche Psychologisierung. Erzählt wird strikt aus der Perspektive des Protagonisten, über den die Leser immer nur das erfahren, was diesem gerade durch seinen in Mitleidenschaft gezogenen Kopf geht; wobei ihm die Autorin allerdings eine Sprache zur Verfügung stellt, über deren oft sarkastische Eloquenz David selbst wohl nicht mehr verfügen würde: "Er sprach, und er hörte sich sprechen, aber es war, als redigierte jemand [ ] seine Sätze. Bestimmte Wörter wurden geschwärzt."
Der Plot besteht hauptsächlich in einer Abfolge alltäglicher Verrichtungen, die freilich immer umständlicher werden. Ansonsten tut sich auf der Handlungsebene nicht viel. Die Begegnung mit Tochter Rebecca, die von der Krankheit und dem Entschluss ihres Vaters nichts weiß, verläuft gewohnt distanziert.
Überhaupt scheinen die Versuche, Altlasten zu beseitigen oder Versäumtes nachzuholen, eher aussichtslos. Dabei drängt sich angesichts der ausgelaugten Gegenwart, die "ein bloßer Aufbewahrungsort" geworden ist, die Vergangenheit in Davids Wahrnehmungsfeld, denn da ist auch noch die Sache mit Tom, einem alten Schulfreund, mit dem er seinerzeit offenbar nicht nur das Zimmer geteilt und den er in einem entscheidenden Moment im Stich gelassen hat.
Jeglichem Pathos abhold, liefert Cline kein Protokoll eines verpassten Lebens. "Ich begehre meine Begierde nicht mehr" - das schießt David just in dem Augenblick durch den Kopf, als sich eine betrunkene junge Frau, vermutlich ein Escort-Girl, nackt in seiner Badewanne niedergelassen hat. Überhaupt zeichnet sich die buchstäblich todtraurige Geschichte durch eine überraschende Dosis an Humor aus. Fehlleistungen produzieren nun einmal Komik, etwa wenn David ein Schild mit der deutschen Aufschrift "Ausfahrt" auf Englisch missversteht und als "assfart"(Arschfurz) liest.
Die Entscheidung, sich suizidieren zu lassen, ist für den Protagonisten eine Frage des Timings: "Richtig gemacht, würde es verfrüht wirken. [ ] Die Party genau dann verlassen, wenn man denkt, dass man sich auf dieser Party prächtig amüsiert."
David Hastings ist kein gewinnender Held, man kommt ihm nicht einmal sonderlich nahe. Aber die schiere Präzision, mit der seine letzten Tage geschildert werden, lässt dennoch Empathie aufkommen. Und darin besteht die erstaunliche Kunst der Emma Cline.
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